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Amazon bringt den Desktop in die Cloud

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Mit Amazon WorkSpace bietet Amazon Amazon Web Service eine gehostete Desktop-Lösung. Damit können Anwender einen Windows 7 Desktop auf beliebige Endgeräten bringen und das im Vergleich zu traditionellen VDI-Lösungen deutlich günstiger, wie es von Amazon heißt. Für den Desktop-as-a-Service-Markt als solchen markiert der Einstieg Amazons einen wichtigen Meilenstein.

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Amazon Worspaces auf dem Kindle. Quelle: Amazon

Auf jedem Laptop, iPad, Tablet oder Kindle lässt sich über Amazon WorkSpaces jetzt ein virtueller Windows-7-Desktop ausliefern. Laut Amazon sollen Unternehmen mit nur wenigen Klicks in der AWS-Management-Console einen virtuellen Desktop an ihre Anwender prov können. Der Anbieter nennt als wichtiges Alleinstellungsmerkmal gegenüber herkömmlichen Virtual Desktop Infrastructures (VDI) einen deutlich niedrigeren Preis. Die kosten sollen um mehr als die Hälfte niedriger sein, wie Amazon auf der Konferenz re:Invent mitteilt.

Gegenüber denzentralen, pyhsischen Desktops liegt der Vorteil einer VDI vor allem in der besseren und vor allem zentralisierten Verwaltbarkeit. Zudem entfallen für Unternehmen hohe Anfangsinvestitionen. Denn das Angebot liefert neben einem vollständigen Desktop auch Storage und Anwendungen.

Anwender können nicht nur von beliebigen Endgeräten auf ihren Arbeitsplatz zugreifen, sondern starten auch nach einem Gerätewechsel wieder an dem Punkt, an dem die vorhergehende Session beendet wurde. Als Desktop liefert Amazon eine angepasste Version von Windows Server, die für den Anwender praktisch wie ein herkömmliches Windows 7 aussieht.

So sieht der Windows-7-Desktop in Amazon WorkSpaces aus. Quelle: Amazon
So sieht der Windows-7-Desktop in Amazon WorkSpaces aus. Quelle: Amazon

Wie Amazon in einem Blog erklärt, müssen die Anwender auf den betreffenden Endgeräten eine Client-Anwendung installieren und nach einem kurzen Download haben die Anwender Zugriff auf eine “vollständige Windows-7-Erfahrung”. Neben Utilities bekommen die Anwender auch einige Anwendungen mitgeliefert und können über den virtuellen Desktop auch auf andere Ressourcen sowie das Intratet des Unternehmens zugreifen.

Amazon liefert den Desktop in vier Leistungsstufen zu unterschiedlichen Preisen. Mit Standard und Standard Plus bezieht ein Nutzer für 35 beziehungsweise 50 Dollar 1 virtuelle CPU (vCPU), 3,75 GB Arbeitsspeicher und 50 GB Storage. Mit Performance und Performance Plus bekommt der Anwender jeweils für 60 und 75 Dollar 2 vCPUs, 7,5 GB Memory und 100 GB Storage. In sämtlichen Bundles sind laut Amazon Adobe ReaderAdobe FlashFirefoxInternet Explorer 97-Zip, die Java Runtime Environment (JRE), sowie weitere Utilities enthalten. Die Angebote Standard Plus und Performance Plus bringen außerdem Microsoft Office Professional und Trend Micro Worry-Free Business Security Services mit. Das Storage liefert Amazon über den Speicherdienst S3. Amazon garantiert dafür eine 99,99 Prozentige Verfügbarkeit der Daten. Für weitere 15 Dollar können Anwender bestehende Lizenzen auf die virtuelle Umgebung übertragen.

Darüber hinaus integriert WorkSpaces auch ein bestehendes Active Directory, so dass die Mitarbeiter sich mit den gewohnten Nutzernamen und Passwörtern an den Dienst anmelden können. Eine Migrationshilfe für den Umzug von bestehenden Desktop-Anwendungen auf die virtuelle Infrastruktur nennt Amazon bislang nicht.

