Solardrohnen: Googles neues Geschäftsfeld

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Google sticht Facebook als Käufer eines Herstellers von Solar-betriebenen unbemannten Flugzeugen. Die Drohnen können bis zu fünf Jahre in der Luft bleiben.

Google nicht nur Ballons nutzen, um das Internet auch in abgelegene Gebiete der Erde zu tragen. Jetzt kauft Google auch den Drohnenhersteller Titan Aerospace. Auch Facebook hatte an dem US-Unternehmen Interesse gezeigt. Beide IT-Unternehmen scheinen damit die Idee zu verfolgen, das Web global verfügbar zu machen, um damit neue Nutzer für ihre Dienste zu gewinnen.

Titan Aerospace und Google bestätigten die Übernahme, nannten aber keinen Kaufpreis. Als im letzten Monat Kaufverhandlungen zwischen Facebook und dem Drohnenhersteller bekannt wurden, war von einer Summe von 60 Millionen Dollar die Rede. Laut Wall Street Journal bot Google jedoch an, jede mögliche Kaufofferte von Facebook zu überbieten. Das Social Network wich daraufhin aus und legte sich für 20 Millionen Dollar Ascenta zu, einen kleineren britischen Hersteller unbemannter und ebenfalls solarbetriebener Fluggeräte, um dessen Experten in das Connectivity Lab zu integrieren.

Solera 50 von Titan Aerospace hat eine Flügelspannweite von rund 50 Metern und kann bis zu fünf Jahre in der Luft bleiben. (Bild: Titan Aerospace).
Solera 50 von Titan Aerospace hat eine Flügelspannweite von rund 50 Metern und kann bis zu fünf Jahre in der Luft bleiben. (Bild: Titan Aerospace).

Die Drohnen von Titan können bis zu 5 Jahre in der Luft bleiben. Sie begeben sich dazu nahezu in eine Umlaufbahn, weshalb das Unternehmen auch von “Satelliten für die Atmosphäre” spricht. Erstmals vorgestellt wurden sie letztes Jahr. Als Einsatzzwecke kommen Wetterforschung und -überwachung, Katastrophenschutz, Luftbildaufnahmen sowie Kommunikationsdienste in Betracht.

Titan Aerospace baut zwei Drohnenmodelle in Libellenform, von denen schon das kleinere Solera 50 über eine größere Flügelspannweite als eine Boeing 767 verfügt. Die rund 20 Mitarbeiter sollen weiterhin im US-Bundesstaat New Mexico tätig sein. CEO bleibt Vern Raburn, der einst die Symantec-Sparte für Verbraucherprodukte leitete.

Das Unternehmen sieht sich noch am Anfang hinsichtlich der kommerziellen Nutzung seiner Drohnen. Google erklärte, die Technik könnte insbesondere für Luftbildaufnahmen eingesetzt werden und dafür, entfernte Regionen mit Internetzugang zu versorgen. Es kündigte außerdem an, dass Titan eng mit dem Project Loon zusammenarbeiten wird. Dieses Projekt aus dem Forschungslabor Google X sieht einen Ring von Ballons vor, die von stratosphärischen Winden rund um die Erde getragen werden. Sie sollen ländliche, entlegene und unterversorgte Weltregionen verbinden. Nach Naturkatastrophen könnten sie helfen, die Kommunikationswege offenzuhalten.

Titan könnte außerdem mit Makani Power zusammenarbeiten, einer bereits vor einem Jahr übernommenen und ebenfalls in den Forschungsarm Google X integrierten Firma. Makani will mit fliegenden Windturbinen Energie gewinnen und lässt sie ähnlich wie Drachen in der Luft fliegen, sichert sie aber mit einem Seil am Boden. Es will damit die beständigen Winde in größerer Höhe nutzen und besonders effizient Energie erzeugen.

[mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de]

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