“2013 wird das Jahr des Mobile First”

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2013 werden mobile Apps als handfeste Business-Tools genutzt werden und Mobilgeräte wie Smartphone und Tablets werden sich bei Mitarbeitern als wichtigste Arbeitsplattformen etablieren. Was das im Einzelnen für den CIO und Business Entscheider bedeutet, erklärt Bob Tinker, CEO von MobileIron im silicon.de-Interview.

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MobileIron-CEO Bob Tinker. Quelle: MobileIron.

silicon.de: Warum wird das Jahr 2013 das Jahr von “Mobile First” sein?

Tinker: Die Menschen haben über das Post-PC Zeitalter gesprochen seitdem David Clark vom Massachusetts Institute für Technologie (MIT) diesen Begriff im Jahr 1999 erstmals geprägt hat. Die Diskussion hat sich immer um die Endgeräte gedreht. Aber im Jahr 2013 wird die wahre Post-PC-Ära Realität und wir werden die Verlagerung von Geschäftsprozessen auf die Mobiltechnologie in globalem Maßstab erleben. Die vorrangig genutzte Computing-Plattform wird die mobile Plattform sein. Apps werden die Art und Weise sein, wie die Menschen ihre Arbeit erledigen. Unternehmen werden zu “Mobile-First-Organisationen”. Unternehmen bewegen sich über das Mobile Device Management (MDM) hinaus und konzentrieren sich auf mobile Anwendungen, Inhalte und Dokumente. Sie nutzen die Mobiltechnologie, um ihr Unternehmen umzuformen und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

silicon.de: Was bedeutet Mobile First überhaupt?

Tinker: Im Jahr 2012 haben wir erlebt, dass viele Unternehmen mit ihren Entwicklungen für mobile Plattformen das Pilotstadium verlassen haben und in die Produktivphase übergegangen sind. Dies bedeutete die Steuerung von Tausenden mobilen Endgeräten, die Unterstützung vieler unterschiedlicher Betriebssysteme und vor allem die Mobilisierung von Geschäftsprozessen mit Hilfe von mobilen Apps.

Historisch betrachtet, wurden Unternehmensanwendungen für den PC entwickelt. Dann hat die IT Abteilung herausgefunden, wie man Desktop-Anwendungen auf mobile Endgeräte übertragen kann. Im Jahr 2013 werden Unternehmen Lösungen zuerst für die mobile Welt entwickeln, also der Mobile-First-Strategie folgen. PCs werden nur noch eine sekundäre Rolle spielen. Ein größeres Unternehmen aus dem Medienbereich hat bekanntgegeben, dass es Lösungen zuerst für die mobile Welt entwickeln wird und erst dann für den PC – wenn überhaupt. Die meisten Unternehmen sehen die Mobiltechnologie als eine Möglichkeit an, die Produktivität und die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter zu steigern. Wird das native Nutzererlebnis beeinträchtigt, führt dies zu einer Rebellion der Anwender und die Mobile-First-Strategie scheitert. Das bedeutet, dass ein Mobile-First-Unternehmen das native Nutzererlebnis in den Mittelpunkt ihrer App-Entwicklung stellen sollte. Geben Sie Ihren Mitarbeitern eine schlecht entworfene App,  und niemand wird sie nutzen. Geben Sie ihnen eine gut durchdachte App, die den Geschäftsprozess verbessert und sie werden erfreut sein.

silicon.de: Welche Auswirkungen hat Mobile First?

Tinker: Wie ich erklärt habe, muss ein Unternehmen, das gemäß dieser Strategie arbeitet, das Nutzererlebnis an die erste Position vor allem Anderen stellen. Die Menschen kaufen ein iPhone, ein iPad oder ein Android-Smartphone deshalb, weil sie das Nutzererlebnis lieben, das speziell für dieses Endgerät entwickelt wurde. Wenn sie dieses Endgerät bei der Arbeit nutzen, dann möchten sie auch das entsprechend genießen. Eine Mobile-First-Organisation denkt nicht über Mobile Device Management (MDM) nach, sondern über die nahtlose Bereitstellung von Apps, Inhalten und Werkzeugen.

