Gartner: Big Data schafft 4,4 Millionen Arbeitsplätze

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Gartners IT-Symposium in Orlando ist – sagt Gartner – das “weltweit wichtigste IT-Event für CIOs und IT-Chefs”. Immer häufiger stehen bei der Veranstaltung auch wirtschaftlichen Konsequenzen von bestimmten IT-Entwicklungen im Vordergrund.

Gartner-Analyst David Cearly: “Hadoop ist nicht Big Data”. Quelle: Harald Weiss.

Gartner hat auf seinem jüngsten Symposium in Orlando wieder eine Vielzahl an Trendprognosen abgegeben. Dabei adressieren deren Analysten auch immer häufiger die wirtschaftlichen Konsequenzen von bestimmten IT-Entwicklungen. So sagte deren Chefanalyst Peter Sondergaard in seiner Eröffnungsrede, dass Big Data in den nächsten drei Jahren 4,4 Millionen neue Arbeitsplätze weltweit schaffen wird.

“Die Unternehmen wollen mehr Informationen und Entscheidungshinweise aus ihren Datenbergen herausholen, doch dazu bedarf es neuer Mitarbeiter, die sowohl die analytischen Möglichkeiten, als auch die Business-Relevanz der vorhandenen Datenmengen kennen und beherrschen. Damit ist aber nicht gemeint, dass auch 4,4 Millionen Menschen einen neuen Arbeitsplatz finden werden. “Das Problem bei diesen Jobs ist, dass es die erforderlichen Fachkräfte kaum gibt – höchstens ein Drittel der neuen Position werden die Unternehmen besetzen können”, so Sondergaard weiter.

Big Data und Analytics sind auch weiterhin auf Gartners Liste der zehn wichtigsten technologischen Trends. Allerdings mit der Einschränkung, dass es sich um ´”Actionable Analytics” und um “Strategisches Big Data” handeln muss. Damit meinen deren Analysten, dass es nicht darum geht, besonders große Datenmengen zu horten oder wissenschaftlich wertvolle Analytics zu betreiben. Entscheidend ist, dass diese Datenmengen strategisch nutzbar gemacht werden. “Hadoop ist nicht Big Data”, erläuterte Gartner-Analyst David Cearly seine Meinung zu diesem Thema.

Einen breiten Raum nimmt auf dieser Veranstaltung auch immer das Thema Geld ein. Hierzu gehören praktische Typs für die Verhandlungen mit SAP, Oracle und Microsoft – aber auch Budgetierungsfragen. “Es wird für uns immer schwieriger, den Gesamtumsatz des IT-Marktes zu ermitteln, denn die Abgrenzung zu Marketing, Vertrieb und anderen Business-Budgets wird immer schwerer”, meinte Sondergaard. So hatten die Technologie-Ausgaben außerhalb von IT vor zwölf Jahren nur einen Anteil von 20 Prozent, doch bis 2020 wird dieser Anteil of 90 Prozent ansteigen. “Jedes Budget ist in Zukunft ein IT-Budget”, lautet seine Prognose. Hiermit untermauert er den schon seit einigen Jahren zu beobachtenden Trend, dass IT immer mehr zum integralen Bestandteil jedes Businessplans wird.

Beim Thema “Social und Collaboration” holte Analystin Mary Mesaglio etwas weiter aus. Quelle: Harald Weiss.

Der wichtigste Trend ist laut Gartner jedoch alles rund um Mobile. “Mit Microsofts Surface kommt eine echte Konkurrenz zu Apples iPad auf den Markt und der Kampf um Marktanteile bei Smartphones und Tablets wird sich gewaltig verschärfen – was gut für die Preise und die Leistungsfähigkeit der Geräte ist”, sagte David Cearly bei der Präsentation der Top Ten.

Ansonsten sieht man auch bei Gartner wenig Chancen für das neue Windows 8. “90 Prozent der Unternehmen werden Windows 8 NICHT auf breiter Front einführen”, sagte Sondergaard in seiner Keynote und sein Kollege Michael Silver erläuterte anschließend, warum die Unternehmen keine Lust auf die Einführung von Windows 8 haben: “Nur 20 Prozent der Firmen haben inzwischen die Umstellung von XP auf Windows 7 abgeschlossen – und 15 Prozent haben noch nicht einmal damit begonnen.”

Gastredner waren in diesem Jahr Cisco-Chef John Chambers und HP-Chefin Meg Whitman. Wobei die Bezeichnung “Gastredner” etwas irreführend ist, denn die Gäste werden auf dem Gartner-Symposien jeweils von zwei Gartner-Analysten ins Kreuzfeuer genommen. So musste sich John Chambers den Fragen von Richard Hunter und David Willis stellen. Chambers führt die gegenwärtigen Probleme bei Cisco auf die allgemein schwächeren IT-Zahlen zurück, wie beispielsweise die jüngsten Ergebnisse von Microsoft, Intel und AMD. Besonders interessant war seine Antwort auf die Frage, was er vom Schutz des Geistigen Eigentums und den gegenwärtigen Megaprozessen hält: “IT-Firmen müssen endlich aufhören sich gegenseitig zu verklagen. Es kostet Milliarden und es bremst die technologische und wirtschaftliche Entwicklung – es ist schlichtweg ein Chaos.” Nachgefragt, wie er es denn mit China hält, antworte er, dass man “gute Geschäfte mit China macht” und dass man in der Lage sei, “das Geistige Eigentum zu schützen”.

HP-Chefin Whitman wurde von Neil MacDonald und Yvonne Genovese in die Zange genommen. Obwohl HP deutlich mehr in Schwierigkeiten steckt als Cisco, gab sich Whitman optimistischer und verbindlicher. “Wir werden niemanden hängen lassen – nicht einen einzigen Kunden, der uns jemals sein Vertrauen geschenkt hat”, antwortete sie auf die Frage nach dem Abbau beim Dienstleitungssektor. “Wir sind nach IBM der zweitgrößte IT-Anbieter von Dienstleistungen und wir werden diesen Bereich ausbauen”, versprach sie den CIOs.

Auch sonst ließ sie sich ein wenig in die Karten schauen. So wird es auch im nächsten Jahr noch KEIN Smartphone von HP geben, aber langfristig stehe das auf ihrer To-do-Liste. Die PC-Sparte bleibt definitiv bei HP, weil das beim Supply-Chain erhebliche Vorteile bietet. Über die neue Konkurrenz von Microsoft durch deren Surface-Tablet lachte sie nur und meinte, dass das Surface den Consumer-Markt anspricht und HP sich mit Hybrid-Systemen auf die Business-Welt konzentrieren will. Bis wann sie HP wieder flott habe?, wollten die Analysten wissen. “2012 ist das Jahr der Bestandsaufnahme, 2013 werden wir die ersten Reparaturen vornehmen und ab 2014 sollten wir in ruhigeren Fahrwassern angekommen sein. Doch ich plane nicht kurzfristig – ich will HP für die nächsten 75 Jahre fit machen”, lautete ihre strategische Perspektive.

Gartners IT-Symposium ist eines der bedeutendsten IT-Events – laut Gartner sogar das “weltweit wichtigste IT-Event für CIOs und IT-Chefs”. Über 8.000 kamen in diesem Jahr nach Orlando, um sich in den hunderten an Präsentationen auf den neuesten Stand der Informations-Technologie zu bringen.