Nutzer von Amazon WorkSpaces bekommen wahlweise 1 oder 2 vCPUs, 3,75 oder 7,5 GB Arbeisspeicher und zwischen 50 und 100 GB Storage. Quelle: Amazon
Nutzer von Amazon WorkSpaces bekommen wahlweise 1 oder 2 vCPUs, 3,75 oder 7,5 GB Arbeisspeicher und zwischen 50 und 100 GB Storage. Für das Betriebssytem sieht das aus, wie eine herkömmliche Festplatte. Quelle: Amazon

Für Amazon bedeutet dieses Angebot einen neuen Schritt. Bislang hat sich Amazon vor allem darauf konzentriert, die Infrastruktur für Anwendungsentwicklungen zu liefern. Jetzt reicht Amazon bis zum Endnutzer. Und mit dem neuen Angebot liefert Amazon eine Umgebung für mobile Nutzer, die aber nach wie vor einen vollwertigen Desktop brauchen. Als weitere Use-Cases nennt Amzaon auch sichere Arbeitsplätze, die sich zentral verwalten lassen. Auch Studenten, Saisonale oder Teilzeitkräfte könnten auf diese Weise einen persistenten Arbeitsplatz bekommen. So könnte ein Berater zum Beispiel nach einem vollendeten Projekt einfach den WorkSpace terminieren. Und natürlich biete sich diese Form auch für externe Entwickler an. So können diese auf das Unternehmens-Netz zugreifen und dennoch sind Inhalte geschützt.

Es gibt bereits heute VDI-Lösungen. Doch die sind meist On-Premises und häufig mit hohen Kosten aber auch mit hohen Einstiegsinvestitionen verbunden. Über das Abo-Modell entfallen zumindest diese Einstiegskosten. Zudem kann Amazon die Kosten für eine On-Premises-VDI möglicherweise unterbieten. Allerdings kaufen sich Anwender auf dieses Weise natürlich auch die Risiken eines Cloud-Dienstes ein.

Nach wie vor ist DaaS, also Desktop-as-a-Service ein sehr Junger Markt. Citrix arbeitet im Projekt Avalon an dieser Technologie, Microsoft plant mit Mohoro einen Cloud-Desktop und erst vor wenigen Wochen hat sich der Virtualisierungspezialst VMware den Cloud-Desktop-Spezilisten Desktone gesichert. Desktone war bislang einer der interessantesten Anbieter in diesem Bereich. Nun zieht Amazon mit einem Angebot nach. Bei IaaS kann man Amazon getrost als Marktführer betrachten. Möglicherweise kann der Anbieter auch bei DaaS eine ähnliche Erfolgsgeschichte vollziehen.

“Die Bereitstellung ganzer Arbeitsplätze als Cloud Service ist kein Zukunftsthema mehr, und im Jahr 2015 dürfte bereits jedes achte Unternehmen Desktops aus der Cloud beziehen”, behauptet Dr. Andreas Stiehler Principal Analyst Connected Enterprise bei Pierre Audoin Consultants (PAC) und einer der Autoren der Studie “Future Workplace in Deutschland 2013 Strategien, Ziele, Handlungsbedarf“. Mit dem Eintritt Amazons könnte die PAC-Prognose vielleicht sogar schon vor dem Jahr 2015 Realität sein, der Markt scheint jetzt Fahrt aufzunehmen. Allerdings gibt es nach wie vor ungelöste Fragen für Cloud-Desktops. So stellt Microsoft zum Beispiel keine DaaS-Lizenzen für Windows bereit, was nach wie vor als einer der Kostentreiber bei VDI-Infrastrukturen gilt.

 

 

Martin Schindler schreibt nicht nur über die SAPs und IBMs dieser Welt, sondern hat auch eine Schwäche für ungewöhnliche und unterhaltsame Themen aus der Welt der IT.

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