Wie Unternehmen Browser einsetzen

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Viele Unternehmen verlassen sich bei ihrer Browser-Strategie lediglich auf ein Produkt. Zudem zeigt sich in Puncto Standardbrowser im Unternehmensumfeld auch ein anderes Kräfteverhältnis bei den Alternativen zu Microsofts Internet Explorer. So spielt etwa Chrome hier kaum eine Rolle.

Im Frühjahr hat Experton Group eine Analyse zum Einsatz des Browsers in deutschen Großunternehmen durchgeführt. Zentraler Bestandteil der Untersuchungen ist die Befragung von 121 IT-Entscheidern in Unternehmen mit mehr als 500 PCs in Deutschland. Mit dieser Analyse knüpfen wir an unsere Analysen aus den Jahren 2009/2010 an. Nachfolgend stellen wir Ihnen erste Ergebnisse vor.

Der Internet Explorer (IE) aus dem Hause Microsoft wird von über 71 Prozent der befragten Unternehmen als Standardbrowser eingesetzt, während der Firefox-Browser von knapp 29 Prozent der Unternehmen als Standard genutzt wird. Im Rahmen der Befragungen und Analysen sprechen wir von einem Standardbrowser, wenn der Browser voreingestellt für das Öffnen zum Beispiel von Links ist. Beispiel: Nehmen wir an, der Anwender „klickt“ in einer Email auf einen Link. Derjenige Browser, der sich dann automatisch öffnet, ist der eingestellte Standardbrowser Weitere Browser – als Standardbrowser – sind in den Unternehmen nicht von nennenswerter Bedeutung.

Die grundsätzlichen Strukturen der Nutzung von Internet Explorer und Firefox als Standardbrowser haben sich seit der letzten Betrachtung quasi nicht verändert. Lediglich die eingesetzten Produktgenerationen haben sich in Bezug auf den Standardbrowser geändert. So ist der Internet Explorer 6 inzwischen kaum noch von Bedeutung. Setzten im Jahr 2010 noch ca. 31 Prozent der befragten Unternehmen den IE 6 als Standard ein, so sind es gegenwärtig nur noch ca. ein Prozent. Deutlich gewachsen ist der Einsatzgrad des IE 8 (von 19 Prozent auf 41 Prozent) und des IE 9 (auf 17 Prozent). Die deutliche Reduktion des Einsatzgrades des IE6 kann mit der Migration von Windows XP auf Windows 7 sowie einer Umstellung des Browsers bei Windows-XP-Anwendern von IE 6 auf IE 8 erklärt werden.

Ein-Browser-Strategie dominiert

61 Prozent der befragten Unternehmen setzen nur einen Browser ein. Bei den restlichen 39 Prozent sind mindestens zwei Browser im Einsatz. 49,6 Prozent setzen den Internet Explorer als Standard ein und verzichten auf den Einsatz weiterer Browser. 11,6 Prozent verzichten komplett auf den Internet Explorer.

Browser Strategie

Abbildung: Nutzung von Browsern / Browserkombinationen. Quelle Experton Group AG, 2012

Knapp 16 Prozent aller befragten Unternehmen – respektive 61 Prozent der Unternehmen, die Firefox als Standardbrowser einsetzen – setzen die Version 12 ein. Chrome ist auf vier Prozent aller PCs in den Unternehmen im Einsatz – bzw. installiert. Verglichen mit der Befragung aus 2009/2010 eine explosionsartige Verbreitung. Bei der letzten Erhebung war Chrome auf weniger als einem Prozent der Rechner installiert. Die Experton Group geht davon aus, dass die Bedeutung von Chrome in den kommenden 12 bis 18 Monaten weiterhin deutlich zunehmen wird. Begründet wird diese Prognose u.a. auch mit der ermittelten positiven Wahrnehmung und Grundeinstellung der Entscheider gegenüber dem Chrome-Browser. Chrome wird heute bereits nahezu hinsichtlich aller Facetten besser bewertet als Safari und Opera. In Bezug auf die wichtigen Leistungsattribute „einfach“ und „schnell“ liegt Chrome bereits auf dem Niveau des Firefox – und vor dem Internet Explorer.

Internet Explorer noch immer der „Industriestandard“ für Browser

Wie bereits einleitend beschrieben, wird der Internet Explorer bei über 71 Prozent der befragten Unternehmen als Standardbrowser eingesetzt. Die Verbreitung des IE9 übersteigt aktuell die Verbreitung aller Firefox–Varianten, bezogen auf die prozentual installierte Basis in den Unternehmen. Entscheidern in Unternehmen, die den IE als Standardbrowser und keinen Alternativbrowser im Einsatz haben, achten besonders auf Aktualität und Zukunftsfähigkeit. Für diese Nutzergruppe sind diese Parameter nahezu genauso wichtig, wie Sicherheit, Geschwindigkeit und Stabilität.Dieses Segment repräsentiert 49,6 Prozent aller Unternehmen (Vergleichswert aus 2010: über 51 Prozent). Top Attribute bzw. Charakteristika, die mit dem Internet Explorer verbunden werden, sind „verbreitet“, „vom Anwender akzeptiert“, „Standard“.

