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Gehälter von Fach- und Führungskräften in der IT-Branche steigen weiter

Julia Zmitko_Kienbaum [1]Die Fach- und Führungskräfte in der IT-Branche profitieren von der ausgezeichneten Geschäftsentwicklung: Ihre Grundgehälter sind 2012 um 3,9 Prozent gestiegen – nach einem Plus von 4,5 Prozent im Jahr davor. Das geht aus der aktuellen Vergütungsstudie der Managementberatung Kienbaum hervor. Der Auswertung liegen die Vergütungsdaten von 3476 Positionen aus 233 Unternehmen zugrunde.

Dabei zeigen sich wenig signifikante Unterschiede zwischen den Segmenten Software, Hardware und IT-Services. “Lediglich die Vergütung der Spezialisten aus dem Bereich Hardware liegt circa 13 Prozent unter dem Schnitt”, sagt Julia Zmitko, Vergütungsexpertin bei Kienbaum. Das sei jedoch nicht auf das Geschäftsfeld zurückzuführen. Die Unterschiede beruhten laut Zmitko in erster Linie auf Faktoren wie Unternehmensgröße, Organisations- und Eignerstrukturen sowie unterschiedlichen Mitarbeiterqualifikationen.

Spitzenverdiener der Branche sind Mitarbeiter im Vertrieb: Während eine Führungskraft in der IT-Branche durchschnittlich 100.000 Euro im Jahr verdient, erhält ein Vertriebsleiter 126.000 Euro. Bei den Spezialisten ist der Abstand noch größer: Ein Key Account Manager bekommt eine Vergütung von 100.000 Euro; während sich zum Beispiel ein Systemprogrammierer mit 65.000 Euro zufrieden geben muss – ein Unterschied von 54 Prozent.

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Auf Leitungsebene ist vor allem die variable Vergütung für den Abstand etwa zum Leiter IT-Architektur oder dem Marketing-Leiter verantwortlich. “Betrachtet man die Grundvergütung dieser Positionen, lassen sich keine starken Unterschiede feststellen”, erläutert Zmitko.

So habe der Leiter Vertrieb eine Grundvergütung von 94.000 Euro, der Leiter Marketing bekommt 92.000 Euro und der Leiter IT-Architektur, Methoden und Werkzeuge erhalte 89.000 Euro. “Erst durch die bei allen Leitern des Vertriebs vorhandene variable Vergütung entsteht eine größere Diskrepanz in der Gesamtvergütung von über 20.000 Euro”, stellt Zmitko fest.

Die variable Vergütung gewinnt in der IT-Branche insgesamt an Bedeutung, unterstreicht Kienbaum: Nachdem 2011 schon 88 Prozent der Führungskräfte eine jährliche variable Vergütung bekamen, waren es im vergangenen Jahr bereits 91 Prozent. Bei den Fachkräften stieg der Anteil derjenigen, die eine Bonus-Zahlung erhielten, von 78 auf 84 Prozent.

Eine gute Ausbildung ist auch in der IT-Branche die beste Investition, wie die Studienergebnisse belegen. So verdienen Fach- und Führungskräfte mit Promotion deutlich besser als Mitarbeiter ohne Doktor-Titel: Promovierte Führungskräfte erhalten eine durchschnittliche Jahresvergütung von 116.000 Euro, ihre Kollegen mit Master- oder Magister-Abschluss an der Universität verdienen lediglich 105.000 Euro.

Bei den Spezialisten beträgt die Differenz knapp 20 Prozent: Fachkräfte mit Promotion bekommen im Durchschnitt 82.000 Euro im Jahr, Spezialisten ohne die wertvollen zwei Buchstaben und den Punkt vor dem Namen verdienen 68.000 Euro.

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Auch Zusatzqualifikationen wie Praktika und Auslandserfahrungen werden in der Regel mit einem überdurchschnittlichen Gehalt vergütet, so Zmitko. Und auch lebenslanges Lernen zahlt sich aus: “Eine Weiterbildung erhöht die Chance, in der Unternehmenshierarchie in höhere Führungsränge aufzusteigen und dort die besser dotierten Positionen zu besetzen”, betont Zmitko. “Zu den Spitzenverdienern zählen IT-Projektleiter, die eine Weiterbildung im Projektmanagement absolviert haben.”

Signifikante Unterschiede der Bezahlung von Männern und Frauen in der IT-Branche sieht die Vergütungsexpertin nicht: “Frauen sind in der IT-Branche stark unterrepräsentiert”, berichtet Zmitko. “So beträgt der Frauenanteil über alle Positionen hinweg lediglich 14 Prozent. In den Führungspositionen sind nur elf Prozent weiblich und innerhalb der Geschäftsführung sogar nur vier Prozent. Die vorhandenen, leichten Vergütungsunterschiede sind somit nicht zuletzt Ergebnis dieser Diskrepanzen.“

Insgesamt brauchen die Gehälter der Fach- und Führungskräfte von IT-Unternehmen in Deutschland einen europäischen Vergleich nicht zu scheuen.

IT-Topleute, die einen Blick über die Landesgrenzen werfen, um die dortigen Gehälter der IT-Branche unter die Lupe zu nehmen, finden laut Kienbaum wenig Gründe umzuziehen: “Im europäischen Vergleich gehören Großbritannien, die Schweiz und Deutschland zu den Spitzenverdienern”, sagt Zmitko. “Dies spiegelt sich auch in der IT-Branche wider.”