Tempora: Großbritannien soll weltweit Internet überwachen

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Der britische Geheimdienst soll laut Informationen des flüchtigen Edward Snowden über das Programm ‘Tempora’ über ‘angezapfte’ Glasfaserleitungen den gesamten Internetverkehr abgehört haben.

Der Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) soll sich ohne Wissen der Öffentlichkeit Zugriff auf Glasfaserkabeln verschafft haben, über die weltweit Kommunikationsverbindungen laufen.

Das berichtet The Guardian unter Berufung auf Unterlagen, die vom PRISM-Informanten Edward Snowden stammen. Die Daten, die Großbritannien im Rahmen des “Tempora” genannten Abhörprogramms gesammelt hat, wurden demnach auch dem US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) zur Verfügung gestellt.

Dem Bericht zufolge läuft die Aktion seit fast 18 Monaten. Der britische Geheimdienst speichere ohne gerichtliche Genehmigung über einen Zeitraum von bis zu 30 Tagen große Datenmengen aus den angezapften Glasfaserkabeln, heißt es. Darunter seien “Mitschnitte von Telefongesprächen, Inhalte von E-Mails und Einträge auf Facebook”. Das GHCQ könne sich auch einen Überblick über die von Nutzern besuchten Websites verschaffen. “Das ist nicht nur ein amerikanisches Problem”, zitiert der Guardian Edward Snowden. Großbritannien gehe laut dem ehemaligen NSA-Mitarbeiter Snowden in dieser Hinsicht sogar noch weiter als die USA.

Von dieser Zentrale des Geheimdienstes GCHQ in Gloucestershire überwacht Großbritannien den gesamten Internetverkehr. Quelle: GCHQ
Von dieser Zentrale des Geheimdienstes GCHQ in Gloucestershire überwacht Großbritannien den gesamten Internetverkehr. Quelle: GCHQ

2012 habe der Geheimdienst täglich mehr als 600 Millionen “Telefonereignisse” verarbeitet und mehr als 200 Glasfaserkabel abgehört, steht weiter in dem Bericht. Er weite seine Aktivitäten noch aus und errichte neue Standorte im Vereinigten Königreich wie in anderen Ländern, mit dem Ziel, mehrere Terabit Daten gleichzeitig verarbeiten zu können.

Ein anderer Informant der britischen Zeitung, der Kenntnis von Geheimdienstinformationen haben soll, behauptete, die Datensammlung sei legal und erfolge unter verschiedenen Sicherheitsvorkehrungen. Laut dieser Quelle ermöglichen die aufgezeichneten Daten wichtige Erkenntnisse bei der Bekämpfung schwerer Verbrechen.

Anfang Juni hatte der Guardian mithilfe des Whistleblowers Edward Snowden ein geheimes Abhörprogramm der USA aufgedeckt. Die NSA hat demnach Zugang zu Servern großer Internetfirmen wie Apple, Facebook, Google, Microsoft und Yahoo und kann auch Telefonate amerikanischer Bürger abhören. Während die betroffen Unternehmen eine direkte Zusammenarbeit mit der NSA dementierten, betonte das Weiße Haus, alle Maßnahmen seien legal und dienten nur dem Schutz vor terroristischen Angriffen.

Snowden beharrte Anfang vergangener Woche jedoch darauf, dass Amerikaner nahezu beliebig abgehört werden könnten und die entsprechenden Entscheidungen nicht von einem Gericht, sondern von Geheimdienstmitarbeitern gefällt würden.

Die betroffenen Technologiefirmen fordern indes mehr Transparenz von der US-Regierung. Google will mit einem Antrag bei einem US-Bundesgericht erreichen, dass es die Zahl geheimer Datenanfragen veröffentlichen darf. Die bisher von den Unternehmen vorgelegten Statistiken unterscheiden nicht zwischen strafrechtlichen Ermittlungen und nachrichtendienstlichen Anfragen.

Snowden wird jetzt von den USA offiziell gesucht. Er will jetzt dem Beispiel Julian Assanges folgen und hat in Ecuador politisches Asyl beantragt. Er plane derzeit über Moskau und Kuba in das lateinamerikanische Land zu reisen. Die USA haben Russland aufgefordert, Snowden zu überstellen und drohen bei einer Verweigerungshaltung mit politischen Konsequenzen.

[mit Material von Carrie Mihalcik, News.com]

 
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