Unternehmen, die einen sonstigen Browser – meistens Firefox – im Einsatz haben, sehen als „Top-Eigenschaften“ eines Browsers Sicherheit, Zukunftsfähigkeit, Aktualität und Innovation (innovatives Produkt). Die wahrgenommene Leistungsfähigkeit erfüllt bezogen auf die Thema Sicherheit und Aktualität die Anforderungen in vollem Umfang. Bezogen auf Innovation und Zukunftsfähigkeit werden die Erwartungen sogar übertroffen. Unternehmen, die sonstige Browser als Standard und den IE als Alternative einsetzen, sehen ein höheres Bedrohungspotenzial durch das Ausnutzen von Schwachstellen wie Brute Force, Cross-Site Scripting, DoS, „Entführung“, Manipulation von Daten und Übernahme erweiterter Berechtigungen (durch Dritte), als Unternehmen, die den IE als Standard einsetzen und weitere Browser als Alternativen im Einsatz haben.

Firefox

Weniger als zehn Prozent aller Unternehmen, die Firefox als Standard-Browser einsetzen, verwenden Version 6 oder älter. Dies sind knappe 2 Prozent aller Unternehmen.

Firefox

Abbildung: Verteilung von Firefox-Versionen. Quelle: Experton Group AG, 2012

Knapp 16 Prozent aller befragten Unternehmen – respektive 61 Prozent der Unternehmen, die  Firefox als Standardbrowser einsetzen – setzen die Version 12 ein. Nutzer neuerer Versionen konnten bedingt durch den Befragungszeitraum nicht ermittelt werden. Firefox ist auf 27 Prozent der Rechner in den befragten Anwenderunternehmen installiert. Die Verbreitung des IE9 übersteigt die Verbreitung aller Firefox –Varianten bezogen auf die prozentual installierte Basis in den Unternehmen.

Internet Explorer

Abbildung: Verteilung von Internet-Explorer-Versionen. Quelle: Experton Group AG, 2012

Chrome ist auf vier Prozent aller PCs in den Unternehmen im Einsatz. Verglichen mit der Befragung aus 2009/2010 (<1%) eine Vervielfachung – wenngleich noch auf niedrigem Niveau.

Deutliche Bewegung in den letzten 24 Monaten

Die Marktanalyse zeigt, dass die betrachteten Unternehmen genauso wie im Jahr 2010 unterschiedliche Strategien und Ansätze hinsichtlich des Browsereinsatzes verfolgen. Verallgemeinert kann hier von unterschiedlichen Pfaden gesprochen werden, die die Entscheider in den Unternehmen einschlagen. Im Vergleich zum Jahr 2010 kann festgestellt werden, dass sich heute wesentlich mehr Unternehmen aktiv mit der Auswahl und dem Einsatz der Browser beschäftigen.

Webbrowser

Abbildung: Einsatz von Webbrowsern, Zeitvergleich. Quelle: Experton Group AG, 2012

Hatten bei der letzten Erhebung 19 Prozent der befragten Unternehmen in ihren Unternehmen eine zentrale Browser-Strategie, so sind es im Jahr 2012 bereits 42 Prozent. In Unternehmen mit mehr als 2.500 Mitarbeitern haben sogar 47 Prozent eine Strategie für den Einsatz von Browsern in Unternehmen definiert (2010 waren es noch 23 Prozent). Dies führt die Experton Group auf die starke Windows 7-Migration, Sicherheitsaspekte und die Einhaltung von Standards nicht zuletzt im Cloud-Bereich und bei Web Services zurück. In über 88 Prozent der befragten Unternehmen wird zentral über Regeln und Vorgaben in Bezug auf den Einsatz des Browsers entschieden. Dabei wird in 74 Prozent zentral für das gesamte Unternehmen und bei ca. 14 Prozent zentral am Unternehmensstandort entschieden. Im Vergleich zu der 2009/2010 durchgeführten Studie kann hier eine Steigerung von zehn Prozent (acht Prozentpunkte) festgestellt werden.

Was bleibt?

Investitionen in Informationstechnik spielen eine wichtige Rolle für den Erfolg von Unternehmen. Es herrscht das Credo, dass nur diejenigen Unternehmen erfolgreich agieren werden, die mithilfe Ihrer IT schnell innovative Geschäftsprozesse entwickeln oder umsetzen. Doch leistungsstarke und neue Informationstechnologien können nur dann erfolgreich eingesetzt werden, wenn alle „Zahnräder“ ineinander greifen. Hierzu zählen auch so unscheinbare Elemente wie der Browser. Die Vergleich der Jahre 2009/2010 und 2012 zeigt, dass das Thema Browser stärker in den Fokus der IT-Entscheider gerückt ist. Wir gehen davon aus, dass die Bedeutung in den kommenden 12 bis 18 Monaten noch weiter steigen wird. Neben den Punkten Sicherheit, Geschwindigkeit und Stabilität steht insbesondere das Themenfeld der einfachen Handhabung im Fokus.

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