Wann lohnen sich Managed Testing Services?

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Mindestens ein Drittel der Budgets von SAP-Projekten fließt in die Qualitätssicherung. Das bindet nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch viele Nicht-IT-Mitarbeiter aus den Fachabteilungen. Bietet das Testen von Software in Form von Managed Service in der externen Testfabrik einen Ausweg? Und wann und für wen machen sich diese Angebote wirklich bezahlt?

Die Bedeutung des Testens von SAP-Systemen wird vor allem im IT-Betrieb (Run) weiter zunehmen. Denn sei es bei den regelmäßigen SAP-Updates und -Patches oder kleineren Änderungen: Ein sich verkürzender Time-to-Market fordert geringere Durchlaufzeiten und eine Entlastung der Fachbereiche. Dies funktioniert nur, wenn das dabei immer notwendige Software-Testen möglichst schnell und effizient über die Bühne geht.

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Dem entgegen steht die Tendenz vieler Unternehmen, sich entweder nur auf SAP-Einführungsprojekte zu fokussieren oder auch nur auf den nächsten Go-Live-Termin. Auf diese Weise riskieren sie, dass die meisten Mittel für Einmalaufwände verbraucht werden – ohne Chance auf Wiederverwendung. Dies stellt letztlich eine Verschwendung von Investitionen dar, da sich SAP-Systeme im Lauf ihres Lebenszyklus ständig ändern und die bestehende Lösung immer wieder getestet werden muss (Regressionstests). Ziel sollte es deshalb sein, die einmal erstellten Aktivposten des Software-Testens (Test Assets) so zu sichern, dass sie wartbar und wiederverwendbar werden.

Derart standardisierte und automatisierte Test Assets sind die Grundvoraussetzung dafür, SAP-Tests im Rahmen von Managed Services an (externe) Testspezialisten auslagern zu können – mit dem Ziel die Testqualität weiter zu steigern und Kosten weiter zu senken.

Die Auslagerungswelle rollt an

Im deutschsprachigen Raum setzen rund 1.100 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 500 Millionen Euro SAP ein. Zugleich gehen Analysten davon aus, dass der Markt für das Software-Testen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktuell 1,2 Milliarden Euro pro Jahr umfasst, wobei 20 Prozent davon extern vergeben werden. Überträgt man diese Zahlen auf die SAP einsetzenden Unternehmen, werden sich in den kommenden drei Jahren mindestens zehn Prozent von ihnen für die eine oder andere Form von Managed Services beim Software-Testen entscheiden. Damit vollzieht sich derzeit im SAP-Umfeld das, was auf dem Testmarkt allgemein seit drei bis vier Jahren zu beobachten ist. Beispiel SQS Software Quality Systems: Machte der Testdienstleister im Jahr 2010 noch elf Prozent seines Umsatz mit Managed Services, waren es 2013 bereits 41 Prozent.

Der Erfolg dieses Modells wird vor allem durch wirtschaftliche Vorteile getragen. Da Managed Services immer auch mit einer Standardisierung und Automatisierung der Testprozesse einhergehen, lassen sich mittel- und langfristig nicht nur erheblich Kosten sparen, sondern vor allem auch Testdurchlaufzeiten radikal verkürzen. Auf der qualitativen Seite erhöht das Modell die Wahrscheinlichkeit, Software-Fehler und vor allem ihre Seiteneffekte früh aufzudecken. Auf der IT-strategischen Seite sticht das Verschlankungs-Argument: Die internen Testressourcen lassen sich auf eine Kernmannschaft reduzieren, welche die größtenteils ausgelagerten Testaktivitäten steuern und überwachen. Andererseits sollte der Managed-Service-Anbieter in der Lage sein, Testressourcen auch kurzfristig zu erhöhen oder herunterzufahren. Ebenso muss es möglich sein, die Test Assets jederzeit wieder an den Auftraggeber zurück zu übertragen.

 Erfolgsfaktoren für den Einstieg in Managed Testing Services

–       Der Dienstleister verfügt über genügend Branchenkenntnisse des Kunden.

–       Der Dienstleister beherrscht die SAP-Standards ASAP und RunSAP.

–       Der Dienstleister verfügt über eine große Expertise im Betrieb von SAP-Anwendungen sowie mit SAP-Tools im Kontext des Application Lifecycle Management (ALM).

–       Die hohen Anforderungen an die Dokumentation erfüllt der Dienstleister selbst und schiebt sie nicht an den Kunden ab.

–       Der Anbieter der Managed Services verfügt über ein Modell der flexiblen und schrittweisen Übergabe der Software-Tests – beginnend mit den wichtigsten und am häufigsten geänderten Systemen und Funktionen. Dies ermöglicht die Realisierung von Quick Wins.

–       Rechtliche Fragestellungen, wie zum Beispiel Datenschutz, werden frühzeitig geklärt oder wurden vom Dienstleister bereits im Vorfeld gelöst.

–       Die Vertragsgestaltung ist transparent und messbar. Metriken ermöglichen nicht nur die Erfolgskontrolle und -steuerung, sondern auch die genaue Bezifferung der Effizienzgewinne. Die Service Level Agreements (SLA), Key Performance Indicators (KPI) und Metriken sind verständlich und nachvollziehbar.

Wann sich Managed Testing Services nicht lohnen

–       Kleine und mittlere Unternehmen unterhalten in der Regel IT-Abteilungen, welche die kritische Masse für wirtschaftliche Managed Testing Services nicht erreichen. Ein mittlerer sechsstelliger Euro-Betrag sollte für dieses Dienstleistungsmodell zur Verfügung stehen, damit sich das Modell wirklich auszahlt und sich die angestrebte Mischung aus 30 Prozent Onsite- und 70 Prozent Offshore-Ressourcen erreichen lässt.

–       Der Branchenhintergrund von Unternehmen ist bei Managed Testing Services zunächst einmal nicht von Belang. Hinderlich ist es allerdings, wenn Gewerke als gemeinsames Los ausgeschrieben werden, bei dem das Software-Testen nur als nicht eigenständige Teilaufgabe vorkommt. Dies kommt häufiger bei öffentlichen Auftraggebern vor.

–       Unreife IT- und Testprozesse stellen kein grundsätzliches Hindernis für Managed Testing Services dar. Allerdings muss den beauftragenden Unternehmen klar sein, dass sie in diesem Fall mehr Zeit für die Transition des Testens an den Dienstleister und für den Aufbau der benötigen Prozesse und Infrastrukturen einplanen müssen.

Rüdiger Louis, SQS Software Quality Systems, www.sqs.com