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Die Erfolgsgeschichten junger IT-Unternehmen aus dem kalifornischen Silicon Valley sind legendär – ebenso wie die viel bewunderte Risikolust amerikanischer Venture-Capital-Gesellschaften. Doch überstrahlt vom Erfolg einiger weniger, gehen im Silicon Valley Jahr für Jahr reihenweise Startups Pleite. Neueste Untersuchungen belegen, dass es weit aus mehr Versager als Erfolgreiche gibt.

venture capital birthplace siliconvalley

Die Gründung von HP markiert die Entstehung des Silicon Valley. Quelle: Harald Weiß.

Immer, wenn über den Erfolg der amerikanischen Hightech-Industrie im Vergleich zu den europäischen Ländern gesprochen wird, dauert es nicht lange, bis man über die US-Finanzierungsmodelle schwärmt – allen voran die Risikolust der Venture-Capital-Gesellschaften (VC). Diese pumpen Millionen in junge Startups und sobald das Unternehmen Erfolg hat machen sie und die meist jungen Firmengründer Kasse. Google, Amazon, Facebook, Yahoo, Netscape oder Sun – sie alle fingen mit ein paar Dollar Venture-Kapital an und bescherten in wenigen Jahren ihren Investoren und Gründern viele Milliarden. Die erfolgreichsten Venture-Gesellschaften im Silicon Valley sind Kleiner Perkins und Sequoia. Beide hatten ihre größten Erfolge mit Google. 1999 kauften sie einen 20-Prozent-Anteil für 25 Millionen Dollar. Als Google 2004 an die Börse ging, war der Marktwert mit 23 Milliarden Dollar fast das Tausendfache von 1999.

Soweit zu den Erfolgsgeschichten, die alle wahr sind und die in der Tat viele Millionäre und Milliardäre produziert haben. Doch nicht aus allen Startups werden Googles oder Facebooks. Laut dem US-Verband der VCs gibt es bei 30 bis 40 Prozent aller finanzierten Startups einen Totalausfall, weitere 30 bis 40 Prozent zahlen immerhin noch das eingesetzte Kapital zurück und nur magere 10 bis 20 Prozent entwickeln sich so gut, dass sie ordentliche Kapitalgewinne ausschütten können.

Doch inzwischen mehren sich die Hinweise darauf, dass die Ausfallrate bei den VC-Investitionen wesentlich höher ist. So kommt eine von der Harvard Business School durchgeführte Untersuchung zu dem Ergebnis, dass von rund drei Viertel des in Startups investierten Kapitals nicht ein einziger Cent zurückgezahlt wird. Das entspricht einer Totalausfallrate von 75 Prozent, also etwa das Doppelte von dem, was die Branche selbst veröffentlicht. Auch bei den anderen beiden Kategorien gibt es große Differenzen. So würde die Erfolgsrate – also der Teil der Startups, die in der Lage sind, das eingesetzte Geld plus einer ordentlichen Verzinsung zurückzuzahlen – bei höchsten fünf Prozent liegen.

“Es gibt eine erschreckend große Diskrepanz zwischen dem, was uns die VCs erzählen und dem aktuellen Marktgeschehen”, sagt Harvard-Professor Shikhar Ghosh über das Ergebnis seiner Untersuchung. Für seine Studie hat er das Schicksal von 2000 Startups unter die Lupe genommen, in die mindestens eine Million Dollar investiert wurden. Weitere Informationen waren die veröffentlichten Investment-Portfolios der größten VCs.

Die Gründe für die großen Unterschiede sind seiner Ansicht nach rein emotional. “Die Beerdigung eines Unternehmens geht schnell und ohne viel Aufhebens – andererseits wird jede Erfolgsgeschichte lauthals in die ganze Welt hinaus posaunt”, lautet seine Erklärung. Folglich bleiben bei den VCs die Erfolge besser im Gedächtnis haften, als die Verluste, was dann zu völlig falschen Einschätzungen führt.

“Die Pleite eines Startups ist für alle Beteiligten eine riesengroße Enttäuschung und niemand will darüber reden, doch die Realität ist, dass es weitaus mehr Versager als Erfolgreiche gibt”, sagt David Cowan von Bessemer Ventures. Er meint im Übrigen, dass das zur Natur des VC-Geschäftes gehört. “Wer hohe Ausfallraten nicht verkraften kann, sollte die Finger von diesem Business lassen”, ist sein Rat an alle, die meinen, dass man mit derartigen Investitionen schnelles Geld verdienen kann.

Eine weitere Ursache für die hohe Ausfallrate ist die, dass es keine objektiven Maßstäbe gibt, mit denen man die Erfolgsaussichten eines jungen Unternehmens mehr oder minder gut vorhersagen kann. “Unsere Anfangsinvestitionen sind reine Bauchentscheidungen, ich schaue mir praktisch nur die Leute und deren Business- und Management-Verstand an – das ist viel wichtiger, als jede Produkt- und Markt-Analyse”, sagt Anne Johnson, Partnerin bei Cunning Systems im Silicon Valley. Ihr Unternehmen ist auf die Anfangs-Finanzierung von ganz jungen Hightech-Schmieden spezialisiert, wo man noch mit Einzelbeträgen von unter 100.000 Dollar auskommt.

Fotogalerie: Silicon Valley: Von AMD bis Yahoo


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Neuester Kommentar




2 Kommentare zu Venture Capital: Drei Viertel wird verbrannt

  • 3.1.2013 um 16:05 von Olaf Barheine

    Die Bilanz wird in Deutschland nicht viel besser aussehen. Mit viel Tamtam schießen neue Unternehmen etwa hier bei uns in der Region Karlsruhe aus dem Boden, um dann nach ein paar Jahren still und heimlich wieder von der Bildfläche zu verschwinden; meistens weil die Kapitaldecke zu dünn war, sich ein Investor zurückzog oder der Markt das Produkt dann doch nicht, wie erwartet, gewürdigt hat. Ich habe in den vergangenen Jahren drei Insolvenzen von Kunden erlebt und dabei einfach nur Glück gehabt, dass ich zum richtigen Zeitpunkt keine Forderungen mehr hatte.

  • 4.1.2013 um 13:34 von Rainer Dechet

    so läuft es nun mal … von zehn im portfolio, fliegt einer … d. h. aber nicht von vorn herein, als VC alles so anzugehen – guten riecher hin oder her.

    blöd ist nur, wenn das portfolio <10 ist und zu wenig (bis gar keine) co-investoren / angels bei den jeweiligen deals drinnen sind (geteiltes risiko, sharing expertise, etc.).

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