“Nicht jedem Trend hinterher laufen” – Digitalisierung im Mittelstand

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“Nicht jedem Trend hinterlaufen”, diesen Rat gibt das Beratungsunternehmen Deloitte dem deutschen Mittelstand mit auf den Weg. Und das obwohl die Experten von Deloitte gerade bei deutschen KMU erheblichen Nachholbedarf in puncto Digitalisierung sehen. Unterschiede gibt es auch zwischen verschiedenen Branchen.

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Jürgen Reker, Leiter Mittelstand bei Deloitte empfiehlt, auf das Bauchgefühl zu achten, und nicht jedem Trend blind hinterher zu laufen. Quelle: Deloitte

Unternehmen des gehobenen Mittelstands in Deutschland sehen Digitalisierung mehrheitlich als aktuellen Megatrend. Das belegt eine Studie des Beratungsunternehmens Deloitte. Drei Viertel der insgesamt 41 befragten Unternehmen messen der Informations- und Kommunikationstechnik auch eine hohe strategische Relevanz zu. Allerdings: Ihren eigenen Digitalisierungsgrad bewerten die Mittelständler zu 71 Prozent als niedrig oder sehr niedrig. Nur 24 Prozent bezeichnen ihn als hoch.

Unterschiede zeigen sich dabei nach den jeweiligen Branchen: Im Handel schätzen 80 Prozent der Befragten die Digitalisierung als sehr bedeutsam ein. Im Dienstleistungsbereich sind dies 50 Prozent, in der Industrie 33 Prozent. Im Baubereich messen 67 Prozent der Befragten der Digitalisierung nur eine mittlere Bedeutung zu.

Der Anstoß für Digitalisierung kommt sowohl aus dem Unternehmen selbst als auch von außen. Als interne Treiber gelten aus der Sicht der Befragten eine angestrebte Optimierung der Prozess- und Kostenstruktur, organisatorische Veränderungen sowie das zunehmende Datenvolumen. Zu den externen Treibern gehören Kunden- und Lieferantenanforderungen, veränderte Marktkonstellationen sowie politische Vorgaben wie die elektronische Steuererklärung Elster.

 

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Unabhängig davon, ob interne oder extern Treiber überwiegen, warnt Jürgen Reker, Partner und Leiter Mittelstand bei Deloitte, vor Aktionismus: “Die rechtzeitige Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Folgen der Digitalisierung wird von existenzieller Bedeutung sein.” Dies betreffe neben der Hebung von Effizienzen nahezu alle betrieblichen Prozesse sowie die Kommunikationskanäle und werde schon mittelfristig Auswirkungen auf das Gesamtunternehmen haben. Dabei reiche es nicht aus, Digitalisierung auf einzelnen Unternehmensebenen voranzutreiben, aber: “Es gilt nicht jedem Trend zu folgen, sondern einen eigenen ganzheitlichen Ansatz zu entwickeln.”

Am Anfang steht dabei eine Bestandsaufnahme. Dabei geht es im Wesentlichen um die Frage, ob Geschäftsmodell und Strategie auch in Zukunft noch Erfolg versprechen. Daran schließen sich Überlegungen an, inwieweit Digitalisierung Bestandteil des existierenden Geschäftsmodells werden sollte  – oder gänzlich neue Geschäftsmodelle entwickelt werden müssen. In einem nächsten Schritt rät Reker, Digitalisierungstrends zu erkennen und auf ihre Eignung für das Unternehmen zu überprüfen. “Es gilt, Technologien und Techniken dahingehend zu untersuchen, ob sie einen Wertschöpfungsbeitrag für das Unternehmen leisten können und letztlich die Umsetzung von Strategien erleichtern”, erläutert Reker.

Das gilt sowohl für die Produktion, als auch für die administrativen Bereiche, und ganz besonders für die Schnittstellen zu Lieferanten und Kunden, sprich für den Einkauf sowie für Marketing und Vertrieb. Und schließlich gehören auch Evaluation und Kontrolle zum Digitalisierungsprozess.

Aber selbst bei einem solchen strukturierten Vorgehen, haben Unternehmen mit Herausforderungen zu kämpfen. Das berichten Mittelständler, die nach eigener Aussage einen hohen Digitalisierungsgrad aufweisen. Als besonders schwierig werden dabei die Themenbereiche Datensicherheit und –Qualität bezeichnet. Ebenfalls als kompliziert erweist sich die Steuerung einer fragmentierten IT-Infrastruktur sowie die Transparenz von Erfolgen, Misserfolgen und Kosten.

In jedem Fall sollten mittelständische Unternehmen das Thema Digitalisierung nicht auf die IT-Abteilung abwälzen, rät Deloitte. “Es handelt sich vielmehr um ein strategisches Kernthema, das mittelständische Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichtsräte, Beiräte und Gesellschafter beschäftigen muss”, betont Reker.

Dabei empfiehlt Reker ausdrücklich, das Bauchgefühl nicht zu missachten: “Wenn Technologien und Techniken nicht zur Kultur eines mittelständischen Unternehmens passen, bringt die Digitalisierung solcher Aktivitäten wenig, sie richtet gegebenenfalls noch Schaden an.”