ERP-Systeme des Jahres in acht Kategorien ausgezeichnet

EnterpriseERP-SuitesManagementSoftware

In Stuttgart wurden im Rahmen der Messe IT & Business die ERP-Systeme des Jahres 2013 prämiert. In diesem Jahr wollten die Veranstalter bewusst Branchen in den Wettbewerb mit einbeziehen, die aufgrund ihrer Spezialisierung weniger im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen: Wohnungswirtschaft, Entsorgung und Textilindustrie sind daher neue Kategorien bei dem begehrten Preis.

Gronau Portrait_01
Professor Norbert Gronau, Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsinformatik und Electronic Government an der Universität Potsdam. Quelle: Hans-Thomas Hengl

Zum achten Mal haben das Center for Enterprise Research der Universität Potsdam und die Fachzeitschrift ERP Management die Auszeichnung ERP-System des Jahres verliehen. Am Wettbewerb teilgenommen haben 25 Unternehmen, von denen elf in der Endrunde ihre Lösungen in Stuttgart präsentierten.

“Wir wollten in diesem Jahr den üblicherweise weniger beachteten Branchen ein Forum verschaffen”, sagt Professor Norbert Gronau, Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsinformatik und Electronic Government an der Universität Potsdam. “Deshalb haben wir die Entscheidung getroffen, Textilindustrie,  Wohnungswirtschaft und Entsorgungsbetriebe in den Wettbewerb einzubeziehen.”

Ausgezeichnet wurden ERP-Systeme in acht Kategorien, dazu vergab die Jury zwei Sonderpreise, nämlich den Innovationspreis und den KMU-Sonderpreis. Beide Auszeichnungen gingen an Scopevisio, einen Anbieter von Unternehmenssoftware aus der Cloud: “Der KMU Sonderpreis zeichnet Lösungen aus, die sich besonders an den Bedürfnissen kleiner und mittelständischer Unternehmen orientieren”, erläutert Gronau. “Maßgelich für die Verleihung an Scopevisio war die Aussage des Herstellers, dass durch dessen differenziertes Cloud-Konzept 4,7 Millionen Einzelunternehmen als potenzielle Kunden an ein hochprofessionelles System herangeführt werden.”

In der Kategorie Pharma/Food/Chemie wurde GUS OS der GUS Group ausgezeichnet. Das Kölner Unternehmen stellte das Kriterium des Kundennutzens am Beispiel des Pharma-Unternehmens Medac in den Mittelpunkt der Präsentation. Im Bereich Projektorientierte Dienstleister konnte sich ITML mit seiner SAP-Branchenlösung durchsetzen.

Der Preis für das beste ERP-System im Bereich Versandhandel ging an Comarch und die Software ERP Enterprise. Die Einführung des Systems wurde am Beispiel von Kik24, der Online-Handels-Tochter des Textildiscounters Kik, dargestellt. Gerade der Versandhandel hat aus Sicht von Gronau im Wettbewerb eine besondere Bedeutung: “Die Auswahl dieser Kategorie spiegelt die wachsende Bedeutung des E-Commerce wider”, erläutert der Professor für Wirtschaftsinformatik. “ERP-Systeme für den Versandhandel sind in gewissem Sinne technologische Trendsetter, weil sie mit den aktuellen Online-Technologien  zusammenarbeiten müssen.”

ERP-des_jahres_Pokal

In der Sparte Großhandel ging der Preis an die CVS Ingenieurgesellschaft mit ihrem System Alphaplan ERP, Sieger in der Kategorie Elektronikfertigung wurde Ordat mit der Lösung Foss. Das Kürzel steht für Factory Open Systems Software. “Bei den Präsentationen der Anbieter war eine weitere Steigerung der Professionalität  zu beobachten”, berichtet der Jury-Vorsitzende Gronau. “Die Hersteller nehmen diesen Wettbewerb sehr ernst und investieren viel Zeit und Mühe in die Vorstellung ihrer Projekte. Das wird unter anderem auch dadurch sichtbar, dass viele Anbieter ihre Referenzkunden vor Ort in die Präsentation mit einbeziehen.”

Neben Gronau gehört der Jury als weiterer Vertreter der Wissenschaft Professor Axel Winkelmann, Inhaber des Lehrstuhls für BWL und Wirtschaftsinformatik der Universität Würzburg, an. Jury-Mitglieder waren ferner neutrale Berater  wie Helmuth Gümbel (Strategy Partners International), Walter Kolbenschlag (UBK), Eric Scherer (i2s), René Schüller (IPML) und Bert Stuhr (Infosoft) sowie IT-Fachjournalisten. Sie beurteilten die vorgestellten ERP-Systeme nach den Kriterien Einführungsmethodik, Nutzen durch kundenorientierten Funktionsumfang, Ergonomie, Technologie und Integrationsumfang, Brancheneignung, Kundenkommunikation und Vertriebsmarketing sowie Forschung und Entwicklung. Bereits in der Vorrunde konnten sich Mitan Wirtschaftssoftware (Entsorgung), Varys (Wohnungswirtschaft) und Impuls (Textil) als Sieger durchsetzen.

Parallel zum Wettbewerb hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich auf dem ERP-Kongress über aktuelle Trends rund um ERP-Software zu informieren. Einer der Schwerpunkte des Vortragsprogramms war die Einführung von Standardsoftware im Unternehmen. “Das Risiko des Scheiterns ist bei ERP-Projekten sehr groß”, begründet Gronau den Themenfokus. “Wir rechnen damit, dass jedes vierte bis fünfte Projekt auf falschen Annahmen basiert oder während der Einführung scheitert  beziehungsweise stark verzögert wird.”