Patches für die OpenSSL-Lücke Heartbleed

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Einige der wichtigsten Linux-Distributionen haben jetzt das Heartbleed getaufte SSL-Leck behoben. Über das Leck im flüchtigen Speicher eines Web-Servers konnten Angreifer sensible Informationen erbeuten.

heartbleed-206x250CentOS, DebianFedoraRed HatopenSUSE und Ubuntu haben inzwischen Patches für den zu Beginn der Woche bekannt gemachten Fehler in OpenSSL veröffentlicht. SUSE Linux Enterprise Server (SLES) war von dem “Heartbleed” getauften Bug nicht betroffen. Auch von OpenSSL gibt es seit dem 7. April mit der Version 1.01g ein Update.

Heartbleed, offiziell CVE-2014-0160, ermöglicht Zugriff auf den flüchtigen Speicher eines Webservers. Mit den Daten im Speicher könnten Angreifer kritische Informationen sammeln und den Server sogar gegenüber Dritten verkörpern, indem sie sich den Schlüssel des Originalservers verschaffen. Sie könnten auch Nutzernamen und Passwörter von Usern auslesen.

Da die fehlerhafte OpenSSL-Version 1.01 schon am 12. März 2012 veröffentlicht wurde, sind möglicherweise Millionen Websites für einen Angriff über die Lücke anfällig. Betroffen waren unter anderem auch so namhafte Seiten wie Yahoo, Imgur und OKCupid. Auch der Passwortmanager LastPass zählte laut Caschys Blog zu den Opfern.

LastPass hat laut eigenen Angaben das Leck nun ebenfalls behoben. Zu keinem Zeitpunkt habe Gefahr für die von Nutzern hinterlegten Passwörter bestanden, da diese vor dem Transport über OpenSSL verschlüsselt werden, kommentiert der Anbieter. Lediglich die Nutzer hätten somit Zugriff auf die Schlüssel.

Das Unternehmen hat bereits neu ausgestellte Zertifikate in Betrieb genommen. Außerdem arbeiten die LastPass-Server mit “Perfect Forward Secrecy“, womit sichergestellt ist, dass aus einem aufgedeckten geheimen Langzeitschlüssel nicht auf damit ausgehandelte Sitzungsschlüssel eines Kommunikationskanals geschlossen werden kann.

OpenSSL ist eine quelloffene und weit verbreitete Lösung für verschlüsselte Online-Kommunikation mit SSL/TLS via Apache- und Nginx-Webserver. Sie kann für HTTPS ebenso wie E-Mail- oder Messaging-Verschlüsselung verwendet werden. Schätzungen gehen davon aus, dass zwei Drittel, aller “abgesicherten” Websites den Heartbleed-Fehler aufweisen.

Was das Risiko noch erhöht, ist, dass inzwischen Proof-of-concept-Code im Umlauf ist, mit dem Script-Kiddies Angriffsversuche auf HTTPS-Webseiten starten können. Ob die eigene Website anfällig für solche Angriffe ist, lässt sich auf einer von Filippo Valsorda bereitgestellten Heartbleed-Testseite prüfen.

Auch angesichts täglicher Meldungen über Sicherheitslücken ist Heartbleed ein schweres und möglicherweise folgenreiches Problem für die Internet-Technik. Websites müssen aufwändig modifiziert werden, und eigentlich müsste jeder Besucher einer gefährdeten Site sein Passwort wechseln, weil es ja längst kompromittiert sein könnte. Analog müssten zahlreiche potenziell entwendete Sicherheitszertifikate zurückgezogen werden.

[mit Material von Björn Greif und Kai Schmerer, ZDNet.de]

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