Online-Handel und eCommerce als Gradmesser für ERP-Systeme

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Online-Handel und eCommerce stellen höchste Ansprüche an die verknüpften ERP-Systeme. Das gilt nicht nur für die nahtlose Integration in das Shop-System, sondern auch für Abwicklung von Retouren und Informationen aus der Lieferkette. Die Hersteller, die sich auf diese Branche spezialisiert haben, verfolgen dabe ganz unterschiedliche Ansätze.

Project Brazil: Microsoft stellt die Pläne um eine eigene E-Commerce-Plattform wieder ein.Bei Handelsunternehmen stehen Optimierung und Neueinführung von ERP-Systemen (Enterprise Resource Planning) an erster der Stelle der wichtigsten strategischen IT-Projekte. Laut einer Studie des EHI Retail Institute sehen mehr als die Hälfte der insgesamt 85 befragten Unternehmensentscheider darin mittelfristig die vordringlichste Aufgabe.

Diese Prioritätensetzung kommt nicht von ungefähr, denn was den ERP-Systemen im Online-Handel Handel abverlangt wird, geht über das Anforderungsprofil in anderen Branchen deutlich hinaus: “Die Katalogdaten müssen schnell eingespielt und geändert werden können”, sagt Professor Norbert Gronau, Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsinformatik und Electronic Government an der Universität Potsdam. Und: “Bestandsdaten müssen in Echtzeit zwischen Webshop (Frontend) und ERP-System abgeglichen werden.” Außerdem spiele das Tracing der Versandlogistik eine sehr große Rolle, ebenso wie spezielle Prozesse für die Abwicklung der Retouren.

Gronau sieht in ERP-Systemen für den Versandhandel “in gewissem Sinne technologische Trendsetter, weil sie mit den aktuellen Online-Technologien zusammenarbeiten müssen.” Das heißt: Aufgrund der raschen Weiterentwicklung der Web-Technologie, etwa der Internet-Standard HTML 5 und die Plattform Ajax, sind diese ERP-Systeme gezwungen, “Schnittstellen auf der Daten-, Applikations- und Oberflächenschicht” anzubieten, erläutert Gronau. Die Lösungen müssten daher ebenfalls auf aktuellen Technologien basieren, anders als Systeme, die nicht so stark mit dem Internet interagieren.

Laut Frank Niemann, Analyst beim Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC), gibt es mittlerweile ein breites Angebot sowohl an ERP-Software als auch an gehosteten und Cloud-Lösungen, die Versandhandelsprozesse unterstützen. Dabei erfüllen nicht alle Angebote die Anforderungen in gleichem Maße: “Unterschiede sehe ich zum Beispiel in der Fähigkeit der Systeme, individuelle Anpassbarkeit an die jeweilige Kundenbedürfnisse zu unterstützen”, sagt Niemann. Auch in puncto Integration in die bestehende Systemlandschaft sowie von Drittsystemen und Web-Services seien Abweichungen zu verzeichnen, ebenso in der Behandlung der Retouren.

In Stuttgart wurde vor einigen Wochen der Preis des ERP-Systems des Jahres in acht Kategorien vergeben, darunter der Bereich Versandhandel. Hier konnte Comarch den Wettbewerb für sich entscheiden, und zwar mit der Einführung seiner Lösung Comarch ERP Enterprise beim Online-Händler Kik24. Der Bewertung liegen Kriterien wie Einführungsmethodik, Funktionen, Ergonomie sowie Support, Technologie und Entwicklung zugrunde. Comarch hat KIK vor allem durch Multisite-Funktionen überzeugt, die es erlauben, nicht nur die Geschäftsprozesse eines Standorts einzubinden, sondern auch die weiterer Bereiche. Ausschlaggebend waren weiter die Verknüpfung von Shop und ERP-System, die automatisierten Lagerprozesse sowie die Abwicklung der Kundenrücksendungen.

Der zweite Platz im Wettbewerb ging an Actindo. Das Unternehmen aus dem Landkreis München bietet ERP-Lösungen aus der Cloud für E-Commerce-Anbieter. Dabei haben die Kunden die Wahl zwischen fünf modular aufgebauten Produktlinien – vom einfachen Actindo Commerce One bis zur Enterprise ERP-Suite. Die Unterschiede zwischen den Angeboten liegen im Funktionsumfang, in der Zahl der beinhalteten Bestelltransaktion und auch in der monatlichen Nutzungsgebühr. Die Lösungen bieten unter anderem eine Anbindung an die Marktplätze Ebay, Amazon, Shopgate und Mein Paket. Actindo spricht von über 1500 Unternehmen und Marken, die seine Lösungen nutzen, darunter Nivea und Milka.

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Godesys will Online-Händler mit dem Hinweis auf seine vollständig integrierte Anwendung Godesys ERP überzeugen. Sie decke alle Anforderungen an ERP, Kundenbeziehungsmanagement (CRM) sowie Lieferkettenmanagement (SCM) ab. “Handelsunternehmen sehen sich derzeit mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert”, sagt Godesys-Gründer Godelef Kühl. “Hierzu gehören eine wachsende Internationalisierung, steigender Wettbewerbsdruck und neue Technologien, aber auch eine Veränderung der Nutzungs- und Kundengewohnheiten.” Das neue Release Godesys ERP 5.5 sei im Hinblick auf diese Anforderungen entwickelt worden.