SAP: Fiori soll Nutzerfreundlichkeit verbessern

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Anbieter von Business Software widmen sich verstärkt der Nutzerfreundlichkeit ihrer Lösungen. Auch SAP will mit Fiori dem Anwender dem Umgang mit den Systemen angenehmer und leichter machen. Aus User-Sicht bleiben jedoch noch Fragen offen.

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Andreas Giraud, Technolgie-Vorstand der Deutssprachigen SAP Anwendergruppe DSAG sieht bei SAP-Nutzerschnittstellen einigen Nachholbedarf. Quelle: DSAG

“SAP-Nutzer waren, was die Oberflächen betrifft, bislang nicht verwöhnt”, stellt Frank Niemann, Vice President Software & SaaS-Markets beim Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC) fest.

Und auch die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) weiß Ähnliches zu berichten: “Die Rufe unserer Mitglieder nach einem ansprechenden User Interface (UI) sind über die Jahre immer lauter geworden”, sagt Andreas Giraud, Vorstand Technologie bei der DSAG. Das liege vor allem daran, dass Anwender aus ihrem privaten Umfeld an den einfachen Umgang mit Apps in Smartphones und Tablets gewöhnt seien und diesen auch zunehmend im Unternehmen forderten, so Giraud.

SAP hat die Hinweise offenbar verstanden  – und reagiert: “Die Wahrnehmung der Benutzerfreundlichkeit von SAP-Anwendungen ist deshalb so schlecht, weil rund 80 Prozent der Nutzer immer noch mit einer UI Technologie (SAP GUI) arbeiten die vor vielen Jahren entwickelt wurde”, sagt Andreas Hauser, globaler Leiter des SAP Design and Co-Innovation Center (DCC). Das liege vor allem an der langen Einführungsdauer einer neuen Benutzeroberfläche und dem damit verbundenen Aufwand, den   internationale Großunternehmen oft scheuen.

Mit SAP Fiori hat der Softwareriese seit Mitte des vergangenen Jahres ein Set von mittlerweile 190 Apps entwickelt, welche die am häufigsten genutzten Transaktionen der SAP-Lösungen jeweils abbilden. “Die Philosophie hinter Fiori lautet: ‘Einfachheit’ – Komplexität reduzieren, um Benutzern nur das an Funktionalität zur Verfügung zu stellen, was sie tatsächlich brauchen”, erläutert Hauser. “Wenn man die rund 300.000 SAP-Benutzeroberflächen und den Umgang damit im Unternehmen betrachtet, so wird deutlich, dass nur wenige sehr häufig benutzt werden. Diese hat SAP neu entwickelt mit dem Ziel, dass ein Kunde die neue Version schnell und einfach implementieren und von der Verbesserung der Benutzbarkeit profitieren kann.”

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Andreas Hauser, globaler Leiter des SAP Design and Co-Innovation Center (DCC) kennt die Nöte viele SAP-Anwender beim User-Interface. Er begründet die damit, dass viele Anwender nach wie vor mit Jahre alten Schnittstellen operieren. Quelle: SAP

Dabei orientiert sich Fiori bei Gestaltung und Benutzung an Sozialen Medien und großen Shopping-Portalen. Zu den Manager Apps gehören Funktionalitäten wie Genehmigung von Urlaub, Bestellungen sowie Reiseanträgen und –spesen. Angestellten stehen Apps für die entsprechenden Anträge zur Verfügung. Sales-Mitarbeiter können per App etwa Preis und Verfügbarkeit von Waren prüfen oder die Lieferung verfolgen.

Fiori ist bereits bei über 600 SAP-Kunden im Einsatz, darunter Nestlé, Colgate Palmolive und das Energieunternehmen Valero.

“Die Apps basieren auf HTML5-Technologie und laufen sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Endgeräten”, erläutert Hauser. “Sie lassen sich nachgewiesenermaßen im laufenden Betrieb innerhalb von wenigen Wochen einführen, wie das Beispiel Colgate-Palmolive zeigt.”

Ganz so euphorisch fällt die Bewertung von Fiori durch die DSAG freilich nicht aus: “Was es in erster Linie zu prüfen gilt, ist die technische Machbarkeit und damit verbunden der technische Footprint bei der Installation”, stellt Giraud fest. “Wie aufwendig und komplex ist dieser? Welche Abhängigkeiten müssen beachtet werden? Fallen Lizenzkosten an? Hier sind doch noch einige Fragen offen, für die wir Antworten von SAP benötigen.”

Fiori ist das Ergebnis von Gesprächen mit mehr als 250 Kunden, mit denen SAP unter Federführung von Sam Yen, Global Head of Design and User Experience,  eine User-Experience-Strategie erarbeitet hat. Diese Strategie geht deutlich über Fiori hinaus: “Unsere Design Services helfen unseren Kunden die Anforderungen ihrer Benutzer besser zu verstehen, die Benutzbarkeit von existierenden Lösungen zu verbessern oder gemeinsam mit Kunden neue innovative Lösungen zu gestalten”, führt Hauser aus. Und mit der Software SAP Screen Personas  könnten die Kunden auf einfache Weise die Benutzbarkeit von SAP GUI Oberflächen verbessern und damit die Produktivität ihrer Benutzer erhöhen.

SAP ist nicht das einzige Software-Unternehmen, das sich verstärkt Gedanken darüber macht, die User Experience zu verbessern, berichtet Niemann: “Infor etwa betreibt  in New York eine eigene Design-Agentur.” Die Anstrengungen in Walldorf werden jedenfalls von den Anwendern positiv gesehen – wenn auch eine gewisse Skepsis bleibt: “Klar ist, dass Fiori oder Screen Personas an der einen oder anderen Stelle sinnvoll eingesetzt und jeweils als Baustein für eine kundengerechte UX-Strategie gesehen werden können”, so Giraud. “Von einer Revolution bei der User Experience sind wir allerdings noch sehr weit entfernt.”