IBM beschränkt Hardware-Patches auf zahlende Kunden

E-GovernmentManagementRegulierung

Offenbar verschärft IBM die Regeln für die Verfügbarkeit von Hardware-Patches. Eine Organisation sieht darin wettbewerbsfeindliches Verhalten und warnt vor weitreichenden Folgen für Anwender: IBM würde damit die Anwender vor die Wahl stellen, entweder bezahlten Support von IBM zu beziehen, oder aber keine weiteren Firmware-Updates mehr zu bekommen.

Fix Central, das IBM-Portal, für den Download von Patches und Firmware-Upgrades fragt seit Kurzem nach einer IBM-ID. Lediglich mit einem gültigen Wartungsvertrag sind derzeit laut Kritikern derzeit noch Patches zu bekommen. Quelle: IBM
Fix Central, das IBM-Portal, für den Download von Patches und Firmware-Upgrades fragt seit Kurzem nach einer IBM-ID. Lediglich mit einem gültigen Wartungsvertrag sind derzeit laut Kritikern derzeit noch Patches zu bekommen. x86-Server sind von dieser Regel bislang offenbar ausgenommen. Quelle: IBM


Seit dem 11. August müssen Anwender, die sich auf  IBM Fixed Central, der zentralen IBM-Seite für Hardware-Paches – Firmware oder Microcode – mit einer IBM-ID ausweisen, um an Hardware-Patches heran zu kommen. Die Vereinigung Digital Right to Repair wirft nun laut einem Bericht des US-Branchendienstes Infoworld IBM nun vor, dass diese ID dazu genutzt werde um zu prüfen, ob ein Interessent für einen Hardware-Patch, auch einen Vertrag mit IBM für Hardware-Maintenance unterhält. Andernfalls, so DRTR, würde der Download verwehrt. Eine Stellungnahme von IBM ist angefragt, liegt derzeit aber noch nicht vor.

IBM soll die Änderung der Richtlinien im vergangenen Jahr angekündigt haben. Seit dem 11. August ist beim Besuch von Fix Central folgender Text zu lesen:

Ab dem 11. August 2013 implementiert IBM eine zusätzliche Überprüfung von Berechtigungen im Rahmen von Fix Central für ausgewählte Softwareprodukte und -Updates sowie für Maschinencode-Updates (auch bekannt als Firmware oder Mikrocode) für ausgewählte Maschinen. Die Berechtigung für Maschinencode-Updates wird über vom Benutzer bereitgestellte Seriennummern geprüft. Die Berechtigung für Softwareprodukte wird über vom Benutzer bereitgestellte Kundennummern geprüft. Zusätzliche Informationen können angefordert werden oder erforderlich sein, um die Berechtigung zu bestätigen.

Damit Auswirkungen auf das Benutzererlebnis möglichst minimal bleiben, wird ein spezieller Prozess implementiert, um Benutzer über fehlgeschlagene Überprüfungen von Berechtigungen zu informieren und Probleme mit der Berechtigung zu lösen.

Diese zusätzlichen Überprüfungen von Berechtigungen werden zu diesem Zeitpunkt nicht in allen Ländern implementiert.

IBM behält sich das Recht vor, seine Angebote, Richtlinien und Verfahren jederzeit zu ändern, zu modifizieren oder zurückzuziehen.

Auf Fix Central erklärt IBM dann weiter:

Maschinencode-Updates über Fix Central sind nur für IBM Maschinen möglich, für die eine Gewährleistung oder ein IBM Servicevertrag für die Hardwarewartung gilt. Code für Betriebssysteme oder sonstige Softwareprodukte ist nur im Rahmen einer gültigen Gewährleistung oder eines gültigen IBM Software-Wartungsvertrags verfügbar. Sämtlicher Code (einschließlich Maschinencode-Updates, Beispiele, Fixes oder andere Software-Downloads), der auf der Fix Central-Website bereitgestellt wird, unterliegt den Bedingungen der Lizenzvereinbarungen, die die Verwendung des jeweiligen Codes bestimmen.

Ausnahmen sind möglich.

