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Unified Communications: Alles neu und digital

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Auch beim Hype-Thema ‘Unified Communications’ ist offenbar längst nicht alles Gold was glänzt und so scheint hier bei Anbietern wie AT&T Ernüchterung breit zu machen. Man will sich auf andere Technologien und Bereiche konzentrieren: “Rich Commonication” heißt das neue Zauberwort.

„Die Realität ist, dass es in jedem größeren Unternehmen bestehende Kommunikations-Systeme und althergebrachte Technologien gibt, die nicht alle durch eine einheitliche Unified Communications Plattform ersetzt werden können“, sagt Shawn Conroy Vice President und Product Manager bei AT&T über den Stand der einst hochgepriesenen neuen Kommunikations-Struktur. Folglich seien die Installationen weit hinter den Erwartungen zurück geblieben.

Und obwohl er AT&T als einen der großen Integratoren von unterschiedlichen Technologien und Angeboten sieht, richtet sich sein Augenmerk derzeit auf andere Entwicklungen in der Kommunikationstechnologie. „Die bahnbrechenden Veränderungen betreffen die Protokolle und hier vor allem die Vereinheitlichungen im Transport“, sagt er über das, woran man bei AT&T im Moment intensiv arbeitet.

 

 

Damit meint er zunächst den Wechsel auf reinrassige SIP-Technologie (Session Initiation Protocol), mit der Sprache, Video und Daten sowohl als eins-zu-eins, als auch als viele-zu-viele Session durchgeführt werden können. „Rich Communication gehört die Zukunft“, so Conroy weiter.

Da es aber auch innerhalb der Netze verschiedene Protokolle und Technologien gibt, ist auch hier keine einheitliche Transportstruktur möglich. Hier setzen die großen Netzwerk-Betreiber auf MPLS (Multiprotocol Label Switching). Das ist eine protokollunabhängige Kommunikationsstruktur, bei der die einzelnen Netzwerk-Nodes die Daten wie bei einem Paket-Protokoll an den nächsten Node weiterreichen, ohne dass sie den Inhalt dekodieren müssen. MPLS unterstützt folglich viele Kommunikations-Technologien, wie T1/E1, ATM, Frame Relay und DSL.

„Alles ist in Zukunft digital, beziehungsweise IP-basiert, das trifft vor allem auch auf die Sprachübertragung zu, die alsbald nur noch eine App auf dem Smartphone sein wird“, prophezeit Conroy. Die Vorteile dieser totalen Digitalisierung sind seiner Ansicht nach eine wesentlich geringere Netzkomplexität, eine verbesserte Sicherheit, eine erhöhte Zuverlässigkeit und vor allem ein wesentlich einfacheres Netzmanagement.

Damit aber ist auch das Dauerthema Unified Communications neuen Herausforderungen ausgesetzt. „IP-basierte Cloud, Mobilität und Interoperabilität sind die neuen Forderungen der Unternehmen an die die Anbieter von Unified Communications“, sagt Gartner-Analyst Bern Elliot über das neue Szenario.

Einen breiten Raum wird in Zukunft die Video-Konferenz einnehmen – wenn auch nicht in der Highend-Version wie Ciscos Telepresence, sondern eher als normales Kommunikationstool am Desktop oder Tablet. „Auf der Client-Seite ist bereits alles dafür vorhanden, was aber fehlt sind häufig noch die erforderlichen Bandbreiten und Netze“, sieht er als gegenwärtige Hemmschwellen. Doch daran wird weiter intensiv gearbeitet. Selbst kleine und mittlere Firmen können sich heute bereits einen kostengünstigen Glasfaseranschluss einrichten lassen. Und auch die Backbone-Ausbauten laufen auf vollen Touren.

Nach Angaben der Marktforscher von CRU wurden allein in den USA im letzten Jahr rund 30 Millionen Kilometer an neuen Glasfaserkabeln verlegt – der höchste Wert seit dem Boom des Internets vor über zehn Jahren. Auch bei den Unterseekabeln gibt es einen neuen Boom.

So wird derzeit ein neues Kabel zwischen Nord- und Südamerika sowie entlang der Westafrikanischen Küste verlegt. Ein internationales Firmenkonsortium plant bereits eine fast weltumspannende neue Glasfaser-Verbindung, mit der die BRIC-Länder, also Brasilien, Russland, Indien und China sowohl untereinander, als auch mit den Wirtschaftsmetropolen in Europa, Japan und Nordamerika verbunden werden sollen.

Tipp: Wie gut kennen Sie sich mit USB aus? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 14 Fragen auf silicon.de.

  1. Kein einzelner UC-Anbieter kann alle denkbaren Technologien einbinden, das ist korrekt. Und das ist auch gut so! Viele große Hersteller etwa konzentrieren sich bei ihren UC Suiten auf ihre Kernkompetenzen und überlassen es fachkundigen Partnern, die Brücken zu anderen Technologien zu schlagen. Gerade diese Partnerlösungen stellen die Interoperabilität der Gesamtlösung sicher und der Kunde erhält dadurch das bestmögliche System – “best of breed”. Es ist schon Paradox, erst durch viele unterschiedliche Partner kommt der Kunde zu einer einheitlichen “unified” Communication Lösung. Partner und Systemhäuser schaffen also Mehrwerte, wenn sie plattformübergreifende Lösungen anbieten. One-stop-shop Angeboten sollte man eher vorsichtig gegenüber stehen.