EMM-Markt: Noch immer vieles verbesserungswürdig

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In einer aktuellen Studie wirft Gartner einen Blick auf den EMM-Markt: Fazit: Noch sind die Produkte unvollkommen. Anwender sollten sich bei der Auswahl nicht einseitig auf die Leader stürzen – oft, so Gartner, sind sie mit einem Nischenanbieter unter Umständen günstiger und besser bedient.

Laut Gartner sollen es nicht immer unbedingt die Marktführer sein, die eine passende Enterprise Mobile Management für einen Anwender liefern können. Quelle: Shutterstock
Laut Gartner sollen es nicht immer unbedingt die Marktführer sein, die eine passende Enterprise Mobile Management für einen Anwender liefern können.

In der aktuellen Analyse des EMM-Marktes setzt Gartner die jüngst von VMware übernommene Airwatch und Mobileiron in Spitzenpositionen- Weiter finden sich unter den leadern Good Technology, IBM, Citrix und Soti. Insgesamt wurden 14 Unternehmen in die Untersuchung aufgenommen.

Viele blieben draußen, weil sie, so Gartner, die spezifischen Anforderungen in einem oder mehreren Teilgebieten nicht erfüllten – darunter auch Aspiranten, deren Auftauchen man eigentlich selbstverständlich erwarten würde. Ein prominentes Beispiel dafür ist Microsoft. Gartner beurteilt Microsofts Enterprise Mobility Suite, eine Kombination aus dem Device- und Applikationsmanager Windows Intune mit zwei Azure-Komponenten (Rechtemanagement und Active Directory Premium) als vielversprechend. Es fehle aber bisher an einer ausreichenden Menge an Kunden, zudem müsse der Hersteller erst noch beweisen, dass er auch mit den EMM-Anforderungen von Großunternehmen zurechtkomme.

Aus Gartners Untersuchung herausgefallen sind auf diese Weise auch viele der Unternehmen, die silicon.de in Phase 1 der EMM-Marktuntersuchung vorstellte, beispielsweise Cortado und Seven Principles, wahrscheinlich, weil sie noch zu klein sind oder keine ausreichende geografische Abdeckung aufweisen.

Führend: Airwatch und Mobileiron

Airwatch halten die Analysten vor allem die Vielfalt an Enterprise-Installationen in allen Branchen zugute, die davon zeugt, dass das Produkt in der Praxis funktioniert. Weitere Pluspunkte sind einfache Bedienung (Wizards) und schnelle Innovation, zum Beispiel bei neuen Releases von Mobil-Betriebssystemen. Moniert werden von Kunden reklamiete Probleme mit einzelnen Komponenten und weniger häufige Updates für On-Premise-Anwender.

Bei Mobileiron betont Gartner den sehr positiv bewerteten Kundendienst und die zertifizierte Managementqualität der Applikation. Zudem könne der Hersteller als einziger in Echtzeit aus dem Hintergrund auf iOS zugreifen. Kritisch sieht Gartner den Appliance-basierenden Ansatz des Herstellers und die Unterstützung durch eine begrenzte Zahl von Android-Anbietern durch Bereitstellung ihrer APIs. Für deutsche Anwender ist sicherlich ein Negativ-Kriterium, dass die Mobileiron-Verwaltungskonsole ausschließlich in Englisch angeboten wird.

Gartner sieht den EMM-Markt in einer rapiden Entwicklung. Wie andere Marktforschungsunternehmen, etwa Experton Group (Enterprise-IT-Trends 2014), ebenfalls konstatieren, erkennen CIOs zunehmend die Potentiale mobiler Technologien und priorisieren sie entsprechend. Ein Pferdefuß seien dabei  aber die Themen Datenschutz und IT-Sicherheit, weshalb das integrierte Zugangsmanagement wichtiger werde. Viel Raum für Verbesserung bieten, so Gartner, die Themenbereiche Applikations- und Datenmanagement.

EMM wird Kerndisziplin des Enduser-Computing

Insgesamt geht Gartner davon aus, dass sich EMM von einer Spezialdisziplin in den Händen der Telekom, Messaging- oder Anwendungsverantwortlichen zu einem zentralen Thema des Enduser-Computing entwickelt. Es pflege, so Gartner, einen eher holistischen Blick auf die Dinge und stelle daher andere Anforderungen. Zukünftig prognostiziert Gartner besonders solchen Anbietern große Erfolgschancen, die bei den für das Endanwender-Computing Zuständigen bereits einen guten Ruf haben.

