Apples Beats-Übernahme stößt auf geteiltes Echo bei Analysten

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Die Akquisition begrüßen einige Analysten, andere kritisieren die ausbleibenden Innovationen von Apple. Der Großteil zeigt sich von der hohen Gewinnspannen der High-End-Kopfhörer von Beats Electronics beeindruckt. Sie glauben, dass der Streamingdienst Beats Music großes Potential besitzt, aber für Apple dennoch zu klein ist.

Die Reaktionen der Wall-Street-Analysten auf die Beats-Übernahme durch Apple fallen unterschiedlich aus. Einige begrüßen sie, während andere skeptisch sind und die ausbleibenden Innovationen von Apple kritisieren. Der iPhone-Hersteller übernimmt den High-End-Kopfhörer-Hersteller Beats Electronics und den Streamingdienst Beats Music für 2,6 Milliarden Dollar in bar sowie 400 Millionen Dollar in Apple-Aktien.

Die Beats-Gründer Jimmy Iovine (links) und Dr. Dre (zweiter von rechts) sollen führende Positionen bei Apple übernehmen (Bild: Apple).
Die Beats-Gründer Jimmy Iovine (links) und Dr. Dre (zweiter von rechts) sollen führende Positionen bei Apple übernehmen (Bild: Apple).

Wie CEO Tim Cook in einem Schreiben an die Apple-Mitarbeiter mitgeteilt hat, übernehmen Beats-Gründer Jimmy Iovine und Dr. Dre führende Positionen bei Apple. Zudem bringen sie eigene Mitarbeiterteams mit. Die Services-Sparte von Eddy Cue gliedert Beats Music ein. Die Kopfhörer sowie Lautsprecher von Beats Electronics sollen dem Bereich von Apples Marketingchef Phil Schiller angehören. Wie Eddy Cue, Senior Vice President für Internet Software und Services bei Apple, erklärt, bleibe Beats Music als eigenständiger Streamingdienst bestehen und stehe auch weiterhin als App für Android sowie Windows Phone zur Verfügung.

Ohne Vorbehalte befürwortet der Analyst von Morgan Stanley die Milliardenakquisition. Seiner Ansicht nach sei sie ohne große Risiken verbunden und verspreche eine potentiell hohe Rendite. Die Bewertung von Beats halte Morgan Stanley für berechtigt, da es ein 30-prozentigen Umsatzwachstum aufweise und möglicherweise Apples Gewinnspanne übertreffe. Darüber hinaus könnte die Verbindung mit Apples weltweitem Vertriebsnetz für weiteres Wachstum sorgen. “Der Musikabodienst könnte aus dem Kauf einen Volltreffer machen”, schreibt der Analyst des Bankhauses. “Apple glaubt, dass Beats die richtige Strategie für Musikstreaming anbietet, da es sowohl Algorithmen als auch 200 Mitarbeiter für die Schaffung von Playlists einsetzt, womit es sich von den Wettbewerbern abhebt.”

RBC Capital Markets äußert sich ähnlich positiv über das Geschäft. Als Gründe führt es an, dass Apple einen führenden Streamingdienst sowie ein lukratives Hardwaregeschäft mit einer geschätzten Gewinnspanne von über 70 Prozent übernehme. Allerdings sei ebenfalls entscheidend, dass die Beats-Gründer führende Positionen bei Apple erhalten sollen. “Aus unserer Sicht könnten sich die neuen Mitarbeiter bei der Strategie für iTunes und Musik nützlich machen – und hier sah es in letzter Zeit nicht mehr so glänzend aus. Bemerkenswert ist, dass Iovine einer der ersten Manager der Musikbranche war, der den Rückgang des Download-Geschäfts vorhersah und Abonnements sowie Streamingdienste für die Zukunft befürwortete.”

Nicht so positiv sieht Wells Fargp Securities die Übernahme. Zwar habe Apple aufgrund der historischen Erfolge “einen gewissen Vertrauensvorschuss”, allerdings sieht es die musikbezogene Übernahme als defensiv an. Der iPhone-Hersteller solle sich auf “offensivere Werte zu konzentrieren, um sich in eine bessere Position zu bringen”. Der Wells-Fargo-Analyst ist hinsichtlich des Beats Premium-Kopfhörergeschäfts mit seinen hohen Spannen der Meinung, dass die Übernahme eine kurzsichtige Anstrengung sei, um die Umsätze mit Zubehör zu steigern. Der Musikdienst andererseits verspreche zwar potenzielle Werbeeinnahmen, aber Beats habe nicht die von Apple benötigte Größenordnung. “Und ganz ehrlich, auf Apps und herkömmliche In-App-Bannerwerbung zu setzen, das ist nicht die Differenzierung und Innovation, die wir hier von Apple erwarten.”

Der International Strategy & Investment Group (ISIG) zufolge beträgt der Kaufpreis wenig mehr als 2 Prozent von Apples Barvermögen. Allerdings sehen ihre Analysten in der Übernahmevereinbarung etwas, das ihnen “Kopfzerbrechen bereitet”. Der aufkommende Musikabodienst von Beats habe jedoch das Potential, Apples iTunes Radio mehr Schubkraft zu geben.

ISIG empfiehlt Apple außerdem, die Baupläne für seine “Raumschiffzentrale” zu überarbeiten. Immerhin sollen sich auch die neuen Mitarbeiter aus der Musikbranche dort dauerhaft wohlfühlen. Dabei rufen sie das erste Solo-Album von Beats-Mitgründer Dr. Dre in Erinnerung. Es wurde 1992 veröffentlicht und spielte mit seinem Slang-Titel “The Chronic” auf besonders starkes Marihuana an. Obwohl medizinisches Marihuana in Kalifornien seit 1996 gesetzlich erlaubt ist, sei in Apples neuer Zentrale jedoch keine Ausgabestelle für medizinisches Marihuana vorgesehen. Apple sei daher anzuraten, “seine Baupläne nochmals zu überprüfen”.

[mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de]

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