SAP muss auf Ariba warten – USA schauen genauer hin

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Der Walldorfer Softwarekonzern muss länger als erwartet auf grünes Licht für die Übernahme des US-Cloud-Experten Ariba warten. Das US-Justizministerium hat nach Angaben von SAP zusätzliche Informationen angefordert.

Es handel sich um die zweite Anfrage der amerikanischen Kartellbehörden, hieß es aus Walldorf und von Ariba. Das Vorgehen der US-Behörden sei “ganz normal”, versicherte ein SAP-Sprecher gegenüber Dow Jones Newswire. SAP rechnet nun damit, dass die Transaktion im vierten Quartal des Jahres abgeschlossen werden kann. Bislang war man davon ausgegangen, dass der Deal bereits im dritten Quartal in trockenen Tüchern ist.

SAP hatte im Mai angekündigt Ariba für 4,3 Milliarden Dollar zu übernehmen. Die US-Firma gilt als einer der führenden Anbieter Cloud-basierter Handelsnetzwerke. Mit dem Kauf will SAP neue cloudbasierte Modelle der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen schaffen.

Der Walldorfer Softwarekonzern erklärte, mit dem Kauf baue man seine Wachstumsmöglichkeiten erheblich aus und verleihe dem Cloud-Geschäft zusätzliche Dynamik. “Die Cloud hat die Art und Weise, wie Menschen miteinander interagieren, grundlegend verändert. Ihr Einfluss wird noch größer, wenn sich Unternehmen miteinander verbinden und innerhalb ihrer weltweiten Netzwerke mit Kunden und Partnern auf ganz neue Art zusammenarbeiten”, sagten Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe, die beiden SAP-Vorstandssprecher.

Experten loben den geplanten Deal. Experton-Analyst Andreas Zilch spricht von einem “brillanten Schachzug”. “SAP gewinnt dadurch die Kontrolle über das größte Handelspartner-Netzwerk, welches nun eng mit den SAP Supply Chain Applikationen integriert werden kann. SAP hat damit eine Trumpfkarte gegen Oracle in der Hand.”

Vor diesem Hintergrund spekulieren einige Branchenbeobachter, dass Oracle eventuell noch ein Gegenangebot für Ariba vorlegen könnte. Analyst Richard Williams von Cross Research etwas hält den von SAP gebotenen Kaufpreis für zu niedrig und hält ein Gegenangebot auch deshalb für wahrscheinlich. Durch die Verzögerung des Deals hätte Oracle jetzt zumindest ein paar Wochen mehr Zeit für einen solchen Schachzug.

Silicon.de-Blogger und Bitkom-Vizepräsident Paul Heinz Bonn spricht von einem “Stellungskrieg” der Global Player: “Jeder übernimmt, was das Zeug hält: IBM, Oracle, HP, SAP, Google und Facebook. Und auch SalesForce kauft und kauft – und verteidigt sich damit selbst gegen eine mögliche Eroberung. In dieser Schlacht gibt es keine Freunde.”

SAP plant, nach Abschluss der Transaktion alle cloudbezogenen Beschaffungslösungen unter der Marke Ariba zu vereinen. Das bestehende Management von Ariba wird das Unternehmen weiterführen. Ariba soll eine eigenständige Geschäftseinheit mit dem Namen “Ariba, ein Unternehmen der SAP” werden. Der SAP-Vorstand will zudem Ariba-CEO Bob Calderoni in das Global Managing Board von SAP berufen.

Experton-Analyst Zilch: “Auch der Markt und die Prozesse im Bereich Einkaufs- und Supply Chain Outsourcing werden sich dadurch verändern. IT-Entscheider sollten sich mit der SAP-Vision vertraut machen und überlegen, wie sie in ihr eigenes Unternehmen integriert werden könnte.”

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