Insbesondere werde die derzeit übliche Kombination von Applikation und Managementfunktionen in einem “Container” anderen Konzepten weichen. Denn sie zwinge Unternehmen dazu, bestimmte Tools für bestimmte Applikationen zu kaufen. EMM-Anbieter müssen deswegen beispielsweise in E-Mail-Applikationen Managementfunktionen einbauen, die eigentlich das Betriebssystem bereitstellen sollte, was aber heute weder iOS noch Android tun. Allerdings beginne dies sich zu ändern, indem die Betriebssystem- und Geräteanbieter entsprechende Funktionen integrieren.

Vorläufig aber, so Gartner, werde Mobile Application Management wichtig bleiben, um Sicherheitsfunktionen bereitzustellen. Auch in Umgebungen mit mehreren Betriebssystemen, etwa BYOD-Umgebungen, werde sich die Technologie länger behaupten.

EMM via SaaS (Software as a Service) setze sich weiter durch. Derzeit beziffert Gartner den Anteil von EMM als Softwareservice mit 20 Prozent, wobei der Markt wächst. Ein Grund dafür sei, dass Online-Services von den Anbietern häufiger aktualisiert werden – mindestens einmal monatlich. Mit solchen Update-Zyklen sei die interne IT-Abteilung häufig überfordert.

Das Thema Daten- und Identitätsmanagement wird, so meinen die Marktforscher, in den nächsten Jahren stärker in den Mittelpunkt rücken. Nicht mehr das Endgerät werde dann als Mittel zum Schutz und zur Verwaltung der Daten gesehen werden, sondern Technologien wie Digital Reights management (DRM) oder integriertes Zugangsmanagement (IAM). Nur so lässt sich schließlich sicherstellen, dass Daten zuverlässig geschützt werden, wenn sie die Grenzen des Unternehmens überschreiten.

Konvergenz zum universellen Endpoint-Management

Gartner beschreibt die voraussichtliche Konvergenz des Endpoint-Management als Prozess mit drei Phasen oder Wellen. Die erste umfasse separate Werkzeuge für das Mobile- und PC-Client-Management. Hier, so Gartner, stehen die meisten Organisationen noch heute. Die zweite Phase sei dadurch gekennzeichnet, dass immer mehr Hersteller Werkzeuge anbieten, mit denen sich beide Welten verwalten lassen.

Da aber viele Unternehmen bereits gesetzte Client-Management-Systeme nutzten und deren Mobile-Erweiterungen nicht immer den Erwartungen der Anwender entsprechen würden, gebe es viele Anwender, die wohl von Phase 1 gleich zu Phase 3 übergehen. Diese beschreibt Gartner als echte Konvergenz. Hier werden überkommene Client-Management-Tools nicht mehr länger gebraucht, weil Anwender nicht mehr auf Windows-Anwendungen angewiesen sind.

Ob diese Phase erreicht wird, hängt also davon ab, ob Windows-Anwendungsinfrastrukturen tatsächlich flächendeckend von App-Infrastrukturen auf mobiler Basis abgelöst werden und ist entsprechend unsicher. Denn noch sitzt Microsoft fest im Sattel und ist für Überraschungen gut. Doch Gartner sieht die vereinheitlichte Endpoint-Welt ohnehin erst in fünf bis sieben Jahren, falls sie denn kommen sollte.

Anwendern, die sich in der heutigen Welt orientieren und ein EMM-Produkt auswählen müssen, rät Gartner aufgrund der Differenziertheit der Produkte, zunächst klar die Anforderungen (etwa unterstützte Plattformen, Applikationen, Sicherheitsbedarf etc.) zu definieren und dann eine Auswahlliste möglicher Hersteller zu schreiben. Dazu gehöre auch die Entwicklung aller in Frage kommenden Nutzungs- und Anwendungsszenarien, die für das jeweilige Unternehmen sinnvoll und typisch sein könnten.

Ausdrücklich warnt Gartner davor, Anbieter nur deshalb in Betracht zu ziehen, weil sie im Leaders-Quadraten von Gartners Magic Quadrant vorkommen. Produkte von Unternehmen, die es vorzögen, dem Markt zu folgen, können sehr wohl der einfachere und billigere Weg sein, einen bestehenden Bedarf zu befriedigen. Das scheint logisch: Solche Firmen stecken zwar nicht so viel Geld in die Entwicklung innovativer Features, verlangen aber von ihren Kunden auch nicht, diese Entwicklungsarbeiten über den Preis von Produkten und Beratung zu finanzieren. Typische Nischenplayer sind aus der Sicht von Gartner Landesk, Tangoe, Absolute Software und Globo.