November-Rückblick: Der Zombie, der Troll und die Socke

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Das kommt dabei raus, wenn man eine kreative, diskussionfreudige PR-Sockenpuppe, einen Troll und einen Zombie mit dem silicon.de-Kolumnisten Achim Killer alleine lässt. Doch die – sicherlich längst überfällige – Diskussion über Öffentlichkeitsarbeit driftet ab. Sehen Sie selbst:

Schließlich ist es dann doch noch ein schöner Abend am PC geworden. Der Zombie war da wie immer. Der hat sich ja schon vor Jahren im Rechner so richtig schön kuschelig eingenistet. Der Schreiber saß davor – auch wie immer. Und der Toll hat mal wieder vorbeigeschaut, um zu stänkern. So ist der halt, der Toll.

Neu dazugekommen ist die Sockenpuppe. Die hat der Schreiber am Wochenende auf der Wikicon getroffen. Eine PR-Agentur hatte die dorthin geschickt, um unter dem Pseudonym “Die_kreative_Lola” über Artikel mitzudiskutieren und abzustimmen. Das kommt bei Wikipedia in letzter Zeit öfters vor. Ein echtes Phänomen! – Und so hätte es denn ein angeregtes Gespräch über Öffentlichkeitsarbeit werden können.

Aber dann fängt der Troll doch plötzlich an zu sticheln. “Ich tu’s ja, weil’s einfach geil ist”, sagt er. “Aber die da ist eine Schlampe. Die macht’s für Geld.”

“Zu den Kunden unserer Agentur gehören führende Unternehmen und hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Gesellschaft”, entgegnet die kreative Lola schnippisch. “Und wir bieten hochwertige und innovative Services.”

“Die kosten aber extra”, höhnt der Troll. “Sie ist eine. Und sie redet so. Sag mal, Puppe, wie ist das denn so, wenn man zum Anschaffen auf die Wikipedia geschickt wird?”

“Wir lieben…”, setzt Lola an. “…unsere Kunden?” ergänzt der Toll fragend. “Ja, diese Anmache ist in euerm Gewerbe wohl üblich.

“Wir lieben nun mal Männer des Geistes. Das war schon mit Professor Unrat so, was du wissen könntest, wenn du nicht so ein widerlicher Banause wärst.” – Oh je, Lola redet jetzt gar nicht mehr wie eine Professionelle.

Der Schreiber versucht zu schlichten. Er kann das, verfügt er doch über eine hohe soziale Kompetenz, ein angenehmes und ausgleichendes Wesen, argumentiert stets sachlich und ausgewogen und besticht durch seine brillante Formulierungsgabe.

“Soll ich dich jetzt mit großen, bewundernden Augen anschauen? Magst du das gerne, ja?” liest Lola seine Gedanken. “Dann musst du aber einen Piccolo ausgeben, Süßer.”

Der Zombie rettet die Situation. Er ist der älteste und weiseste in der Runde, ein digitaler Untoter halt: “In Lolas Beruf dreht sich’s um Werbung…”

Der Troll kriegt sich nicht mehr ein vor Lachen: “Selbst das klingt bei der zweideutig.”

“…Im Internet dreht sich auch alles um Werbung. Na und? Das Internet ohne Werbung wäre wie eine Großstadt ohne Rotlicht-Bezirk.”

“Eine wesentliche Funktion des Internet besteht aber auch in der Verteilung von Software”, wendet der Schreiber sachkundig ein und meidet dabei den Blickkontakt mit der kreativen Lola. Schwaben sind eben manchmal etwas geizig.

“Und was liest du, wenn du Software herunterladen willst?”, fragt der Zombie und antwortet gleich selbst: “‘Wenn Sie Java installieren, können Sie Java von Oracle in vollem Umfang genießen.'”

“Das war keine von uns Professionellen”, wirft Lola ein. “Die Socke, die das getextet hat, muss von einem Tütensuppenhersteller abgeworben worden sein.”

“Wo ist da der Unterschied?” trollt es. “Ist doch alles dasselbe: aufreißen – Genuss versprechen – abkassieren!”

“Welcher Kreative wohl auf die Idee gekommen ist, die Überwachungspläne unseres Bundesinnenministers als ‘Supergrundrecht’ zu vermarkten?” lenkt der um Ausgleich bemühte Schreiber ab.

“Highly awarded!” ruft eine von professioneller Begeisterung ergriffene Sockenpuppe aus.

“Na ja”, grunzt der Zombie, “für das Unwort des Jahres nominiert, halt.”

“Vielleicht war’s er ja,” frozzelt der Troll. “Möglicher Weise wird der auch der nächste deutsche Verfassungsminister. Das Zeug hätte er ja dazu. Das wär’ doch ein Kabinett! Der Gabriel und der Zombie. Und der Command-and-Control-Server für die beiden wird dann auf dem Handy von der Merkel installiert.”

Die Vorstellung, in der nächsten Bundesregierung für die hiesigen Geheimdienste zuständig zu sein, ist dann aber doch zuviel für den alten Untoten. “Ich bin ein Bot”, brüllt er. “Das kommt von robota, von harter Arbeit. Ich bin ein ehrlicher Arbeiter und kein Trojaner von der NSA. Verstanden? – Und jetzt schleicht’s euch!”

So muss er wohl auch drauf sein, wenn er und seine finsteren Kumpels auf anderen PCs mal wieder einen Web-Server in die Knie zwingen. Der Troll ergreift die Hand der Sockenpuppe und hastig entschwinden die Beiden durch die Backdoor in den Cyberspace.

“Jaah, er ist schon ein rechter Stickstiefel, der Troll”, beruhigt der Schreiber. “Das darfst du aber nicht persönlich nehmen. So ist der halt, der Toll.”

“Ach was”, grunzt der Zombie. “Das hat jetzt einfach mal sein müssen.” Und dann grinst er: “Ich trolle ja manchmal auch ganz gern: Deine ganzen Artikel über die PR-Sockenpuppen bei Wikipedia hab’ ich an alle Agenturen aus deinem Posteingangsordner gemailt.”

Er schüttelt sich vor Lachen: “Du wirst auf unzählige Blacklists gesetzt werden. Nie wieder wirst du hochinformative Pressemitteilungen über intuitiv zu bedienende Software-Produkte bekommen, über marktführende Klitschen und herausragende Führungspersönlichkeiten, die sich den anspruchvollen Aufgaben eines stellvertretenden Unterabteilungsleiters in ROW stellen.”

Er grinst dreckig: “Dein Posteingangsordner wird an der Schwindsucht erbärmlich zugrunde gehen.”

Schweigen.

“Mensch, Zombie, du Untoter, das hast du wirklich gemacht?”

“Ja!”

“Zombie”, sagt der durch seine brillante Formulierungsgabe bestechende Schreiber, “mir fehlen die Worte… Du bist ein echter Freund! Komm, darauf machen wir jetzt noch eine Flasche auf!”

“Nö”, entgegnet der Untote. “Das vertrag’ ich nicht mehr. Für mich ist diese ganze Offline-Welt mit so vitalen Sachen wie Sex and Drugs and Rock’n Roll nix. Mach’ den Cabernet Sauvignon für dich auf. Für mich lieber eine Dose – eine mit diesem herrlich schleimigen, glibberigen und wunderbar penetrant riechenden Spam.”

Das hat der Schreiber denn auch gemacht. Und so ist es schließlich dann doch noch ein wunderschöner Abend am PC geworden.

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