Im Interview: Jonathan Wisler von Softlayer

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Jonathan Wisler, General Manager für die Region EMEA bei der IBM-Tochter Softlayer, glaubt, dass für den Erfolg eines Unternehmens nicht zuletzt die Entwickler entscheidend sind. Gleichzeitig versucht Softlayer vor allem den Bedürfnissen großer Unternehmen gerecht zu werden und dabei spielt auch der Ort, an dem die Daten gespeichert sind, eine große Rolle.

Jonathan Wisler, General Manager bei Softlayer EMEA. Quelle: Softlayer
Jonathan Wisler, General Manager bei Softlayer EMEA. Quelle: Softlayer

silicon.de: Hallo Herr Wisler, vor einigen Wochen habe ich über das IBM-Projekt BlueMix getitelt: IBMs bisher größter Schritt in die Cloud. Zunächst einmal, was kann man sich denn genau unter dem Projekt BlueMix vorstellen und welche Rolle kommt dabei SoftLayer zu?

Wisler: BlueMix ist ein PaaS-Angebot von IBM, das seit dem 1. Juli verfügbar ist. Auf den Punkt gebracht, BlueMix ist eine Entwickler-Toolbox – eine Umgebung für Entwickler, die es ihnen mit einem Katalog von Anwendungen ermöglicht, sich in rasantem Tempo durch den Entwicklungszyklus zu bewegen. In der Praxis sind Software-Entwicklungsteams also nicht mehr gezwungen durch langwierige Beschaffungsprozesse gehen, sie können noch am gleichen Tag mit der Arbeit beginnen und bezahlen genau für das, was sie verwenden – ohne lange oder teure Verträge und mit der Möglichkeit, Projekte jederzeit einfach in der Größe anzupassen.

Zum Beispiel können Sie eine Ruby on Rails-Anwendung nehmen und sie mit einer DB2-Datenbank verbinden, wodurch die Infrastruktur automatisch eingesetzt wird.

Dies ist Teil der Gesamtstrategie von IBM, zu einem der größten Cloud-Plattform-Anbieter in der Welt zu werden, einschließlich der PaaS-und SaaS-Fähigkeiten. Es zeigt auch die strategische Partnerschaft zwischen IBM und SoftLayer, da IBM die BlueMix-Plattform auf der SoftLayer-Infrastruktur entwickelt hat. Aus der Sicht eines Entwicklers wird SoftLayer nicht gesehen nur die Infrastruktur skaliert unter der Plattform.

silicon.de: Würden Sie diese Aussage, die vom New York Times Journalisten Qentin Hardin stammt, unterschreiben, ist das wirklich der entscheidende Schritt?

Wisler: Wenn Sie in der IT brillieren wollen, müssen Sie die Entwickler auf Ihrer Seite haben, weil mittlerweile 85 Prozent der Anwendungen “Cloud ready” gebaut sind, also wurde BlueMix entwickelt um diese neue Welle von Cloud-Anwendungen zu nutzen. Sie werden buchstäblich in der Cloud gebaut.

Cloud- und Mobile-Plattformen brauchen, um effektiv zu arbeiten, eine gute Infrastruktur. Das ist der Grund, warum die 1,2 Milliarden US-Dollar an Investitionen in SoftLayer so wichtig ist für IBMs Strategie im Hintergrund.

silicon.de: Oft sind die Entwickler maßgeblich für den Erfolg einer Plattform. IBM integriert mit der neuen PaaS-Lösung auch das integrierte Tool DevOps? Worin unterscheidet sich DevOps von anderen Tools?

Wisler: IBM arbeitet an einer offeneren Open-Cloud als die derzeitigen Modelle die Google oder Amazon anbietet. Man beachte bei BlueMix, dass es auf offenen Standards basiert, in dem IBM Software-Produkte neben Open-Source-Produkten von Drittherstellern verfügbar sind. Es ist auch auf Cloud Foundry gebaut, das selbst Open-Source ist.

silicon.de: IBM investiert Milliardenbeträge in den Ausbau von Rechenzentren. Doch damit alleine kann man noch keine Anwender gewinnen. Vielmehr wollen Unternehmen auch in der Cloud künftig eine gewisse Unabhängigkeit, nicht zuletzt auch aus Gründen des Investitionsschutzes. Wie kann IBM das sicherstellen. Wird hier auf offene Standards gesetzt?

