Apple-Tochter Filemaker macht ERP-Systeme mobil

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Mit mobilen Ergänzungen von ERP-Lösungen möchte Filemaker auf dem boomenden Mobility-Markt mitmischen. Dabei konzentriert sich die Apple-Tochter nicht nur auf die eigene Plattform, sondern verlängert auch andere ERP-Lösungen auf drahtlose Endgeräte.

„Es liegt auf der Hand, dass die mobile Anwendung von ERP-Systemen in vielen Bereichen sinnvoll ist“, sagt Hermann Anzenberger, Geschäftsführer des Datenbankanbieters Filemaker in Zentraleuropa. Als Beispiele nennt er den Außendienst, die Fertigung direkt in der Werkshalle oder das Angebot an Kunden im Laden, ihr Produkt selbst zu konfigurieren.

Hermann Anzenberger, Filemaker
Hermann Anzenberger, Filemaker

Allerdings, fügt Anzenberger hinzu, sei es aus heutiger Sicht nicht möglich, ein ERP-System in seiner Gesamtheit aufs Tablet zu bringen. Aber es sei sinnvoll, bestimmte ERP-Prozesse mobil zu machen. Das gelte beispielsweise für die Daten- und Auftragserfassung, die Instandhaltung, das Projektmanagement oder die Lagerverwaltung.

Auf Basis der Filemaker-Plattform können Anwenderunternehmen ihre maßgeschneiderte ERP-Lösung selbst entwickeln. Oder sie nutzen die ERP-Lösung eines Filemaker-Entwicklungspartners und passen diese den Bedürfnissen ihres Unternehmens an. Die kostenlose App Filemaker Go für iPads und iPhones macht diese Systeme jetzt mobil. Damit lassen sich  zum einen Daten aus Filemaker-Datenbanken, die auf iOS-Endgerät übertragen wurden, direkt bearbeiten. Zum anderen erlaubt die App, per iPhone oder iPad über WLAN oder moderne Mobilfunknetze  auf Filemaker-Datenbanken zuzugreifen. Das gilt sowohl für Einzelplatz-Rechner als auch für Filemaker-Server. Auf diesem Weg können Daten mobil bearbeitet werden. Neue Datenbanken zu erstellen oder die Datenbank-Lösung selbst zu ändern, ist mit Filemaker Go jedoch nicht möglich.

Ein Unternehmen, das auf Filemaker-Basis eine ERP-Lösung entwickelt hat, ist Günther Business Solutions in Burscheid bei Köln. Advanter, so der Name der Software, besteht aus rund 50 verschiedenen Modulen und adressiert alle relevanten Prozesse mittelständischer Unternehmen, so der Hersteller: Die Funktionen und Möglichkeiten reichen von Auftragsbearbeitung über Beschaffung, Lagerverwaltung und Workfklow-Unterstützung bis zu Marketing und Vertrieb. Auf Basis von Advanter und Filemaker Go hat Günther Business Solutions eine Warenwirtschaftsanwendung für Velotraum entwickelt. Die Fahrradmanufaktur produziert  Fahrräder nach den individuellen Kundenwünschen. Die Lösung ermöglicht es den Mitarbeitern, zusammen mit den Kunden am iPad das Wunschfahrrad zu entwerfen. „Es stehen zehn verschiedene Rahmen bereit, jeweils in acht Größen, dazu 200 verschiedene Farben, die drei Dekovarianten verfügen über 50 verschiedene Farben, das muss alles abgebildet werden und wählbar sein“, formuliert Patricia Rose, geschäftsführende Gesellschafterin von Velotraum, die Anforderungen.

Für die Mitarbeiter ergeben sich durch die mobile Lösung eine Reihe von Vorteilen: Im Verkaufsgespräch ist immer der aktuelle Preis zur Hand, weil Aufpreise für Zubehör automatisch dazu addiert werden. Und in der Fertigung arbeiten die Mechaniker direkt mit dem iPad am Rad, sie müssen also den Arbeitsplatz nicht mehr verlassen, um Konfigurationsdetails am PC zu überprüfen. „Dadurch passieren in der Produktion weniger Fehler, außerdem spart es Zeit“, berichtet Rose.

Die App Filemaker Go stellt aber nicht nur betriebswirtschaftliche Anwendungen auf Basis der gleichnamigen Datenbank-Software mobil zur Verfügung. Auch mobile Verlängerungen von anderen ERP-Systemen auf dem Markt können damit realisiert werden. Ein Beispiel dafür ist das Smarttool beim Schweizer Werkzeuggroßhändler SFS/Hoffmann Gruppe. Erstellt  wurde es vom Vorarlberger Softwareunternehmen HGI Systems. Die Firma entwickelt seit 1995 Business-Software auf Basis von Filemaker für Kunden aus verschiedenen Branchen. Bei SFS bestand die Aufgabe darin, mobile Bestellungen über ein iPad oder ein anderes Terminal direkt ins System SAP for Retail einfließen zu lassen. Dazu programmierte HGI zum internen SAP-Bestellmodul ein zusätzliches externes Bestellsystem mit Namen Smarttool. Dieses System sendet eine oder mehrere Bestellungen im Datenaustauschformat XML an einen FTP-Server. Auf dessen Daten greift SAP for Retail regelmäßig zu und wandelt diese in einen SAP-Auftrag um.

Die Bestellung ist mit dem iPad möglich, aber auch über robuste Bestellterminals, über die per Barcode-Scanner direkt in Werkstätten oder Betrieben vor Ort Bestellungen abgeschickt werden. Auf Wunsch werden die bestellten Artikel in der Schweiz innerhalb eines Tages geliefert. Auch Nachschleifprozesse oder Ausleihvorgänge, etwa von Messgeräten, können über Smarttool abgewickelt werden. Das gilt auch für Fremdartikel-Bestellungen. Mit dieser mobilen Lösung verfolgt SFS zwei wesentliche Ziele, nämlich die Prozesskosten zu senken und die Kundenbindung zu erhöhen. 55 solcher Systeme sind bereits bei SFS-Kunden in der Schweiz installiert.