Oracle blutet bei Hardware und Itanium

Management

Oracle seien 95 Millionen Dollar an Umsatz entgangen, weil HP die Nutzer über die Zukunft des Itaniums belogen habe. Mit diesem Argument hat sich Oracle jetzt für die nächste Phase des Rechtsstreits vorbereitet. Zudem muss Oracle Einbußen im Hardwaregeschäft hinnehmen, wie die aktuellen Quartalszahlen belegen.

Itanium 9500 Oracle und HP streiten über Intels Itanium . Quelle: Intel
Oracle und HP streiten über Intels Itanium . Quelle: Intel


 

Orale hat sich im Rechtsstreit mit HP um den ausgesetzten Support für den Itanium mit neuen Argumenten bewaffnet. Die nächste Phase der Auseinandersetzung wird im kommenden Monat beginnen.

Dann wird ein Oracle-Zeuge auch erklären, dass HPs fortgesetzte Falschinformation über den Itanium dazu geführt habe, dass zahlreiche Anwender sich für die HP-Hardware entschieden haben und nicht für die Hardware von Oracle. Diese Anwender seien von HP fehlgeleitet worden und das habe zu Verlusten in Höhe von 95 Millionen Dollar für Oracle geführt. Bei dieser Gelegenheit kam es auch zu einem Schlagabtausch der jeweiligen Zeugen.

Das Berichtet der US-Branchendienst Computerworld. Vor einem Gericht in Santa Clara wolle Oracle dann deutlich machen, dass HPs Verhalten und das Verschweigen der tatsächlichen Pläne mit dem Itanium “wettbewerbsfeindlich” seien. Diese Argumentation wurde publik, als Anfang der Woche HP und Oracle ihre Zeugen dem Richter James Kleinberg vorgestellt hatten. Kleinberg kann jetzt bis zum Prozessbeginn am 8. April noch Zeugen vom Prozess ausschließen.

 

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HP hatte im Sommer 2011 gegen Oracle wegen der Aufkündigung des Itanium-Supports bei den eigenen Software-Produkten geklagt und gewonnen. HP hatte damals erklärt, Oracles Aussagen hätten bei HP für Einbußen in Höhe von 4 Milliarden Dollar geführt. Oracle muss jetzt wieder Support liefern. Vermutlich wird HP bei dem weiteren Prozess jetzt eben diese 4 Milliarden Dollar geltend machen.

Im Gegenzug hatte Oracle HP verklagt und dem Hersteller vorgeworfen, zu verschweigen, dass das Ende des Itaniums längst geplant ist. Der Wirtschaftsexperte Ramsey Shehadeh von National Economic Research Associates, hat nun – sollte HP 2008 tatsächlich nachweislich über die Zukunft des Itaniums gelogen haben – den Schaden dadurch auf 95 Millionen Dollar für Oracle beziffert.

Ob es alleine an HPs angeblicher Falschaussage gelegen hat, dass Oracle gestern nach Börsenschluss eine enttäuschende Bilanz (PDF) für das dritte Fiskalquartal 2013, das mit dem 28. Februar zu Ende ging, vorgelegt hat. So bleiben in den Quartalszahlen der Non-GAAP-Aktiengewinn und der Umsatz hinter den Erwartungen von Analysten zurück. Tatsächlich aber ist es wieder einmal die Hardware-Sparte, die Oracles Ergebnis belastet. Die Einnahmen bei Server und Storage gingen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16 Prozent zurück. Im nachbörslichen Handel gab der Kurs der Oracle-Aktie deutlich nach. Er sank um 7,2 Prozent auf 33,19 Dollar.

Der Umsatz des Datenbankspezialisten schrumpfte zwischen Dezember und Februar um ein Prozent auf 8,96 Milliarden Dollar. Der GAAP-Nettogewinn lag unverändert bei 2,5 Milliarden Dollar, während sich der Non-GAAP-Gewinn um fünf Prozent auf 0,65 Dollar je Aktie erhöhte. Vorausgesagt waren 0,66 Dollar je Aktie bei Einnahmen von 9,38 Milliarden Dollar.

In einer Presseerklärung machte Oracle in erster Linie Währungsschwankungen für das schlechte Ergebnis verantwortlich. Der starke Dollar habe dem Umsatz geschadet. Allerdings sei Oracles Umsatz bei konstanten Wechselkursen auch nur auf dem Niveau des Vorjahres geblieben. Der Non-GAAP-Aktiengewinn hätte jedoch die vorausgesagten 0,66 Dollar je Aktie erreicht.

Softwarelizenzen und Cloud-Software-Abonnements trugen 2,3 Milliarden Dollar zum Gesamtergebnis bei (minus 2 Prozent). Die Einnahmen aus Lizenzupdates und Support wuchsen hingegen um 7 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar. Mit dem Verkauf von Hardwareprodukten erzielte Oracle 671 Millionen Dollar (minus 23 Prozent). Der Hardware-Support brachte dem Unternehmen 570 Millionen Dollar ein (minus 6 Prozent).

“Wir sind mit dem Umsatzwachstum in diesem Quartal nicht zufrieden”, sagte Oracle-CFO Safra Catz. Sie wies darauf hin, dass die US-Regierung Ende Februar einige Geschäfte auf Oracles viertes Quartal verschoben habe. Oracle habe zudem im dritten Quartal zahlreiche neue Verkäufer eingestellt, die nicht die gewünschten Ergebnisse geliefert hätten. Viele dieser Kaufverträge seien aber inzwischen abgeschlossen worden.

Im laufenden vierten Quartal rechnet Oracle nun mit einem Non-GAAP-Gewinn zwischen 0,85 und 0,91 Dollar je Aktie sowie einem GAAP-Gewinn zwischen 0,72 und 0,78 Dollar je Aktie. Der Umsatz soll bestenfalls vier Prozent höher ausfallen als im vierten Fiskalquartal 2012. Er könne aber auch um ein Prozent schrumpfen. Analysten sagen Einnahmen von 11,52 Milliarden Dollar und einen Überschuss von 0,88 Dollar je Aktie voraus.

Im vierten Quartal und darüber hinaus muss sich Oracle verschiedenen Herausforderungen stellen. Als erstes ist die Konkurrenz zu Firmen wie Salesforce.com und Workday im Bereich Software as a Service zu nennen. Angeblich soll Oracle auch Probleme damit haben, die Kunden der zuletzt akquirierten Cloud-Firmen zu halten. Darüber hinaus attackiert Rimini Street Oracles Wartungsgeschäft. Weitere Herausforderungen für Oracles Datenbanken sind Big Data, Hadoop und NoSQL. Es bleibt abzuwarten, ob die letzten beide Quartale tatsächlich einen Trend für die weitere Entwicklung bei Oracle aufzeigen.

Oracles Umsatz ist im dritten Fiskalquartal um ein Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar zurückgegangen (Bild: Oracle).[mit Material von Larry Dignan, ZDNet.com]

[mit Material von Charlie Osborne und Stefan Beiersmann]

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