ERP und Collaboration: SAP erweitert Jam

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Selbst in hochgradig standardisierten Umgebungen ist eine 100 prozentige Automatisierung nicht möglich. Daher kommen ERP-Systeme und andere Unternehmensanwendungen nicht ohne Collaboration aus. SAP aktualisiert die Social-Collaboration-Software Jam und Analysten geben positives Feedback. Allerdings geben sie Jam außerhalb von bestehenden SAP-Landschaften kaum eine Chance.

Laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Piere Audoin Consultants (PAC) ist das Interesse an Social Collaboration in europäischen Unternehmen sehr groß. Dem entspricht auch SAP mit einer eigenen Lösung für die Kollaboration im Unternehmen: Auf der Sapphire in Madrid hatte SAP im vergangenen November SAP Jam vorgestellt. Entstanden ist die Software aus SAP Streamworks und Success Factors‘ Jam, nachdem die Walldorfer das Unternehmen aus South San Francisco im Februar 2012 übernommen hatten.

 

Fotogalerie: SAP SAPPHIRE Now 2013 in Orlando

  • SAPPHIRE Orlando 2013 SAP; HANA;
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Die Cloud-Lösung SAP Jam kommt dort zum Einsatz, wo sie wirklich gebraucht wird, und wo Zusammenarbeit zur Wertschöpfung beiträgt, nämlich in den Unternehmensanwendungen. Jam ist also in transaktionale SAP-Systeme integriert. Den Hintergrund erläutert Andreas Stiehler, Principal Analyst bei PAC: “Business-Aktivitäten lasen sich nicht zu 100 Prozent in formalen, wiederholbaren Prozessen darstellen, die mit Hilfe von herkömmlichen Geschäftsanwendungen automatisiert werden können. So gelangt die herkömmliche Prozessautomatisierung immer dann an ihre Grenzen, wenn menschliche Interaktion ins Spiel kommt, also wen Absprachen getroffen, Ideen eingeholt oder Rückfragen gestellt werden.”

Ein Großteil der Reibungsverluste im Umfeld von Standardsoftware, Customer Relationship Management (CRM), Personalwesen oder Supply Chain Management (SCM) ließen sich auf solche, nicht im Vorfeld definierbaren Interaktionen zurückführen, so Stiehler.

Beispiel Call Center: Die Mitarbeiter dort müssen Kundenanfragen beantworten, auf die sie im System keine Antworten vorliegen haben. SAP Jam, erklärt Sameer Patel, Vice President und Leiter des Bereichs Enterprise Social Software bei SAP, ermöglicht es, sofort mit Experten Kontakt aufzunehmen, die die richtige Antwort wissen. Oder auch das Finanzwesen: Hier gibt es viele funktionsübergreifende Prozesse von der Fakturierung bis hin zur Budgetierung, bei denen zahlreiche Mitarbeiter zusammenarbeiten müssen. Die Integration von Jam in die SAP-Finanzanwendung unterstützt diese Kollaboration: Entscheidungsprozesse werden beschleunigt, die Produktivität gesteigert.

 

Auch standardisierte Umgebungen und Prozesse kommen nicht ohne menschliche Interaktion aus. Daher schafft SAP mit SAP eine entsprechende Ergänzung für CRM, ERP und Co. Quelle: SAP
Auch standardisierte Umgebungen und Prozesse kommen nicht ohne menschliche Interaktion aus. Daher schafft SAP mit SAP eine entsprechende Ergänzung für CRM, ERP und Co. Quelle: SAP

 

Im Mai hat SAP ein Update von Jam vorgestellt. So wurde die Social-Collaboration-Lösung um Gamification-Funktionen erweitert. Neue Mitarbeiter können etwa in Quiz-Form zu wichtigen Fakten zum Unternehmen gefragt werden. Die Auswertung der Antworten deckt dann zum Beispiel Verbesserungsbedarf bei der Einarbeitung auf. Darüber hinaus schaffen Punktesysteme und virtuelle Geschenke Anreize für die Mitarbeiter. Außerdem können Daten aus Success-Factors‘-Lösungen und Rechnungsübersichten aus der SAP Busines Suite in Jam übertragen und dort für eine gemeinsame Bearbeitung zur Verfügung gestellt werden. Durch die Verknüpfung von SAP Business Objects Business Intelligence mit Jam lassen sich etwa Kundenservice-Kennzahlen gemeinsam analysieren. Und schließlich bietet SAP Jam on iPad eine bessere Mobilbrowser-Unterstützung für Tablets und Endgeräte mit Touch-Bedienung.

SAP beziffert die Zahl der weltweiten Nutzer von SAP Jam am Ende des ersten Quartals 2013 mit fast 10 Millionen weltweit. Das entspreche einer Wachstumsrate zum Vergleichszeitraum 2012 von mehr als 850 Prozent. Auch jenseits solcher rekordverdächtigen Erfolgsmeldungen bescheinigt PAC-Analyst Stiehler der Lösung gute Perspektiven auf dem Markt: “Jam ist für diejenigen Nutzergruppen besonders interessant, die SAP ohnehin als Kernanwendung nutzen. Allerdings werden die Anwender nicht bereit sein, in einem Unternehmen an mehreren Systemen zur sozialen Vernetzung zu partizipieren. Insofern wird durch den Einstieg von SAP in die Social-Collaboration-Welt der Platz für Spezialisten wie Jive noch enger.”

Die Chancen, Jam als Soziales Leitsystem in SAP-affinen Unternehmen zu etablieren, bezeichnet Stiehler als gut. Entscheidend dafür sei jedoch die Akzeptanz der Nutzer: “Diese wollen sich mit derselben Leichtigkeit vernetzen, wie sie es im privaten Bereich schon tun“, betont Stiehler. Das aber heißt: Es genügt nicht, Business-Software-Systemen mit umständlichen Bedienoberflächen eine moderne, nutzerfreundliche Collaboration-Software zur Seite zu stellen. Vielmehr muss SAP seine ERP-Oberfläche so weiterentwickeln, damit es vom Look & Feel her ein Social-Collaboration-System einbinden kann.

In Unternehmen, die nicht auf Business-Software aus Walldorf setzen, sieht PAC dagegen weniger Chancen. Stiehler: “Wir glauben nicht, das Jam außerhalb der SAP-Welt ein marktführendes System wird.”