Enterasys meldet sich zurück

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Vormals zum Netzwerkspezialisten Cabletron gehörend, verschwand Enterasys in den letzten Jahren ein wenig im Hintergrund. Nun meldet sich der Hersteller zurück und möchte in den kommenden Jahren zum bevorzugten Zweithersteller neben den Marktgiganten avancieren.

Rund vierhundert Besucher lud Enterasys Mitte September zu einer Kunden- und Partnerkonferenz ins Berliner Adlon-Hotel. Es war das erste Mal, dass der Hersteller seit 2006 eine solche Veranstaltung durchführte. Seit der Cabletron-Offspring 2006 in private Investorenhände übergegangen und im Gefolge rund 20 Prozent seines Umsatzes eingebüßt hatte, war es um den Hersteller recht still geworden.

Punkten will Enterasys nun überall, wo der Markt derzeit boomt: SDN (Software Designed Networking), Vernetzungs- und Managementtechnologien fürs Datenzentrum, BYOD (Bring Your Own Device) und Wireless nebst Security stehen im Fokus. Kernkomponenten sind neben den Switches die Managementsoftware OneFabric, der ASIC CoreFlow als Kern aller Switches und die Integration von Wired und Wireless vom äußersten Edge bis zum Netzwerkkern.

“Netzwerke sind vor allem dazu da, Anwendungen zu transportieren. Wir sorgen dafür, dass das schnell und störungsfrei geschieht”, umreißt Chris Crowell das Konzept des Unternehmens. Besonders die enge Integration zwischen Wired und Wireless werde, so meinte Markus Nispel, technologischer Chefstratege von Enterasys, zur Schlüsselfrage.

“Wireless wird zur bevorzugten Zugangsfor. Die Zellen werden aber nur noch fünf bis zehn Meter Durchmesser haben und bei 802.11n, dem demnächst dominierenden Transportstandard, 300 MBit/s Bandbreite bei drei Clients bieten”, erklärt Nispel weiter. Die verkabelten Ports dagegen würde abnehmen – von heute zwei bis drei pro Anwender auf unter einem. Dafür steht zukünftig nicht mehr jedem Mitarbeiter jederzeit ein verkabelter Port zur Verfügung.

Enterasys verfolgt beim Software Designed Networking einen hybriden Ansatz. Quelle: Enterasys.

Beim Applikations- und Bandbreitenmanagement bis zum mobilen Edge soll die integrierte Steuerung der Bandbreitenverteilung durch benutzerbezogene Profile helfen. Wie das geht, zeigte Enterasys auf der Veranstaltung eindrucksvoll in der Praxis: Mit wenigen Klicks lässt sich durch einen Wechsel des Bandbreitenprofils die Bandbreite, die das Endgerät eines bestimmten Anwenders nutzen kann, verändern, ohne dass das Gerät dabei seine IP-Verbindung verliert und diese anschließend wieder aufgebaut wird. “Wir reden nicht mehr darüber, sondern gehen mit einem Demo-Koffer zum Kunden, wo er das mit seinen eigenen Endgeräten ausprobieren kann”, erklärt Dan Dulac, Vice President Solution Engineering.

Auch bei einer anderen Technologie, dem derzeit heiß diskutierten SDN sieht sich Enterasys weit vorn. “Wir machen das schon seit Jahren, nur nennen wir es nicht so”, sagt Nispel. Tatsächlich ist der CoreFlow-ASIC, der in allen Enterasys-Switches steckt, im Stande, mehrere Millionen unterschiedliche Flows gleichzeitig zu transportieren. Er steckt aber nur in Enterasys-Switches. Hier liegt das große Risiko eines solchen proprietären Ansatzes, Enterasys` SDN-Lösung Fusion realisiert ein hybrides Konzept mit One Fabric als Steuerungszentrale im Zentrum. Über konventionelle Netzprotokolle werden Einzelfunktionen und -komponenten wie Radius, virtuelle Maschinen, DHCP, Endgeräte oder die Konfigurationsdatenbank gesteuert. Anf Enterasys-Systemen werden die entsprechenden Policies direkt mit SNMP3 durchgesetzt. Bei allen eigenen und Fremdsystemen lassen sich dynamische Regeln über Radius umsetzen. Und in Zukunft können auch spezifische Datenströme dynamisch gesteuert werden, sofern Enterasys-Geräte mit implementierter CoreFlow2-Technologie sie transportieren.

Markus Nispel glaubt nicht daran, dass der proprietäre Ansatz im Vergleich zu offenen SDN-Implementierungen wie OpenFlow sich nachteilig auswirken wird: “Erstens bekommt man bei diesen Technologien einen Engpass im Controller, weil ihn alle Flows zumindest einmal anlaufen müssen. Zweitens sollen komplexere Funktionen in OpenFlow über sogenannte Extensions, also Erweiterungen, realisiert werden, die die Technik am Ende wieder genauso komplex machen werden wie normales Routing.” Nispel ist überzeugt, dass man dem Markt gerade hier um einige Jahre voraus sei.

Insgesamt hat sich der Hersteller, für den der deutsche Markt, und hier speziell Zielgruppen aus dem öffentlichen Sektor, eine wichtige Rolle spielt, für die kommenden 24 Monate einiges vorgenommen. In allen Produktbereichen sind umfassende Erweiterungen und Erneuerungen geplant. So soll die bisherige Highend-Switchplattform S-Serie mit Core-Fähigkeiten ausgerüstet werden. Die Steuerung kompletter Infrastrukturen will Enterasys in Zukunft auch mit Hilfe sozialer Medien wie Twitter ermöglichen. Steuerungsmöglichkeiten sollen durchgehend bis auf die Anwendungsebene reichen, so dass sich genau kontrollieren lässt, wie schnell welche Applikation wohin geliefert wird. Im Wireless-Bereich sind schon bald Enterprise-taugliche 802.11ac-Systeme geplant.

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