Hana vs. Exalytics – ein Vergleich von Äpfel mit Birnen

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Oracles Konkurrenzprodukt zu SAPs Hana ist das im vorigen Oktober vorgestellte Exalytics-System in Verbindung mit Oracles In-Memory-Datenbank TimesTen. Beide Systeme nutzen die extrem schnelle In-Memory-Technologie, doch deren Architektur und Anwendungsbreite ist äußerst unterschiedlich. Somit ist auch ein direkter Vergleich beider Systeme sehr schwierig.

Während SAPs Hana eine völlig neue Infrastruktur schafft, bei der alle Daten spaltenorientiert im Hauptspeicher im Zugriff sind, basiert Oracles Exalytics auf der althergebrachten Struktur einer relationalen Datenbank mit den zugehörigen Duplikationen und Aggregationen. Nachfolgend ein Vergleich der wesentlichen Vor- und Nachteile beider Systeme, denn ein direkter System-Vergleich bedeutet Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Die Vorteile von Hana

Hana ist eine komplett neue Daten-Infrastruktur. Alle Daten sind komplett In-Memory und können dort direkt abgerufen werden. Hana ist eine einzige Datenbasis für Transaktionen und für Analytics. Aggregationen, Indexierung und Duplikationen entfallen. Folglich unterstützt Hana auch nicht die damit verbundenen Abläufe, wie MOLAP, ROLAP oder ähnliche. “Wenn alles im Speicher gehalten wird, kann man viele alte Zöpfe abschneiden, beispielsweise braucht man keinen Index mehr, denn man kann alles sequentiell durchsuchen”, sagt SAPs Co-CEO Jim Hagemann Snabe. Diese Vorteile sind immens, denn sie bewirken eine deutlich geringere Infrastruktur bei der Datenhaltung – und das ist ein wesentlicher Kosten-Vorteil. Allerdings fehlt bislang noch genügend Zahlenmaterial von den ersten Hana-Anwendern, um diesen Punkt hinreichend zu quantifizieren.

Die Nachteile von Hana

Bestehende Programme sind nicht direkt übertragbar, beziehungsweise es ist nicht sinnvoll, da sie die In-Memory- und Parallel-Verarbeitung nicht ausnutzen. “Die Portierung der ERP-Suite auf Hana bringt keine Performance-Vorteile, also ist es besser, die Suite auf einer klassischen Serverumgebung mit einer relationalen Datenbank zu belassen”, bestätigte SAPs Aufsichtsratsvorsitzender Hasso Plattner auf der jüngsten Sapphire. Andererseits arbeitet man mit Hochdruck an der Portierung bestehender Anwendungen. Doch wesentliche Transaktions-orientierte Applikationen werden nicht vor Jahresfrist verfügbar sein – und auch dann nur für eine Handvoll ausgewählter Beta-User.

 

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Es sind vor allem strukturelle Probleme, die gegen eine schnelle Portierung der bestehenden SAP-Programme sprechen. Denn um die Vorteile von Hana voll auszuschöpfen, muss die Software in SQLScript oder R erstellt sein, das wiederum bedeutet, dass die althergebrachten SAP-Programme umgeschrieben werden müssen – und das kostet Zeit. Um aber nicht nur die schnelle Datenbank, sondern vor allem auch die Parallelverarbeitung vollends auszuschöpfen, kann man nicht nur die Ablauflogik eins-zu-eins umschreiben, sondern man muss auch die Abarbeitung in viele kleine Prozesse aufsplitten, die weitestgehend unabhängig voneinander gestartet werden können. Das alles ist zeit- und testintensiv.

Die Vorteile von Exalytics

Bestehende Anwendungen, Datenbanken und Datawarehouse-Installationen sind direkt übertragbar – und bringen sofort Geschwindigkeitsvorteile. Das ist die bekannte Plug-kompatible Performance-Steigerung, die vor allem bei den konservativen CIOs sehr beleibt ist.

Die Nachteile von Exalytics

Die althergebrachte Infrastruktur rund um die relationale Datenbank bleibt bestehen. Das heißt transaktions-orientierte Daten werden weiterhin von der Anwendungsumgebung ins Datawarehouse und anschließend auf die Exalytics-Maschine kopiert. Das bedeutet entsprechende Server, Storage und Netz-Integration sowie die zugehörige Administration. “Das Kopieren erfordert dreifache Latency, womit ein Teil der Performance-Vorteile wieder verloren geht”, sagt Gartner-Analyst Don Feinberg über diese Architektur.

Der größte Nachteil von Exalytics ist jedoch der, dass es praktisch nur ein Add-on zu einer bestehenden Installation ist. Das bedeutet, dass diejenigen Kunden, die ihr SAP-System auf einer Oracle-Datenbank betreiben, weiterhin eine Lizenz für die Transaktions-Datenbank, eine fürs Datawarehouse und eine dritte für TimesTen, beziehungsweise Essbase, oder sogar für beide – also unter Umständen bis zu vier Lizenzen – haben müssen.

Preisunterschiede

Laut Oracles Vice President Thomas Kurian kostet die Hardware für einen kleinen Datamart mit 500 GByte 135.000 Dollar, die TimesTen Datenbank schlägt dann mit 690.000 Dollar zu Buche, was zusammen 825.000 Dollar ausmacht (hierzu bedarf es aber noch einer Oracle BI Foundation Lizenz). Laut SAPs Vice President Steve Lucas kostet eine vergleichbare Hana-Installation 500.000 Dollar. Wobei sich dieser Betrag allerdings mit den offiziellen Listenpreisen nachrechnen lässt.

Diese Datenbanken unterstützen SAP HANA bereits. Quelle: IBM

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