Vorbehalte gegen Cloud-ERP

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ERP aus der Cloud ist die Zukunft! Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Beratungshauses Pierre Audoin Consultants (PAC). Blick man allerdings in die Gegenwart, fristet Cloud-ERP bislang eher ein Nischendasein. Zu groß sind offensichtlich noch die Bedenken wegen Sicherheit und unklaren Rechtfragen.

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Frank Niemann, Analyst bei PAC. Quelle: PAC

Die derzeitige Nutzung von ERP (Enterprise Resource Planning) aus der Public Cloud steckt laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Pierre Audoin Consultants (PAC) noch in den Kinderschuhen. Und das, obwohl mehr als 70 Prozent der IT-Verantwortlichen davon ausgehen, dass sich das Public-Cloud-Modell für ERP-Anwendungen langfristig durchsetzen wird. “Dabei wird ERP aus der Public Cloud sowohl als Ersatz als auch als Ergänzung gesehen, und zwar nicht nur in Großfirmen”, sagt Frank Niemann, Autor der Studie und Principal Consultant Software & SaaS Markets bei PAC.

Bis dahin liegt vor den Unternehmen noch ein langer Weg. Jedes fünfte Unternehmen nutzt oder plant ERP aus der Cloud, jede dritte Firma diskutiert Einsatzmöglichkeiten und evaluiert Projekte. Aber: 45 Prozent der Unternehmen geben an, sich mit dem Thema überhaupt noch nicht beschäftigt zu haben.

Ganz überwiegend richtet sich das Interesse auf die Private Cloud. “77 Prozent der Unternehmen, die sich mit dem Cloud-Thema schon beschäftigt haben, betonen, dass das Public-Cloud-Modell für ERP heute nicht für ihr Unternehmen in Frage kommt”, erläutert Niemann.

Dabei sehen die Unternehmen durchaus handfeste Vorteile von Standardsoftware aus der Datenwolke. Aus Sicht der IT sprechen vor allem ein geringerer Administrationsaufwand und eine bessere Skalierbarkeit für ERP aus der Public Cloud. Vorteile sehen die Anwender laut Studie auch in der einfacheren Einbindung mobiler Endgeräte sowie in der schnelleren Implementierung.

Für das Unternehmen insgesamt entstehen Mehrwerte vor allem durch die leichtere Einbindung internationaler Standorte und die bessere Kostenstruktur: Beim Cloud-Modell entfallen in der Regel monatliche Gebühren pro Nutzer. Dem stehen Investitionen in ERP-Software und dafür erforderliche Hardware gegenüber.

Das größte Hindernis in Bezug auf Public-Cloud-Lösungen bleiben Bedenken wegen der Sicherheit. “Die Angst vor Datenverlust oder Datenmanipulation ist in drei Viertel aller deutschen Unternehmen eine wesentliche Barriere für die Nutzung von ERP aus der Public Cloud”, berichtet Niemann.

Auch äußern 70 Prozent der IT-Verantwortlichen Vorbehalte wegen der ungeklärten Rückführung von Daten beim Wechsel des Public-Cloud-Anbieters oder bei einer Migration von einer Public-Cloud- zu einer Inhouse-Lösung.

Sechs von zehn befragten IT-Verantwortlichen sehen im Übrigen Hemmnisse durch eine unsichere Rechtslage. Das beziehe sich zum Beispiel auf Fragen bezüglich des Ortes beziehungsweise des Landes, in dem schutzwürdige Daten etwa von Kunden oder Personal gespeichert werden, so Niemann. Gleiches gelte für den Gerichtsstand, beispielsweise im Falle von Klagen gegen den Anbieter.

Gefragt nach ihren Anforderungen an eine ERP-Lösung aus der Public Cloud, nennen acht von neun Unternehmen einen deutschsprachigen Ansprechpartner sowie Migrationsunterstützung durch den Anbieter. Gleichermaßen von Bedeutung ist, dass mit der Lösung ein Support mit festgelegten Service Level Agreements (SLA) verbunden ist. Sieben von neun Firmen legen außerdem Wert darauf, dass die Lösung über ein zertifiziertes Rechenzentrum nach den EU-Richtlinien bereitgestellt wird. Und schließlich erwarten die befragten Unternehmen, dass der Cloud-Provider branchenspezifische Prozesse versteht, eine Erwartungshaltung, die auch für Inhouse-ERP-Systeme gilt.

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Ein Ergebnis der Studie dürfte den Software-Anbietern – unabhängig von der Cloud-Thematik – Kopfschmerzen bereiten: Die Befragten geben an, dass ihnen die eingesetzte Business-Software beim Erreichen ihrer Ziele nur zum Teil hilft. Für die Unterstützung bei der Steigerung der Prozessqualität, der Produktivität und der Kostensenkung fällt die Beurteilung mittelmäßig bis schlecht aus. Das gilt gleichermaßen für die erhöhte Service-Orientierung gegenüber den Kunden. “Dies kann mit der Qualität der Lösung beziehungsweise deren Nutzung im Unternehmen zusammenhängen”, erläutert Niemann. “Aber natürlich auch mit zusätzlichen oder sich verändernden Anforderungen, denen die genutzten Applikationen nicht in vollem Umfang gewachsen sind.”

Die Studie steht hier zum Download zur Verfügung.