IBM verteilt Super-Computer auf Android-Smartphones

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In einem neuen Projekt können Android-Nutzer jetzt ihren wissenschaftlichen Lieblingsprojekten Rechenpower spenden.

Eines der ersten BOINC-Projekte ist die Suche nach Pulsaren. Quelle: AEI
Eines der ersten BOINC-Projekte ist die Suche nach Pulsaren. Quelle: AEI

In einem neuen Projekt ermöglicht IBM den Nutzern von Android-Smartphones die Rechenleistung der Geräte für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung zu stellen. Über eine App können die überschüssigen Rechenleistungen für wissenschaftliche Projekte des IBM World Community Grid und Einstein@Home geteilt werden. Diese Reichen von der HIV-Forschung bis hin zur Entdeckung neuer Planeten.

Dafür wurde die Software Berkeley Open Infrastructure for Network Computing (BOINC) aktualisiert. Somit werden jetzt auch Geräte mit Android 2.3 unterstützt. Um an dem Projekt teil zu nehmen, muss lediglich die BOINC-App von Google Play herunter geladen werden.

Die Wissenschaftler des IBM Grids nutzen bereits Rechenleistungen aus Volonteer Computing, um damit ihre Simulationen oder Datenanalysen durchzuführen. Bislang waren solche Programme jedoch auf Desktops und Laptops beschränkt, doch nachdem auch Smartphones immer leistungsfähiger werden, kann auch deren Rechenleistung einen Beitrag leisten.

In einer Mitteilung von IBM heißt es, dass es derzeit weltweit mehr als 900 Millionen Android-Smartphones gibt und die Rechenleistung dieser Geräte würde zusammengenommen den derzeit schnellsten Supercomputer in den Schatten stellen.

Damit die Nutzer aufgrund der Software keine bösen Überraschungen erleben, haben die Entwickler sich darauf beschränkt, dass Kalkulationen nur dann durchgeführt werden, wenn die Batterieladung über 90 Prozent liegt und das Gerät an ein Ladekabel angeschlossen ist. Auch über das Handy-Netz werden keine Daten ausgetauscht, damit die Anwendung nicht auf die Handy-Rechnung schlägt. Ein Austausch findet lediglich über Wi-Fi-Netze statt.

Das BOINC-Projekt wurde 2002 an der Berkeley-Universität mit Hilfe der National Science Foundation gegründet. Die Android-Version wurde unter anderem von dem Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik, IBM World Community Grid, der National Science Foundation sowie Google gefördert.

Eines der ersten Projekte für BOINC ist Einstein@Home mit einer Suche nach unbekannten Radiopulsaren, die vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Hannover geleitet wird. Android-Nutzer können eine Anwendung unterstützen, die Daten des Arecibo-Observatoriums in Puerto Rico analysiert.

Das Programm spürt neue Radiopulsare in den Daten des weltgrößten Radioteleskops anhand ihrer gepulsten Radioemission auf.Die Empfindlichkeit zur Entdeckung neuer Pulsare ist jedoch durch die zur Verfügung stehende Rechenkraft begrenzt, teilt das Hannoveraner Institut mit. Mit der Rechenkraft der Andorid-Handys könne die Suche weiter verfeinert werden.

Ein weiteres verteiltes Rechenprojekt für Android-Smartphones und -Tablets ist FightAIDS@Home, das nach effizienteren Mitteln zur Behandlung von AIDS sucht und das auf dem IBM World Community Grid läuft. Das Olson Laboratory am Scripps Research Institute sucht über Rechenmethoden nach neuen Medikamente.

Das IBM World Community Grid setzt sich aus mehr als 2,3 Millionen Computer von über 600.000 Personen und Institutionen aus 80 Ländern zusammen, die Rechenzeit für Projekte gespendet haben. So ergibt sich einer der schnellsten virtuellen Supercomputer des Planeten. Über diesen Rechner kann wissenschaftliche Arbeit vorangetrieben werden.

Bis 2013 sind mindestens 22 Projekte teilweise oder vollständig als Teil von World Community Grid gelaufen. Seit der Gründung im Jahr 2004 hat dieser von IBM geschaffene und verwaltete virtuelle Superrechner Wissenschaftler kostenlos mit einer Rechenzeit von mehr als 750.000 CPU-Kern-Jahren versorgt.

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