Fernstudium: Moodle statt Campus

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Fußballmanager Oliver Bierhoff, Tennis-Ass Andrea Petkovic, ja sogar Außenminister Guido Westerwelle haben ein Fernstudium absolviert. Für die meist neben dem Job stattfindende Qualifizierung gibt es in Deutschland mehr als 500 Weiterbilder, darunter auch einige mit IT-Studiengängen.

Christian Puff in ein echter Profi, in Sachen Fernstudium. Der 27-Jährige absolviert bereits sein zweites Studium nebenberuflich. An der Stuttgarter Privat-Hochschule Akad schloss er Mitte 2011 ein Wirtschaftsinformatik-Studium mit Diplom ab. Inzwischen hat er sich an der FernUniversität Hagen eingeschrieben. Dort will er in vier Semestern seinen Master in Wirtschaftswissenschaften machen. Auf die Idee mit dem Fernstudium ist Christian Puff durch seinen Vorgesetzten gekommen.

Nach dem Abitur und einer Ausbildung zum Fachinformatiker wollte der gebürtige Bayer schon kündigen, um Vollzeit zu studieren. Sein Chef, der selbst ein Fernstudium erfolgreich abgeschlossen hat, gab ihm den Tipp, sich nebenberuflich weiterzubilden. Es folgten vier Jahre, in denen Christian Puff wöchentlich zwischen zehn und 15 Stunden neben dem Job lernte. Am Ende hatte er sein Diplom in der Tasche. Das honorierte auch Puffs Arbeitgeber aus Weiden in der Oberpfalz. Hier arbeitet Christian Puff inzwischen als Projektleiter.

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Ganz ähnlich lief es bei Thomas Brunner. Der 28-jährige zieht aktuell sein BWL-Studium an der Hamburg Fern-Hochschule (http://www.hamburger-fh.de/) durch. Der Münchner arbeitet tagsüber bei einem IT-Großhändler in Planegg. Dort kümmert sich der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann um den Im- und Export von Servern, Switches oder Routern. Ein stressiger, nervenaufreibender Job. Manchmal geht es zu wie an der Börse. Hinzu kommt: Neben dem technischen Wissen muss Thomas Brunner täglich Kenntnisse zu Währungskursen und -risiken anwenden und mit Kunden und Lieferanten verhandeln.

“Da ist abends die Konzentration weg. Es bleibt nicht viel Lust zum Lernen”, gibt er unumwunden zu. Trotzdem hat er es bald geschafft. Im Herbst startet Thomas Brunner in sein siebtes und letztes Semester. Besteht er auch diesmal die vier Prüfungen, hat er seinen Bachelor of Arts in der Tasche.

Lernen müssen Thomas Brunner und Christian Puff meistens alleine. Zwar bietet sowohl die Hamburger Fern-Hochschule wie auch die Stuttgarter Akad Vorlesungen an Studierzentren an, doch nicht alle Fernstudenten nutzen die Chance. “Dabei ist das Lernen in der Gruppe viel angenehmer”, sagt Thomas Brunner. Bereits zu Beginn des Studiums suchte er deshalb Kontakt zu Kommilitonen. Auch Christian Puff hat drei, vier Kollegen gefunden, die in etwa das gleiche Lerntempo hatten wie er. Mit ihnen stand er immer wieder in Kontakt und tauschte sich über Programmiersprachen oder Datenbankenkonfiguration aus.

Wie Christian Puff und Thomas Brunner neben dem Job zu studieren, liegt im Trend. An der Fernuni in Hagen sind 80 Prozent der knapp 80.000 Studierenden berufstätig. Darunter immer wieder Prominente: Profisportler, bekannte Köpfe aus dem Showbusiness und der Politik. Sogar Strafgefangene lernen via Hagen.

Bundesweit haben die Statistiker des Fachverbands Forum DistancE-Learning 2010 387.000 Fernlerner gezählt. Ein Viertel mehr als noch fünf Jahre zuvor. Laut Heiner Simons, dem Leiter der staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht in Köln, ist dieser Aufwärtstrend nicht verwunderlich. Denn für Menschen, die sich beispielsweise um kleine Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern und daher nicht die Zeit finden, an die Uni zu gehen, sei ein Fernstudium oft die einzige Möglichkeit, sich weiterzubilden. Studieren kann man inzwischen fast alles aus der Ferne: Kultur- und Sozialwissenschaften, Mathe und Informatik, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.

Einen weiteren Grund für die steigende Nachfrage sieht Stefan Janssen in den mobilen, internetfähigen Anwendungsgeräten wie Tablet-PC und Smartphone. Der Europa-Chef des E-Learning-Anbieters Skillsoft berät Unternehmen, die ihre Mitarbeiter online qualifizieren wollen. “Inzwischen ersetzen Social-Media-Formate ähnlich Facebook die Campusse und Hörsäle”, verdeutlicht der Lernexperte. So würden sich beim Studium Zuhause oder am Arbeitsplatz virtuelle Lerngruppen finden, in denen etwa ältere Studenten ihr Wissen mit neuen Kommilitonen teilen.

Auch die Studenten von Akad und der Fernuni in Hagen nützen solche Lernplattformen im Netz. Die Fernuni teilt etwa auf www.moodle.org alle relevanten Termine mit, bietet Serviceleistungen oder moderierte Diskussionen zu bestimmten Themen an. Hinzu kommen Online-Tests und sogenannter Live-Learning-Unterricht. Statt im Hörsaal sitzen die Teilnehmer vor dem Bildschirm und lauschen hier ihren Dozenten. Bei Akad tauschen sich die Studierenden auf fernstudenten.de aus. In dem Forum gibt es Wissenswertes zu Kolloquien, Wahlmodulen oder Prüfungen.

Doch elektronische Hilfen ersetzen soziale Kontakte, die während eines Studiums aufgebaut werden, nicht komplett. Neben Vorort-Zentren, die an Wochenenden Lehrgänge mit Präsenzunterricht anbieten, hätten die großen Weiterbilder inzwischen auch mentale Trainings. “Jeder Student hat mindestens einmal im Studium eine Krise und will aufgeben”, sagt Simons. Wer hier mittels Coaching durch das Tal führt, hebe sich vom Wettbewerb ab, baue dem Studienabbruch und damit wirtschaftlichem Schaden vor. Denn für einen Bachelor legen die angehenden Absolventen bis zu 10.000 Euro auf den Tisch. Ein Master kostet bis zu weiteren 8000 Euro.

Spezielle IT-Studiengänge bietet die Akad an: Seit 2003 Wirtschaftsinformatik, Mechatronik seit 2010, Elektro- und Informationstechnik seit 2011, genauso wie Technische Informatik. Insgesamt sind derzeit 1085 IT-Studierende immatrikuliert, die meisten davon für Wirtschaftsinformatik.

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