CES: “The show must go on” – wirklich?

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Die diesjährige Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas ist so gut wie gelaufen und Amerikas Mega-Show produzierte wieder einmal tausende an Meldungen über neue Produkte und Services. Dennoch wird inzwischen immer unklarer, was für eine Messe die CES eigentlich ist und an wen sie sich noch richtet.

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Mehr als 2000 Neuheiten wurden laut dem Veranstalter auf der CES präsentiert. Dazu gehörten neue Schutzhüllen fürs iPhone, hunderte an Tablets und Ultrabooks sowie riesige Ultra HD OLED TV-Geräte, die zigtausend Dollar kosten werden – falls sie überhaupt jemals in den Handel kommen.

Jedoch stehen die Steigerungen bei den Marketing-Ausgaben für TV-Geräte im umgekehrten Verhältnis zu dessen Umsätzen. Der veranstaltende Verband CEA berichtet in der Eröffnungspressekonferenz von zweistelligen Umsatzeinbußen bei den TV-Umsätzen im vorigen Jahr und für 2013 sind die Prognosen kaum besser – trotz 4k Smart TV.

Die schlechten Marktzahlen beschränken sich nicht nur auf TV-Geräte. Praktisch geht es bei allen Consumer-Produktbereichen bergab – außer bei zweien: Tablets und Smartphones. Doch in diesen beiden Kategorien hat die CES kaum etwas zu bieten. Bei den Tablets führt Apple und bei den Handys gibt der Mobile World Congress in Barcelona den Ton an. Handy-Neuvorstellungen sind in Las Vegas eher zufällig – meistens sind es nur die Geräte, die es nicht rechtzeitig zum wichtigen Weihnachtsgeschäft geschafft haben. Bestes Beispiel sind die neuen Phablets, also diese klobigen Smartphones mit fünf bis sechs Zoll Bildschirmdiagonale. Das erste davon war Samsungs Galaxy Note 2. Doch das wurde bereits im September auf der IFA präsentiert.

Oder die neuen Windows-8-Systeme. Den Eyecatcher schaffte Microsoft mit dem Surface im Oktober. Doch auf der CES fehlte das jahrelange Zugpferd der Consumer Electronic-Show. Es fehlten auch noch ganz andere, die eigentlich dazu gehören: Dell, HP, Nokia, Acer, Facebook, Amazon und viele mehr. Texas Instruments und Google fehlten zwar nicht, beschränkten ihre Auftritte aber auf das Anmieten von ein paar Meeting-Räumen, die keinen öffentlichen Zugang hatten. Und Acer hatte seinen Auftritt unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Hard Rock Hotel eingerichtet. Die Parallelen mit dem Niedergang der Comdex vor zehn Jahren sind unübersehbar. Auch damals verschob sich das wichtige Geschehen von den Ausstellungshallen in abgeschlossene Hotelsuiten, die fürs Publikum gesperrt waren.

Neben diesen organisatorischen Problemen gibt es auch technologische. Die CES war immer eine Hardware-Show, doch diese wird für den normalen Anwender immer unwichtiger. Bei den Smartphones und Tablets sind Apps und Cloud-Dienste wichtiger als der Prozessor. Die meisten Konsumenten wissen nicht einmal, was für ein Prozessor in ihrem Tablet oder Handy steckt. Bei den meisten dieser Geräte sind es Qualcomm-Prozessoren und so nutzte der neue Chip-Gigant aus San Diego die Gunst der Stunde und übernahm in diesem Jahr von Microsoft die Eröffnungsrede. “Wir müssen es schaffen, dass der Endkunde beim Kauf eines Handys darauf achtet, dass ein Qualcomm-Prozessor drin ist”, sagte Qualcomm-Sprecher Rob Chandhok über deren Strategie – die sich sehr nach “Intel Inside” anhört.

Doch das ist heute viel schwerer als vor 20 Jahren, als Intel diese Kampagne startete. “Hardware ist inzwischen langweilig geworden, es ist nur noch etwas für die harten Freaks”, sagt Forrester-Analyst James McQuivey über die Probleme der CES. Das bestätigen inzwischen sogar die auf Gadgets spezialisierten Insider-Medien. “Ich denke, dass 2012 das Jahr der letzten guten Show war und dass wir in diesem Jahr einen Wandlungsprozess erleben”, sagte Tim Stevens, Chefredakteur von Engadget. Einem Medium, dass immerhin mit einem Team von über 50 Mitarbeitern auf der CES vertreten war und das als “Offizieller Online News Service” der CES gelistet wurde.

Fotogalerie: Smartphones auf der CES 2013

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