Social Tools müssen in deutschen Unternehmen leider draußen bleiben

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Die Mitarbeiter in deutschen Unternehmen wollen mehr Social Tools am Arbeitsplatz, sagt eine Studie von Microsoft. Doch CIOs und Chefs sind nach wie vor skeptisch. Vor allem Bedenken bei der Sicherheit verhindern derzeit den Einsatz solcher Tools in Deutschen Unternehmen. Und das obwohl die Mehrzahl davon ausgeht, mit sozialen Werkzeugen die Effizienz der Mitarbeiter steigern zu können.

 Oliver Gronau, Director Business Group Information Worker Microsoft Deutschland, warnt vor durch "die Hintertür" eingeführten Social Collaboration Tools. Quelle: Microsoft
Oliver Gronau, Director Business Group Information Worker Microsoft Deutschland, warnt vor durch “die Hintertür” eingeführten Social Collaboration Tools. Quelle: Microsoft

Die Hälfte der Befragten in Deutschland ist sich einig: Social Collaboration führt zu mehr Effizienz bei der Zusammenarbeit im Unternehmen. Entsprechende Lösungen fehlen jedoch. Das zeigt eine Studie des Marktforschungsunternehmens Ipsos im Auftrag von Microsoft. Dafür wurden 9908 Arbeitnehmer weltweit, davon 4787 in Europa befragt.

Zwei von fünf der Befragten rechnen demnach damit, dass Social Tools sie bei der Arbeit unterstützen und die Produktivität verbessern würden. Genau das bezweifeln jedoch die meisten Unternehmen, so die Einschätzung der befragten Arbeitnehmer: Immerhin 58 Prozent sind der Meinung, dass die Unternehmensführung befürchtet, die Produktivität der Mitarbeiter würde durch Social Tools eher abnehmen als steigen.

Der Hauptgrund für die Ablehnung von Social Tools im Unternehmen sind jedoch Sicherheitsbedenken. Davon zeigen sich insgesamt 65 Prozent der Befragten überzeugt. In Deutschland liegt dieser Anteil sogar bei 75 Prozent. Dazu passt, dass Social Networks und Blogging-Plattformen nur maximal 6 Prozent der Befragten im Unternehmen zur Verfügung stehen. Dagegen können 93 Prozent E-Mail als Kommunikationsinstrument nutzen, bei Intranets und Teamsites liegt der Anteil bei 45, bei Videokonferenzen bei 24 Prozent.

Die Verweigerungshaltung gegenüber Social Tools ist allerdings nicht unbedingt zum Besten der Firma, im Gegenteil: “Unternehmen werden nicht umhin kommen, sich der Diskussion um Enterprise Social zu stellen”, sagt Oliver Gronau, Director Business Group Information Worker bei Microsoft Deutschland. “Denn, und auch das belegt die Studie, so diese Tools nicht zur Verfügung stehen, führen die Arbeitnehmer häufig Social Media gewissermaßen durch die Hintertür ein, und stellen damit die Compliance-Anforderungen der Unternehmern infrage.”

Um diesem Risiko zu begegnen, schlägt Microsoft den Einsatz seiner Social-Collaboration-Lösung Yammer sowie Office 365 vor. Diese könnten sich flexibel an die jeweilige IT-Policy anpassen und stießen gleichzeitig auf hohe Akzeptanz der Anwender. Ähnliche Lösungen bietet auch Salesforce mit Chatter und SAP mit Jam. Entsprechende Projekte stehen in Europa allerdings noch überwiegend am Anfang, wie das Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC) in einer Vergleichsstudie zwischen Großbritannien, Frankreich und Deutschland herausgefunden hat. Befragt wurden 253 Verantwortliche aus Fachbereichen mit einem hohen Anteil an Wissensarbeitern wie IT, Marketing, Sales, Personalwesen sowie Forschung und Entwicklung. Das Ergebnis: Nur 11 Prozent der Befragten berichten von abgeschlossenen Social-Collaboration-Projekten, in jedem dritten Unternehmen stecken entsprechende Projekte noch in der Test-und Planungsphase.

Vorreiter beim Thema Social Collaboration ist Großbritannien: 38 Prozent der Fachbereiche haben dort Projekte ganz oder teil umgesetzt. Jeder zweite Fachbereich fördert außerdem die berufliche Nutzung von öffentlichen Sozialen Netzwerken wie Twitter oder Linkedin, so die Studie. In mehr als zwei Dritteln der Abteilungen seien bereits Regeln für die Vernetzung vorzufinden. In jedem dritten Unternehmen gehe das Management mit gutem Beispiel voran und nutze aktiv Social-Networking-Anwendungen.

Anders das Bild in Deutschland, das PAC im Vergleich zu Großbritannien als Nachzügler bezeichnet. Hier geben nur 21 Prozent der befragten Fachbereiche an, ein Projekt zu Social Collaboration ganz oder teilweise umgesetzt zu haben. Der Aussage “Eine auf Social Collaboration ausgerichtete Unternehmenskultur ist bei uns teilweise oder überwiegend vorhanden”, stimmen nur 11 Prozent der befragten Fachbereiche in Deutschland zu, in Großbritannien sind es 39 Prozent.

 

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Sicherheitsbedenken gegenüber Social-Collaboration-Lösungen sind in Deutschland vergleichsweise stark ausgeprägt. Hinzu kommt jedoch noch die Furcht vor einem Abfluss des Unternehmenswissens, die gleichfalls deutlich mehr Unternehmen umtreibt als in Frankreich und Großbritannien. Und auch der deutsche Hang zur Perfektion wirkt bei der Realisierung von Social-Collaboration-Projekten eher hinderlich: “Social Collaboration muss sich entwickeln und lässt sich nicht perfekt planen”, sagt Nicole Duft, Senior Vice President bei PAC Deutschland. “Wer zunächst abwartet und auf Verbote setzt, bis das Umfeld perfekt ist, der riskiert, im Wettbewerb zurückzufallen.”

 

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