Von Schildkröten und Touchscreens

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Schildkröten lernen Tablets zu bedienen und das im Dienste der Wissenschaft. Und weil Schildkröten ein fundamental anderes Gehirn als Menschen haben, eigenen sie sich besonders als besonders kaltblütiges Studienobjekt.

Dr. Anna Wilikonson. Quelle: Universität Lincoln.
Dr. Anna Wilikonson beschäftigt Schildkröten mit Touchscreens. Quelle: Universität Lincoln.

Dr. Anna Wilkinson hat zwei Köhlerschildkröten. Das Besondere daran ist, dass diese ansonsten in Mittel- und Südamerika beheimateten Reptilien einen Touchscreen bedienen können. Mit der Studie wollte die Wissenschaftlerin der School of Life Science der Universität Lincoln belegen, dass es möglich ist, den Reptilien Navigationstechniken beizubringen.

Dr. Wilkinson wollte herausfinden, in wie weit sich Reptilien wie die Schildkröte beim Erkunden der Umgebung von Hinweisen leiten lassen. “Schildkröten sind ein perfektes Studienobjekt, denn sie gelten seit Millionen Jahren als weitgehend unverändert”, erklärt Wilikinson. “Und diese Studie ist insofern wichtig, weil wir damit mehr über die Evolution des Geistes und der Entwicklung der Kognition erfahren können.”

Die ersten Schritte für diese Studie hatte Wilkinson an der Universität Wien gemacht. Die Schildkröten bekamen eine Belohnung, etwa eine Erdbeere, wenn sie blaue Kreise auf dem Touchscreen betrachteten, sich ihnen näherten und dann mit ihrer Nase darauf “klickten”.

Und Esme und Quinn hatten dann diese Erfahrung auf eine reale Situation übertragen. Diese Schildkröten wurden dafür vor zwei leere Futterschüsseln gestellt. Eine der beiden Schüsseln hatte die gleichen Punkte, mit denen sie zuvor auf dem Touchscreen trainiert hatten.

“Ihre Aufgabe war, sich einfach zu erinnern, wo sie eine Belohnung bekamen, als sie am Touchscreen ein einfaches Reaktionsmuster lernten. Und sie haben das, was sie am Touchscreen gelernt haben dann in eine reale Situation übertragen”, so Wilkinson. Aus dem Verhalten ihrer beiden Schildkröten schloss sie, dass Reptilien also nicht nur auf motorisches Feedback achten, sondern auch Stimuli aus der Umgebung aufnehmen und lernen können.

Dabei habe sich der Touchscreen als perfektes Werkzeug erwiesen. “Ein großes Problem dabei ist, allen Tieren eine eine Frage zu stellen, die sie alle gleichermaßen beantworten können. Der Touchscreen ist eine brillante Lösung, mit der alle Tiere interagieren können, egal ob mit der Pfote, Nase oder mit einem Horn. Damit können wir verschiedene Kognitive Fähigkeiten vergleichen.”

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