Wisler: Es geht hier nicht nur um Rechenzentren, sondern um das Netzwerk, das wir knüpfen. Es ist wirklich ein Cloud-Modell in dem Sinne, dass die Kunden das bezahlen, was sie verwenden. Wir halten unsere Kunden durch ständige Innovation und bieten eine Hochleistungsumgebung.

SoftLayer war immer Technologie-“agnostisch” – das heißt wir bedienen stets die Kundenanforderungen, verwenden konsequent OpenStack und bauen eine wirklich offene Plattform auf. Wir haben eines der umfangreichsten API-Programme auf dem Markt, konzipiert für Flexibilität, einfache Integration in die Infrastruktur-Management-Tools und zur Vermeidung von Herstellerabhängigkeit (vendor lock-in). Wir möchten den Kunden Freiheiten geben anstatt sie auf spezifische Software-Pfade zu zwingen und erfüllen somit die Anforderungen des Marktes.

silicon.de: Nochmal zurück zum Ausbau der Infrastruktur: Auch im Zeitalter der Cloud spielt Regionalität nach wie vor eine große Rolle, warum?

Wisler: Ein Teil der Expansionsstrategie von SoftLayer ist es, verbesserte Leistung sicherzustellen und dass wir so nah an unseren Kunden wie möglich sind um die Latenzen zu vermeinden und Redundanzen zu verbessern. In diesem Monat haben wir ein Rechenzentrum in London eröffnet, ein weiteres in Frankfurt wird noch in diesem Jahr folgen. Die Eröffnung dieser Rechenzentren stärkt und verbessert unsere Leistung in diesen Regionen und darüber hinaus.

Auch aus Gründen des Datenschutzes wollen wir Kunden die Möglichkeit bieten zu wählen, wo ihre Daten sich befinden, und sicherzustellen dass sie in ihrem Markt gesetzeskonform sind.

Die SoftLayer-Plattform ermöglicht es Kunden zu sehen, wo die Daten tatsächlich gespeichert sind; sie werden nicht etwa zufällig hinterlegt und bewegt wie bei unseren Konkurrenten. Unsere Kunden haben die volle Kontrolle, wenn also jemand eine Datenprüfung durchführen will, ist es wirklich einfach und unkompliziert, ihre Daten zu lokalisieren. Wir können tatsächlich den spezifischen Server und die Zeile ausfindig machen und sind in der Lage, einen Prüfenden tatsächlich zu dem entsprechenden physischen Gerät zu führen. Dieser transparente Ansatz hilft unseren Kunden sehr dabei “ruhig zu schlafen” – sie wissen, dass ihre Daten in sicheren Händen sind.

silicon.de: Auch wenn IBM mit großen Schritten aufholt ist doch derzeit Amazon klarer Marktführer. Was aber zeichnet IBM/SoftLayer vor den Angeboten der Konkurrenten aus?

Wisler: SoftLayers Konzept ist zwar eher regional, aber auf globaler Ebene. Eines unserer wichtigsten Unterscheidungsmerkmale ist, dass SoftLayer dezidierte Maschinen zur VM Speicherung hat wo Konkurrenten wie Amazon nur VM und Lagerung verkaufen. Dies bedeutet, dass die Kunden wirklich eine private “off-premise private cloud” in der SoftLayer-Umgebung kreieren können, in einem von SoftLayer kontrollierten Netzwerk.

Die Tatsache, dass wir dedizierte Server anbieten – etwas das unsere Mitbewerber nicht bieten können – schafft letztlich die Grundlage für unser Angebot einer Cloud auf Unternehmensniveau.

Unsere globale Präsenz ist einzigartig im Vergleich zu Google und wir haben zudem eine bessere regionale Präsenz als sie. Obwohl wir also eine globale Plattform und ein globales Netzwerk sind, können die Kunden trotzdem in ihrem eigenen Netzwerk vor Ort bleiben und es kontrollieren. Mit Google laufen Kunden beispielsweise Gefahr, dass ihre gespeicherten Daten je nach vorhandenem Platz rund um den Globus bewegt werden – eine Tatsache, die Unternehmen in einigen Fällen in Schwierigkeiten gebracht hat. Mit SoftLayer erhalten Sie immer ein Cloud der Enterprise-Klasse mit hoher Leistung und einem hohen Maß an Privatsphäre und Sicherheit, etwas das andere Anbieter einfach nicht bieten können.

silicon.de: Herr Wisler, wir danken für das Gespräch.

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