NSA: SAP beschleunigt Ausbau von Cloud-Services

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SAP profitiert laut eigenen Angaben von den Spionage-Vorwürfen gegen die USA und den Geheimdienst NSA. Das strenge deutsche Datenschutzrecht stellt sich für die Walldorfer jetzt als besonderer Standortvorteil heraus.

Standortvorteil von St. Leon-Rot: hier gilt der deutsche Datenschutz. SAP will jetzt aus diesem Regelwerk Kapital schlagen und weitet weltweit die Investitionen in Rechenzentrumsinfrastruktur aus. Quelle. SAP
Standortvorteil von St. Leon-Rot: hier gilt der deutsche Datenschutz. SAP will jetzt aus diesem Regelwerk Kapital schlagen und weitet weltweit die Investitionen in Rechenzentrumsinfrastruktur aus. Quelle. SAP

“Wir beschleunigen unsere Investitionen in den globalen Ausbau unserer Rechenzentren”, erklärt Bernd Leukert, der im erweiterten SAP-Vorstand für das Thema Innovationen bei Softwareanwendungen verantwortlich ist, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

 

 

Als Grund für diesen beschleunigten Ausbau nennt Leukert die Debatte um die Ausspähaktionen durch die NSA. Das Thema werde häufig von SAP-Anwendern und potentiellen Kunden angesprochen. Und plötzlich entpuppen sich die in der Vergangenheit belächelten und nicht selten kritisierten strengen gesetzlichen Auflagen des deutschen und europäischen Datenschutzes als großer Vorteil.

Bernd Leukert, SAP.
Bernd Leukert, SAP.

“Wir haben in dieser wichtigen Diskussion den Vorteil, dass wir unsere Cloud Services nach deutschem Recht anbieten”, betont Leukert. Diesen Vorteil könnten nicht viele Marktbegleiter vorweisen.

Die Tatsache, dass SAP den Firmenhauptsitz “mit einer entsprechenden Infrastruktur von Rechenzentren in Deutschland” habe, helfe offenbar auch dabei, neue Kunden zu gewinnen. Der Ausbau beschränke sich jedoch nicht nur auf Deutschland, sondern erfolge jetzt international. “Kunden weltweit ist wichtig: wo liegen die Daten und welche Mitarbeiter aus welcher Region verwalten sie”, berichtet Leukert.

Immer wieder berichten Medien über verschiedene Abhör-Maßnahmen des US-Auslandsgeheimdienst NSA. So wurde unter anderem bekannt, dass NSA und der britische Counterpart GCHQ seit Jahren systematisch Verschlüsselungstechnologien umgehen oder aufweichen.

SAP hat neben den eigenen Rechenzentren, etwa dem in St. Leon-Rot durch die Übernahmen von Ariba und Successfactors auch Rechenzentren in Europa, USA und Australien. Jetzt wolle SAP auch den Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur in Kanada, China, Russland und Brasilien vorantreiben. Die Nachfrage sei hoch, daher investiere SAP jetzt in zusätzlich Kapazitäten, schließlich seien nicht nur deutsche Anwender von der Sorge um Ihre Daten angetrieben.

China ist indes für SAP wie für andere ausländische Unternehmen kein einfacher Markt. Besonders schwierig ist es derzeit für westliche Unternehmen, Cloud-Dienste in China zu vertreiben. 2011 hatte SAP daher mit dem regionalen Anbieter CCS ein Joint Venture gegründet.

Doch damit will sich SAP offenbar nicht zufrieden geben. Langfristig wolle SAP, so Leukert, auch in China mit einer eigenen Infrastruktur an den Start gehen. “Wir führen dazu Gespräche mit den Verantwortlichen in China”, so Leukert weiter gegenüber der dpa. Mit dieser Initiative könnte SAP auch den vor allem im zurückliegenden Quartal schwachen asiatischen Markt verstärkt angehen.

 

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