Apple verliert San Francisco als Kunden

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Apple hat den freiwilligen Verzicht auf das Umweltsiegel von EPEAT verteidigt und noch einmal ausführlich Stellung zu dem Thema bezogen. Der Stadt San Francisco reicht das aber nicht. Sie entschieden, keine weiteren Desktops, Notebooks oder Monitore von Apple zu erwerben. Vermutlich erst der Anfang einer Reihe ähnlicher Beschaffungsverbote.

Denn US-Bundesbehörden sind bei Elektronik gehalten, zu 95 Prozent von EPEAT als umweltfreundlich eingestufte Produkte zu kaufen. Ähnliche Vorgaben haben auch Großunternehmen wie der Autohersteller Ford. Viele Kunden könnte Apple auch im Erziehungswesen verlieren, unter anderem in Universitäten erzielt das Unternehmen noch immer geschätzte 10 bis 15 Prozent seiner Umsätze. Das Verbot der Stadtobersten von San Francisco gilt für alle 50 Behörden der Stadt.

“Apple hat Design gegen Umwelt gestellt – und sich für Design entschieden”, sagte Greenpeace-Sprecher Casey Harrell. “Sie wetten groß darauf, dass es den Leuten egal ist, aber Recycling ist ein großes Thema.”

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Anfang der Woche war bekannt geworden, dass Apple aus dem Öko-Zertifizierungsprogramm EPEAT aussteigt, mit dem es bisher intensiv geworben hatte. Der Konzern hat das nun noch einmal gerechtfertigt und erklärt, er beschäftige sich “umfassend” mit den Auswirkungen seiner Produkte auf die Umwelt.

“Apple misst unsere Umweltbelastung mit einer umfassenden Herangehensweise”, erklärte Apple-Sprecherin Kristin Huguet, “und all unsere Produkte genügen Energy Star 5.2 und damit den strengsten Standards für Energieeffizienz, die von der US-Regierung unterstützt werden. Wir sind außerdem branchenführend, indem wir auf unserer Website über die Treibhausgasemissionen eines jeden Produktes informieren. Außerdem sind Apples Produkte überlegen in anderen ökologischen Bereichen, die nicht von EPEAT gemessen werden, wie der Vermeidung giftiger Materialien.”

Diese Stellungnahme erreichte mit The Loop eine Apple geneigte Publikation, die weitere Argumente zugunsten des Unternehmens anfügte. Weit weniger mitteilsam war Apple gegenüber anderen Medien und offenbar selbst gegenüber der Zertifizierungsagentur EPEAT, die mit Mitteln der US-Umweltbehörde EPA geschaffen wurde. “Ich hatte ein paar Gespräche, und Apple hat gesagt, dass ihre Design-Ausrichtung nicht zu den EPEAT-Standards kompatibel ist”, erklärte in einem Interview Robert Frisbee, CEO von EPEAT. “Das ist irgendwie seltsam, da sie geholfen haben, die Standards zu definieren.”

Noch gibt es keine EPEAT-Standards für Smartphones und Tablets, aber sie werden derzeit vorbereitet. Wie Frisbee andeutete, dürfte ihnen Apples erfolgreiches iPad nicht entsprechen. Es verfügt wie das neu vorgestellte MacBook Pro mit “Retina-Auflösung” über eine verklebte statt verschraubte Batterie, so dass Demontage und Recycling praktisch unmöglich sind.

“Es gibt ein Problem mit den verklebten Batterien im iPad”, sagte er. “Wenn Sie die toxischen nicht von den recyblebaren Materialien trennen können, dann qualifiziert es sich nicht. Andere Hersteller haben Wege gefunden, um den EPEAT-Anforderungen zu entsprechen. Es ist ein wenig verwirrend, warum Apple, das immer vorausgegangen war, sich für eine andere Richtung entschieden hat.”

[Mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de]

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