Damit rückt IBM von der bisherigen Praxis ab, solche Firmware-Updates unbeschränkt zur Verfügung zu stellen. Infoworld zitiert Gay Gordon-Byrne, Executiv Director des Organsiation DRTR: “Es kommt jetzt dazu, dass der Anwender nur noch die Wahl hat, ein Maintenance Agreement mit IBM zu schließen, oder aber den Zugang zu Patches und Änderungen zu verlieren.”
In einem Blog kommentiert Gordon-Byrne darüber hinaus: “Die Patches und Fixes, die IBM jetzt hinter diesem Schild verbirgt, sind die gleichen, die IBM bislang für Fehler in der Herstellung oder im Design traditionell für die Qualitätskontrolle heraus gegeben hat. Den Zugriff auf diesen Support zu blockieren, stellt in unseren Augen nichts anderes als den Versuch dar, bei der Reparatur Konkurrenten auszuschalten, um mit einem monopolisierten Service höhere Margen zu erreichen.”

 

Fotogalerie: IBMs 300mm-Fab in East Fishkill

Klicken Sie auf eines der Bilder, um die Fotogalerie zu starten

 

 

Die Anwender würden schnell merken, dass sie nicht mehr wie bisher in der Lage sein werden, Ausrüstung zu kaufen oder zu verkaufen, ohne weitere Verträge mit IBM zu erwerben, “und das zu Konditionen, die keinem Wettbewerb unterliegen”.

Gleiches habe man mit Sun-Servern gesehen, als Oracle nach der Übernahme im Jahr 2010 beim Hardware-Support den ersten Schritt diese Richtung machte. In der Folge sei der Markt für gebrauchte Hardware eingebrochen und damit habe sich auch der Wert der Investitionen in diese Geräte gesenkt. Denn “niemand investiert in Ausrüstung, die nicht wirtschaftlich repariert werden kann”, schließt Gordon-Byrne.

DRTR sieht diesen Schritt als problematisch an, weil es dem Anwender nicht mehr die Wahl lässt, den Anbieter für Hardware-Support auszuwählen. Auch für Reseller könnte das zu einem Problem werden, prognostiziert die Organisation, denn theoretisch wären Reseller dazu verpflichtet, einen eigenen Maintenance-Vertrag mit IBM zu besitzen, um beim Kunden dann ein aktuelles Gerät aufzustellen. Zudem habe IBM im vergangenen Jahr auch eine Gebühr angekündigt. Die soll beim Aktivieren eines einmal aus der Maintenance heraus genommenen Servers anfallen.

Gordon-Byrne erklärte jedoch auch, dass IBM derzeit offenbar bei System x Ausnahmen zulasse. Auch einige Storage-Produkte scheinen (noch) nicht unter diese Regelung zu fallen.

DRTR sieht darin den Versuch von IBM, das mit diesem Schritt dem Beispiel Oracles folgt, den Aftersales-Markt besser vor Konkurrenten zu schützen. Die Organisation ist eine Ausgründung der Service Industry Association, ein Zusammenschluss von Service-Unternehmen, die natürlich durch solche Regelungen das eigene Geschäftsmodell gefährdet sehen.

In einem Gespräch mit silicon.de erklärte vor einiger Zeit der Forrester-Analyst Stefan Ried, – allerdings zu Software-Maintenance – , dass Hersteller immer Probleme bekämen, wenn ein Monopol in Anspruch genommen würde.

Ried vergleicht das mit einem Automobil: “Es ist im Grunde das gleiche wie bei einem Automobil: Wenn sie heute zu einem Hersteller gehen, können sie das komplette Werkstatthandbuch verlangen. Die Rechtslage in Europa und großen Teilen der USA sagt ganz klar: Man muss die Möglichkeit haben, das Auto auch von jemand anderen warten zu lassen. Das ist sehr bald sogar für die Software innerhalb des Autos so. Ein Hersteller wie Daimler muss auch die in ein Fahrzeug eingebettete Software ebenfalls alternativen Anbietern zugänglich machen.” Ried hatte damals, das Gespräch fand im Jahr 2010 statt, prognostiziert, dass eine “Welle von Maintenance-Gesetzen in den nächsten zehn Jahren kommen werden”.

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen