Cloud OS: PR-Gag oder neue Technologie?

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VMware fing damit an, dann kam Microsoft und neuerdings auch HP: alle drei bieten inzwischen ein Cloud OS an. Höchste Zeit also, sich damit näher zu beschäftigen und zu erklären, was ein Cloud OS ist – und wozu es gut ist. Selbst bei den Anbietern gibt es dazu teilweise nur nebulöse Vorstellungen.

Die Cloud-Betriebssysteme,  wie sie unter anderem von VMware oder Microsoft angepriesen werden, sind streng genommen keine Betriebssysteme.  Quelle: M. Schindler
Die Cloud-Betriebssysteme, wie sie unter anderem von VMware oder Microsoft angepriesen werden, sind streng genommen keine Betriebssysteme.
Quelle: M. Schindler

“Ein Cloud OS macht zunächst einmal das gleiche, wie jedes traditionelle Betriebssystem: Es managt Anwendungen und Hardware”, schrieb Microsofts Vice President Michael Park in seinem Blog. Das ist eine sehr, sehr weitreichende Erklärung für ein Betriebssystem.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Parks Kollegen von der Windows-Gruppe nicht unbedingt der Ansicht sind, dass Windows die darauf laufenden Anwendungen “managt”. Außerdem ist jeder Vergleich eines Cloud OS mit einem herkömmlichen Betriebssystem völlig falsch.

Zunächst einmal ist ein Cloud OS KEIN Betriebssystem, das eine bestimmte Hardware verwaltet und diese den Anwendungen in einer logischen Form zur Verfügung stellt. Bei allen drei Cloud Operating Systemen handelt es sich um eine vordefinierte Steuer- und Verwaltungsebene für eine Reihe an System-, Netzwerk- und Storage-Management-Systemen.

Bei Microsoft spricht man deshalb offiziell von einer “Cloud OS Vision”, mit der die Produkte Windows Server, SQL Server, System Center und Visual Studio im Hinblick auf eine Cloud-Architektur harmonisiert genutzt werden können.

Microsofts Cloud OS ist also keine Software, die man von der Stange kaufen kann, sondern es ist ein Konzept, mit dem sich die Infrastruktur eines Rechenzentrums für den Aufbau einer internen Cloud verbessern lässt. Die Frage, ob eine interne Cloud überhaupt eine Cloud ist, lassen wir hier mal unberücksichtigt. Diese Diskussion würde hier zu weit führen.

Für die weitere Betrachtung von Cloud OS reicht es, wenn wir eine interne Cloud als ein Rechenzentrum definieren, dessen Rechenleistung, Storage und Netzwerke optimal auf die Maximalbelastung ausgelegt sind. Den einzelnen Fachbereichen werden von diesem RZ verschiedene Cloud-Dienste angeboten, wie IaaS, PaaS oder SaaS.

Für die Bereitstellung dieser Angebote sind viele Infrastruktur-Komponenten zu managen und zu überwachen. Und wenn dieses von nur einer oder von wenigen Konsolen aus möglich ist, spricht man von einem Cloud OS. Damit ergibt sich schon ein wesentlicher Nachteil aller Cloud-OS-Konzepte: Sie funktionieren nur mit den Management-Komponenten des gleichen Lieferanten.

Das trifft auch auf HP zu, die zwar mit ihrer Version des Cloud OS auf den OpenSource-Standard von OpenStack aufsetzen. Doch es gibt proprietäre Erweiterungen und andere Beschränkungen, wie die Nutzung der eigenen Hard- und Software. Auch HP bestätigt, dass es sich bei ihrem Cloud OS nicht um eine fertige Software handelt. “HP Cloud OS ist kein Produkt, sondern es ist eine wesentliche, grundlegende Komponente unserer Cloud-Lösungen”, heißt es auf deren Webseite.

Bleibt noch VMware, das mit der VCloud der erste Anbieter war, der in Richtung Cloud OS gearbeitet hat – und immerhin ist VCloud ein echtes Produkt.

Doch ursprünglich fehlten wesentliche Elemente, wie Storage und Netzwerke. Inzwischen ist die vCloud deutlich erweitert und VMware nennt diese Plattform jetzt ein “Software-definiertes Rechenzentrum (SDD). Während VMwares Lösung – genauso wie die von Microsoft – keinen Hardwarebeschränkungen unterliegt, so erfordert aber auch VMwares SDD, dass die zugehörigen Komponenten aus dem Hause VMware sind.

Alle drei Anbieter weisen in ihren Cloud-OS-Angeboten deutlich daraufhin, dass die damit verbundene Steuerungsebene besonders vorteilhaft bei einer so genannten “Hybrid Cloud” ist.

Bei Microsoft meint man damit die Verschiebung von Workload aus dem eigenen Rechenzentrum in die Azure-Cloud, bei HP die Verbindung mit der HP-Cloud oder einer dort gehosteten Private Cloud und bei VMware die Kombination mit dem eigenen IaaS-Angebot oder mit einem Partner, der einen auf VMware basierenden Cloud-Dienst anbietet. Besonders einfach geht diese hybride Nutzung bei Microsoft, da deren Azure-Plattform unterschiedliche Services, wie IaaS und PaaS, anbietet.

Fazit: Ob Microsoft, HP oder VMware – bei allen ist Cloud OS kein Operating System. Doch ein reiner PR-Gag ist es trotzdem nicht, schließlich macht eine zusätzliche Management-Plattform zum Steuern der Systemkomponenten viel Sinn und kann zu mehr Flexibilität und zu deutlichen Einsparungen bei der Administration führen.