Als Ergebnis davon werden wir im Jahr 2013 erleben, dass sich Anwendungen für professionelle Benutzer, wie beispielsweise Box, Evernote und GoodReader, als Business Tools etablieren. Nicht alle werden aus der IT-Abteilung kommen. In vielen Fällen werden Apps von den Fachabteilungen oder einzelnen Mitarbeitern eingeführt. Im Jahr 2013 wird sich BYOD (Bring Your Own Device) zu ‘Bring Your Own Apps’ (BYOA) entwickeln. In einem Mobile-First-Unternehmen zählt die Erfahrung. Die Erfahrung stellt die Endnutzer in den Mittelpunkt, nicht die Endgeräte. Die Sicherheit muss für die Benutzer unsichtbar sein, sie darf nicht im Weg stehen. Dies ist eine wesentliche Änderung gegenüber dem, wie die IT mit Sicherheitsfragen im PC–Zeitalter umgegangen ist.

silicon.de: Was bedeutet Bring Your Own Apps, also das Mitbringen eigener Anwendungen, für die Unternehmen? 

Tinker: Sobald mobile Endgeräte im Unternehmen eingesetzt werden, folgen die Apps direkt hinterher. Geschäftskunden nutzen für Privatkunden gedachte Endgeräte wie das iPhone, iPad und Android und möchten ihre Lieblingsanwendungen in der Arbeit nutzen – wie beispielsweise das Collaboration-Tool box.com oder eine App wie Evernote, um Dinge nachzuverfolgen. Die Mobile IT hat verstanden, dass die Nutzer zufriedener und produktiver sind, wenn sie das mobile Endgerät ihrer Wahl nutzen können. Dies trifft auch auf Apps zu. In diesem Szenario wird entscheidend sein, dass die Mobile IT die Daten der Apps schützen und dabei gleichzeitig das Nutzererlebnis bewahren muss. In der neuen Generation der Enterprise Mobility und BYOA (Bring Your Own Apps) ist das Nutzererlebnis von zentraler Bedeutung. Aus der Sicht der Endnutzer muss die Sicherheit unsichtbar sein und der Datenschutz muss bewahrt werden, besonders bei Endgeräten im persönlichen Eigentum. Für die mobile IT Welt gilt: Die Geschäftsdaten müssen geschützt sein, die Belastung des Helpdesks muss minimal sein und das Ganze muss schnell einsetzbar sein.

silicon.de: Denken Sie, dass Microsoft mit Windows Phone und Windows 8 den BYOD-Trend aufhalten kann?

Tinker: Von Anfang an waren wir bei  MobileIron davon überzeugt, dass die Mobile-IT-Teams letztendlich drei Betriebssysteme unterstützen würden. Die mobile Welt arbeitet nicht wie die PC-Welt. Bei letzterer brauchte die IT nur ein Betriebssystem zu supporten, das alle drei bis fünf Jahre mit einer neuen Version upgedatet wurde. Die Mobiltechnologie ist ein vom Endkunden getriebenes Phänomen, das über die Endkunden Einzug in die Unternehmen  gehalten hat. Das bedeutet, dass die Benutzer heute bei der Wahl ihrer Arbeitsmittel mitbestimmen. Daher planen alle unsere Kunden ihre Mobile-IT-Projekte mit mindestens drei Betriebssystemen. Wie wir wissen, ist das Interesse an Windows Phone 8 bei unseren Kunden aus den folgenden Gründen hoch:

  • bereits vorhandene Windows-Entwickler können für die Entwicklung mobiler Apps eingesetzt werden
  • Verfügbarkeit der von Microsoft angebotenen Tools zur Erhöhung der Produktivität wie Office, SharePoint und Lync
  • Vorhandene Geschäftsbeziehung mit Microsoft
  • Einheitliches Betriebssystem im  Windows-Phone-Ökosystem

Microsoft muss ebenso wie Apple für iOS und Google für Android zuerst das Interesse der Endkunden für Windows Phone 8 wecken. Denn mobile Plattformen, die nicht beim Endkunden erfolgreich sind, werden nicht die Nachfrage generieren, die erforderlich ist, um in Unternehmen erfolgreich zu sein.

silicon.de: Wie glauben Sie, wird Mobile Device Management 2013 aussehen?

Tinker: Die Mobiltechnologie verändert dramatisch die Art und Weise, wie Menschen ihre Arbeit erledigen. Die Herausforderungen des Mobile Device Management sind gelöst. Wir brauchen nicht weiter über Enterprise-Mobility im Hinblick auf die Endgeräte nachzudenken. Im Jahr 2013 gehen wir über das Mobile Device Management hinaus. Mobile-First-Unternehmen stehen vor der spannenden Aufgabe, ihre Geschäftsprozesse komplett zu mobilisieren. 

silicon.de: Vielen Dank für das Gespräch!