Gnome-Gründer Miguel de Icaza konvertiert zu Mac

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Zunächst hatte Miguel de Icaza, einer der beiden Gründer von Gnome, und die treibende Kraft hinter Mono die Open-Source-Welt mit seinem Wechsel auf Microsoft vor den Kopf gestoßen. Jetzt sorgt er erneut für Schlagzeilen.

Linus Torvalds findet inzwischen Gnome 3 gar nicht so schlecht. Dennoch tut der Initiator des Gnome-Interfaces alles andere als eine reuige Rückkehr zu dem Open-Source-Desktop. Für seinen Wechsel auf Windows wurde de Icaza bereits von Richard Stallman als “Verräter” tituliert.

Möglicherweise hat das de Icaza zu einem weiteren Wechsel der Seiten inspiriert. Wie er jetzt in seinem Blog schreibt, habe Icaza sein Schlüsselerlebnis in Brasilien gehabt, woraufhin er jetzt mit mit einem Apple-System arbeitet. Schon vorher sei mit Macs in Berührung gekommen, etwa als er Mono auf den Mac portierte.

Aber sein Urlaub in Brasilien sei so entspannend gewesen, heißt es in dem Blog weiter, vor allem in Hinsicht auf das Arbeiten mit dem Computer. “Die Maschine ging ohne Probleme in den Ruhezustand und kam daraus auch wieder hoch, das Wifi ging einfach und auch das Audio hatte nicht einfach aufgehört. Drei Wochen ohne einen Kernel rekompilieren zu müssen, um dieses oder jenes zum Laufen zu kriegen, kein Kampf mit den Video-Treibern … ”

Und so kam langsam der Abstieg von einem eingefleischten Linux-User, der es auf einmal bequem haben möchte, obwohl Icaza dafür auch Kompromisse eingehen musste, wie er in seinem Blog schreibt: “Ich hatte die umfangreiche Linux-Werkzeugkette vermusst, aber was ich nicht vermisste war die Suche nach dem passenden Package für meine aktuelle Linux-Version oder jemanden bitten zu müssen, mir etwas zu packen. Die Binaries haben einfach funktioniert.”

Und so sei diese Fragmentierung von Linux, diese inkompatiblen Distros, die Inkopatibilitäten über die verschiedenen Versionen der gleichen Distribution hinweg, sein Chernobyl für Linux gewesen. Und ohne es zu merken, habe er seit Oktober 2012 seinen Linux-Rechner noch nicht mal mehr hochgefahren.

Die Diskussion um den richtigen Desktop wird so schnell nicht abreißen. Was Icaza hier nicht erwähnt ist seine Zeit, die er offenbar mit Windows verbracht hat. Und wie einige Kommentatoren aus der Open-Source-Szene dazu anmerken, habe Icaza, der ja selbst bis 2005 bei Gnome mitgewirkt hat, zu eben dieser kritisierten Fragmentierung von Linux beigetragen. Für Apple ist dieser Schritt Icazas natürlich eine tolle PR. Der Linux-Desktop als solcher hätte diese gute Presse jedoch deutlich nötiger. Allerdings dekt Icazas Entscheidung tatsächlich auch ein Problem auf.

[mit Material von Nick Farell, TechEye]

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