Ginni Rometty über IBMs “nähere Zukunft”

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Ginni Rometty wirbt um das Vertrauen der Anleger. Das Unternehmen will sich Schritt für Schritt aus der Abhängigkeit des Hardware-Geschäftes befreien und offenbar rechnet die IBM-Chefin auch mit einer kleinen Durststrecke für den Technologie-Riesen.

“Ich glaube, wenn Sie unsere Strategie verstehen, werden Sie unser Vertrauen in IBMs Perspektiven teilen – für die nähere Zukunft, für dieses Jahrzehnt und darüber hinaus”, schreibt IBM-CEO Ginni Rometty in einem jährlichen Brief an Aktionäre. An gleicher Stelle spricht sie darüber, dass Daten eine natürliche Ressource sind. Und hier sieht IBM offenbar auch die eigene Zukunft. Die langfristige Strategie IBMs basiert auf Cognitive Computing (Big Data und Watson), Cloud-Computing und dem Bereich Engagement vorgelegt. IBM, so Rometty, erfinde sich gerade neu.

Und beruhigende Worte tun sicherlich gut, angesichts der aktuellen Quartalszahlen, die ein schwächelndes Hardware-Geschäft belegen. Wann aber die neuen, von von Rometty genannten Geschäftsfelder Fahrt aufnehmen werden, ist derzeit noch nicht klar. Rometty sieht 2013 und wohl auch 2014 als Jahr des Übergangs. Eine Dividende soll die Aktionäre zusätzlich bei Laune halten.

Erste Säule von Romettys Konzept ist Cognitive Computing, vor allem in Form der neuen Watson-Abteilung mit 2000 Mitarbeitern, die gerade eine Milliarde an Investitionen erhalten hat. Allerdings ist der geschäftliche Wert von Watson bisher nicht belegt. Auch die Umsäte mit dem Supercomputer sind derzeit noch vergleichsweise überschaubar. Laut Wall Street Journal soll der Rechner bislang weniger als 100 Millionen Dollar Umsatz generiert haben.

Bei der zweiten Säule, dem Cloud-Computing, setzt Rometty stark auf SoftLayer, das IBM zu einem Cloudanbieter für Großunternehmen umrüstet. So will IBM hier etwa die Power-Server-Architektur als Service verfügbar machen. Rometty sieht IBM hier auch den führenden Anbieter von Hybrid-Cloud-Lösungen. Zusätzlich wolle IBM das Know-how im Bereich Middleware einbringen: Mit “Cloud-Middleware-Services”, Codename BlueMix, entstehe gerade ein ganzer Geschäftszweig. “Letzten Monat haben wir mehrere Möglichkeiten angekündigt, um Daten und Anwendungen in Unternehmen mit der Cloud in Verbindung zu bringen. IBMs vollständiges Angebot an Unternehmenssoftware wird innerhalb einer offenen, konfigurierbaren Geschäftsumgebung für Entwickler verfügbar, um flexible und skalierbare Anwendungen zu erstellen.”

Middleware-Portfolio als Service über die Cloud verfügbar. Quelle: IBM
Mit Projekt BlueMix macht IBM das Middleware-Portfolio als Service über die Cloud verfügbar. Marktbeobachter halten das für den bislang bedeutendsten Schritt von IBM in die Cloud. Quelle: IBM

Romettys dritte Säule sind “Systems of Engagement”, also Brückenschlag-Systeme, die Anwendern die Nutzung von Unternehmenssystemen erleichtern sollen. Als Ansatz sieht Rometty vor allem Dienste in den Bereichen Social, Mobile, Sicherheit und Software.

Bei der Umstellung ist Eile geboten: “Wir müssen eingestehen, dass die Ergebnisse 2013 nicht unseren Erwartungen entsprachen, auch wenn es ein wichtiges Jahr der Umgestaltung war. Unsere Betriebseinnahmen vor Steuern gingen um 8 Prozent zurück. Unser Umsatz 2013 war mit 99,8 Milliarden Dollar wie berichtet 5 Prozent niedriger – und ohne Währungsschwankungen um 2 Prozent. Während wir also die Mischung weiter zugunsten eines höheren Werts ändern, müssen wir uns auch um die Geschäftsbereiche kümmern, die uns bremsen.”

In einem ersten Schritt hatte IBM bekanntlich schon das wenig gewinnträchtige x86-Server-Geschäft an Lenovo veräußert. Auch die Power-Prozessor-Abteilung könnte der Umstellung auf Cloud-Computing zum Opfer fallen. Rometty zufolge will sich IBM außerdem stärker in Märkten mit starkem Wachstum engagieren.

Abschließend griff die IBM-Chefin das Thema Neuerfindung wieder auf. “Jede Generation bei IBM hatte die Möglichkeit – und meiner Überzeugung nach auch die Verpflichtung -, ein neues IBM zu erfinden. Jetzt ist unsere Zeit. Wir arbeiten daran, IBM in einer neuen Ära nicht nur zu einer erfolgreichen Firma, sondern zu einer wichtigen Institution für unsere Kunden und die Welt zu machen.”

[mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de]

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