IT-Freelancer: SAP-Know-how ist besonders gefragt

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Die Umsätze von IT-Freelancern steigen weiter: Besonders gute Karten haben freiberufliche Spezialisten mit SAP-Know-how, so das Marktforschungsunternehmen Lünendonk. Auch Kompetenzen im Bereich Projekt- und Qualitätsmanagement sind bei den Unternehmen begehrt.

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Hartmut Lüerßen, Lünendonk.

Etwa 85.000 IT-Freelancer arbeiteten im vergangenen Jahr in Deutschland. Das sind 6.000 oder knapp acht Prozent mehr als 2011. Die freiberuflichen IT-Experten erzielten dabei einen Umsatz von acht Milliarden Euro. Das Plus gegenüber 2011 betrug knapp sieben Prozent oder 500 Millionen Euro.

Das Marktforschungsunternehmen Lünendonk hat 26 Unternehmen aus dem Bereich Rekrutierung, Vermittlung und Steuerung freiberuflicher IT-Experten nach ihrer Einschätzung des Markts befragt. Dabei wurde deutlich, dass an erster Stelle SAP-Know-how gefragt ist. “Auf Platz zwei der besonders gesuchten Kompetenzen folgen Projektmanagement und Qualitätsmanagement”, sagt Lünendonk-Partner und Autor der Studie Hartmut Lüerßen.

Danach folgen Webservices/SOA (Serviceorientierte Architekturen), ein Feld, auf dem sich die Nachfrage in den beiden vergangenen Jahren allerdings rückläufig entwickelt hat, erläutert Lüerßen. Die Nachfrage der Unternehmen zeigt sich relativ unbeeindruckt von aktuellen Trends: Das Hype-Thema Mobile Business konnte das Standardthema schlechthin, nämlich ERP (Enterprise Resource Planning), in puncto Wertschätzung nicht überholen.

IT-Experten, die diese besonders gefragten Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringen, können sich über ein Plus bei den Tageshonoraren freuen, zumindest bei Beratung und Konzeption: “Der Vergleich der Ergebnisse mit den Vorjahresbefragungen ergibt für die Beratungsleistungen einen Anstieg der durchschnittlichen Honorarsätze von 882 Euro auf 905 Euro”, berichtet Lüerßen. Bei den Realisierungsleistungen dagegen kristallisiere sich gegenüber der Vorjahresbefragung ein leichter Rückgang der durchschnittlichen Honorarsätze von 652 Euro auf 638 Euro heraus. “Für Realisierungsleistungen zahlen die Kunden erwartungsgemäß weniger als für Beratung/Konzeption”, erläutert Lüerßen.

Die Höhe des Stunden- oder Tagessatz ist aus Kundensicht jedoch nur eines von mehreren Entscheidungskriterien für die Auswahl von IT-Freelancern – und dabei nicht einmal das wichtigste. Auf dem ersten Platz steht mit deutlichem Abstand das Technologie-Know-how, noch vor den Honoraren. Danach folgen die Beratungskompetenz sowie das Prozess-Know-how.

Wenig Veränderung gibt es bei den Größenklassen der Unternehmen, die freiberufliche IT-Experten anheuern. Nach wie vor sind es vor allem Firmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern, die externe IT-Kompetenz einkaufen. Ihr Anteil betrug in den beiden vergangenen Jahren rund 40 Prozent. Dagegen liegt der Anteil von Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern bei gut 13 Prozent. Interessanterweise ist in der Größenklasse darüber (500 bis 999 Mitarbeiter) ein niedrigerer Wert zu verzeichnen, nämlich knapp 11 Prozent.

 

Externes Projekt-Management
Quelle: Lünendonk GmbH

 

Rund 43 Prozent der Projektanfragen an IT-Freiberufler beziehen sich, wie zu erwarten, auf den IT-Bereich des Unternehmens. Fast ebenso viele stehen im Zusammenhang mit dem Einkauf. Erst mit  großem Abstand (knapp 14 Prozent) folgen die Fachbereiche.

Auch der Frage, welche konkreten Tätigkeiten die IT-Freelancer bei ihren Kunden ausführen, ist Lünendonk in seiner Studie nachgegangen. “Den höchsten Anteil der Tätigkeiten macht die ‚Individual-Software-Entwicklung‘ aus”, berichtet Lüerßen.

Durchschnittlich lag der Anteil dieser Tätigkeiten bei gut 19 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil im Jahr 2012 leicht, um 0,4 Prozentpunkte, angestiegen. An zweiter Stelle folgt das Projektmanagement mit einem Anteil von gut 14 Prozent. “Wichtige Motivationen für ein externes Projektmanagement sind beispielsweise interne Kapazitätsengpässe oder der Wunsch, ein Projekt möglichst unabhängig zu steuern – auch von interner Politik”, erläutert Lüerßen.

Auf dem dritten Platz der häufigsten Tätigkeiten von IT-Freelancern folgen Aufgaben im Zusammenhang mit Systemintegration (13 Prozent). Lüerßen: “Hier gehen die Durchschnittswerte gegenüber dem Vorjahr um 0.4 Prozentpunkte leicht zurück.”