LiMux: München denkt über eine Rückkehr zu Windows nach

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Das Open-Source-Projekt der Stadt München steht angeblich vor dem Aus. Der SZ zufolge prüft die Stadt eine Rückkehr zu Microsoft. Die Nutzer seien unzufrieden mit der Bedienung. Eine Expertengruppe soll nun einen Wechsel zurück zu Windows überprüfen. Der Münchner Stadtrat steht hingegen weiter hinter LiMux und lehnt eine Rückkehr strikt ab.

Vor zehn Jahren beschloss der Münchner Stadtrat das Projekt “LiMux – Die IT-Evolution” und schloss es im Dezember 2013 erfolgreich ab. Nun soll wieder alles auf Microsofts Software umgestellt werden. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung. Während die Stadtspitze gegen das Projekt Stimmung macht, stellt sich der Stadtrat mit großer Mehrheit hinter LiMux.

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Mit LiMux startete die Stadt München ein ambitioniertes Projekt. Am 28. Mai 2003 beschloss der Stadtrat, 12.000 Rechner der Verwaltung auf das Betriebssystem Linux umzustellen. Im Dezember 2013 unterzeichnete die damalige zweite Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) die Projektabnahmeerklärung. Nach zehn Jahren hatte die Stadt 14.800 Computer, rund 80 Prozent aller Rechner, mit Open-Source-Software ausgestattet.

Das soll nun alles wieder rückgängig gemacht werden. Wie der aktuelle Zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU) der SZ sagte, prüfe die Stadt die Rückkehr zu Microsoft. Nutzer seien mit der Bedienung unzufrieden und in den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Klagen über LiMux.

Eine unabhängige Expertengruppe soll Schmid zufolge LiMux und die Beschwerden der Behördenmitarbeiter überprüfen. Käme sie zu dem Schluss eine Rückkehr zu Microsoft wäre sinnvoll, wolle Schmid einen weiteren Umstieg nicht ausschließen. Auch der neue Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ist nicht zufrieden mit Linux. Die Open-Source-Software hinke gelegentlich den Microsoft-Anwendungen hinterher, sagte er dem Behördenmagazin Stadtbild.

Die Entscheidung sich von Microsoft-Software abzuwenden, bezeichnet Josef Schmid in der SZ als politisch motiviert. “Als CSU-Fraktion hatten wir damals schon den Eindruck, dass es sehr stark darum ging, einem Monopolisten Grenzen aufzuzeigen. Uns war damals schon klar, dass sich das nicht durchsetzen wird, weil wir als Kommune nicht die ganze Welt verändern können.”

Auf die Kritik von oben folgt die Reaktion des Stadtrats. Fraktionsübergreifend spricht sich eine große Mehrheit für LiMux aus. Bettina Messinger, Sprecherin der SPD-Fraktion für Personal, Verwaltung und IT, sagte zu heise online, dass man keine neue Haltung zu dem Thema habe. Sie bezeichnete die Umstellung auf Linux als “mutige Entscheidung”.

Kritische Stimmen und Beschwerden seien im EDV-Bereich nichts Ungewöhnliches, so Messinger weiter. Man müsse LiMux und das Umfeld nun stetig verbessern und nutzerfreundlicher gestalten. Unter anderem ist dafür mehr IT-Personal in der Verwaltung nötig.

Auch die CSU-Fraktion stellt sich hinter LiMux. Deren IT-Experte Otto Seidl nennt Schmidts Kritik “eine sachfremde Einzelmeinung eines Juristen”. Die Grünen warnen heise zufolge vor einem “teuren Schildbürgerstreich”, sollte die Stadt zu Microsoft zurückkehren. Wie heise weiter berichtet, wollen die Abgeordneten in einer Ausschusssitzung klären, woher die Beschwerden stammen.

Bereits zu Jahresbeginn kritisierte OB-Kandidatin Sabine Nallinger (Die Grünen) deutlich das LiMux-Projekt. Ihrer Meinung nach sei die Stadt überfordert und viele Mitarbeiter verzweifelt. Die Stadtverwaltung solle den Umstieg auf Linux nochmals überdenken. Nach viel Kritik sah sie sich zu einer Stellungnahme genötigt und relativierte ihre Aussagen ein wenig.

“Das Schnittstellenmanagement frisst viel Zeit, Geld und Nerven. Ich fände es gut, wenn wir den Weg der freien Software weitergehen würden und nicht wieder umsteigen müssten. Aber dazu brauchen wir Hilfe. Hilfe von anderen Städten, die auch auf freie Software umsteigen müssten, damit wir die Entwicklungsschmerzen nicht allein tragen müssten; und natürlich von der IT-Branche, die Software für Kommunen derzeit kaum für freie Betriebssysteme wie Linux anbietet.”

Mit LiMux wollte die Stadt München nicht nur Kosten senken, sondern sich auch von Herstellern, Produktzyklen und Betriebssystemen unabhängig machen. Der Blick auf die betriebssystemabhängigen Kosten der Gegenüberstellung zeigt, dass für die reine Microsoft-Variante – also Windows-Systeme mit MS Office – Kosten von insgesamt rund 11,5 Millionen Euro angefallen wären.

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