CIO JURY: Die schwierige Selbstsuche der CIOs

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Lange verstanden sich EDV-Abteilungen als “Maschinisten der IT”. Inzwischen aber tobt die Diskussion um einen notwendigen Imagewandel. “Ist der Imagewandel der IT die größte Herausforderung für CIOs in den kommenden Jahren?”, haben wir unsere CIO Jury deshalb gefragt. Die Antwort war eindeutig – fast.

“Gerade die ‘älteren’ unter uns, sind nur bedingt bereit die bisherige Position der IT als Dienstleister in Frage zu stellen”, schreibt Karl-Heinz Lager, CIO bei Dr. Suwelack. “Aber gerade die IT sollte neben den anderen Kernfunktionen im Unternehmen (Vertrieb, Produktion etc.) auch einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens beisteuern. Hier gilt es, die CIOs aus der technischen Ecke in die Unternehmens-Ecke zu manövrieren, um dadurch dem Unternehmen und Mitarbeitern zu zeigen, dass die IT weitaus mehr ist als nur ein Kostentreiber.”

Gerade für die CIO-Generation, die aktuell die IT-Abteilungen leitet, sei das eine große Herausforderung, ergänzt Martin P. Michael, Geschäftsführer bei savecall ict solutions. “Die Aufgabe des Homemade IT-Betriebs wird immer weiter entfallen und der CIO steht mehr und mehr in Konkurrenz zu professionellen Cloud- beziehungsweise Virtualisierungslösungen. Nicht zuletzt auch aus Kostengründen und vor allem aus Gründen der Betriebssicherheit werden die IT-Abteilungen der Zukunft Plattform und Anwendungen mehr und mehr an professionelle Anbieter vergeben, die in der Regel höhere SLAs und Verfügbarkeiten und geringere Kosten bieten. Somit wird es eine wichtige Aufgabe für die IT-Manager werden, die Abteilungen von EDV-Produzenten hin zu Anwendungs- und Prozessberatern zu verwandeln.”

“Tatsache ist, dass die technologischen Umwälzungen weitergehen”, so Weleda-CIO Christoph Grewe, der uns seine Antwort von der Nasscom in Mumbai geschickt hat. “Wenn ich sehe wie ein Land wie Indien mit Ihren Herausforderungen umgeht, kann ich nur tiefsten Respekt davor haben.” Zur Situation in Deutschland und Europa sagt er: “Die entscheidende Frage ist, welche Herausforderungen werden in Zukunft an den CIO gestellt, und wie schafft es die Führung, dies zu antizipieren und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Welche Qualifikationen sind dafür notwendig.”

Vom IT-Maschinisten zum Business-Beschleuniger

Einen ähnlichen Gedanken verfolgt auch CIOConsultingTeam-Gründer Bernd Hilgenberg, der zu bedenken gibt, dass der Imagewandel der IT nur eine Folge für den CIO ist, nicht die Ursache. “Der CIO wird immer mehr damit zu kämpfen haben, dass die Consumeration der IT dazu führt, dass der Anspruch an IT weiter wachsen wird. Aus diesem Grunde wird das Thema Geschwindigkeit oder besser ‘time to marktet’ das Thema sein, das den CIO von Morgen immer mehr treiben wird.”

Wolfgang Kuhl von Pharmaserv spricht von einem “Switch vom IT-Maschinisten zum Business-Beschleuniger mit IT-Hintergrund”. Grund: “Ich würde der Aussage von Nicholas G. Carr ‘IT Doesn’t Matter’ insofern folgen, dass heutzutage Tätigkeiten wie die Inbetriebnahme eines Servers oder der Austausch einer Netzwerkkomponente nicht mehr die Existenzberechtigung einer hauseigenen IT-Abteilung sein können. Aber die Beherrschung der Konvergenz von Sprache, Daten und Business Applikationen sowie das Durchdringen der Unternehmensprozesse und deren Effizienzsteigerung durch IT werden in Zukunft zu den Themen gehören, die eine unternehmenseigene IT-Abteilung zum Wettbewerbsvorteil machen.”

Diskussionen innerhalb der Jury

Es scheint also, als seien sich alle einig: Auch das Votum der Mitglieder von CIONET, unser Partner für die CIO Jury, war eindeutig. Ohne Gegenstimme beantworteten diese unsere Frage – “Ist der Imagewandel der IT die größte Herausforderung für CIOs in den kommenden Jahren?” – mit “Ja”. Das Fazit von Deutschlands CIONET-Geschäftsführer Tobias Frydman: “Herausforderung erkannt, jetzt heißt es Lösungsansätze ausarbeiten. Und die sind dringend nötig, da neue Stakeholder mit verändernden Erwartungen an Kommunikation und Kollaboration im Ökosystem des CIO und der IT auftauchen.”

Doch einige Jury-Mitglieder schließen sich der Einschätzung der Mehrheit nicht an. “Ich glaube, das ist ein fortlaufender Prozess seit Jahr und Tag – ich denke nicht, dass der eine zusätzliche Relevanz bekommt”, schreibt uns etwa Bitmarck-CIO Andreas Strausfeld.

Und VMS-CEO Ralph Treitz antwortet mit einem klaren “Nein”, verbunden mit kritischen Tönen in Richtung CIOs. “Welcher CEO würde sich schon einen CIO wünschen, dessen größtes Problem das eigene Image oder das der Abteilung ist? Natürlich gibt es einen Wandel in der Wahrnehmung von IT. Früher ein Thema für Exoten, wurde die IT einerseits für jedermann greifbar (auch meine fast 87jährige Mutter nutzt ein iPad) andererseits aber auch unverzichtbar. Die Aufgabe des CIO ist die sinnvolle Gestaltung dieser Entwicklung. Und aus messbarer Leistung ergibt sich dann sicher auch ein gutes Image.”

Er glaube immer noch daran, schließt Treitz sein Statement augenzwinkernd ab, “dass in einer Disziplin zwischen Ingenieurdenke, Mathematik und Geschäftsprozess Profilneurosen die Ausnahme aber nicht die Regel sind”.

Diskussionen zur Diskrepanz zwischen Selbstbild der IT und Fremdsicht über die IT hat auch Frydman auf der Online-Plattform von CIONET beobachtet. Hier wie in anderen Bereichen gibt es also offenbar noch Gesprächsbedarf.

Vor diesem Hintergrund lädt das CIO-Netzwerk am 20. März 2013 CIOs zu der Veranstaltung ‘Die sich verändernde Rolle des CIO’ nach München ein, um gemeinsam mit Kollegen, sowie Experten von Forrester Research und INSEAD dieses und weitere Themen zu diskutieren. IT Chefs, die teilnehmen möchten, können sich hier anmelden.