Interview mit Patrik Sallner: Wie Datenbanken die Welt verändern werden

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Open-Source-Datenbanken, die auf die Anforderungen von Unternehmen abgestimmt sind, werden große Veränderungen anstoßen. Das meint zumindest Patrik Sallner, CEO von SkySQL.

Patrik Sallner ist CEO von SkySQL. 2010 von den Erfindern von MySQL gegründet, hat das Unternehmen seine eigene quelloffene Datenbank entwickelt: MariaDB. Sie ist für alle Linux-Distributionen erhältlich und wird von Internetgrößen wie Google und Wikipedia genutzt. Auch HP, IBM und die Deutsche Telekom gehören zu den Kunden von SkySQL.

Patrik Sallner ist CEO von SkySQL. (Bild: SkySQL)
Patrik Sallner ist CEO von SkySQL. (Bild: SkySQL)

silicon.de: Welches ist bisher Ihr liebstes Projekt?

Patrik Sallner: Unsere Datenbankarbeit mit Booking.com ist eines der aufregendsten Projekte, in das ich bisher involviert war. Die Firma hat den Markt für Hotelbuchungen revolutioniert – ähnlich wie Uber den Taximarkt überrollt hat. Unsere laufende Zusammenarbeit mit dem Team von Booking.com hat uns dabei geholfen, die Effizienz von MySQL und MariaDB auszubauen, und hilft Millionen von Nutzern weltweit dabei, jederzeit ein Zimmer zu buchen.

silicon.de: Was haben Sie vor zehn Jahren gemacht?

Sallner: Vor zehn Jahren war ich Leiter der Forschungsabteilung bei Nokia. [Liebe Leser, das ist nicht zum Lachen! 2004 gab es kein iPhone und auch kein Android. Damals kaufte Nokia Psion aus, um majority owner von Symbian zu werden. Und seine Series-60-Geräte beherrschten den Smartphone-Markt. Anm.]

Ich habe damals funktionsübergreifende Teams von Technikern, User-Experience-Designern und Business-Strategen geleitet, um Trends in der Branche zu erkennen und neue Geschäftsmöglichkeiten für Nokia aufzutun.Es war eine aufregende Zusammenarbeit mit hochrangigen Managern im Unternehmen und weltweit führenden Experten, mit denen wir revolutionäre Konzepte entwickelt haben, die auf mobilen Technologien basierten. Und das zu einer Zeit, als Mobilgeräte als das nächste große Ding galten.

silicon.de: Wie wird die Technik in zehn Jahren aussehen?

Sallner: Ich zögere ein wenig, mich denen anzuschließen, die meinen, Daten werden das Erdöl des 21. Jahrhunderts sein. Man kann viel mit Daten machen, keine Frage. Eine Maschinelässt sich damit aber nicht antreiben, man kann damit kein Hausdach decken und sie auch nicht in ein Paar Laufschuhe verwandeln.

Wir kratzen aber erst an der Oberfläche dessen, was mit Daten alles möglich ist. Wir lernen sehr schnell, wie sie sich besser speichern, verwalten, abrufen und verarbeiten lassen als zuvor – und die Fortschritte, die wir in der jüngsten Vergangenheit gemacht haben, sind interessant.

In zehn Jahren werden wir Dienste und Werkzeuge für Geschäftskunden und Privatanwender sehen, die so einfach und intuitiv zu nutzen sind, dass wir viel produktiver arbeiten werden und unsere Freizeit besser nutzen können. Bessere Datenbanken sind die Fundamente, auf denen dieser Wandel aufbauen wird – was es für mich so aufregend macht, an der Arbeit an SkySQL teilzuhaben.

silicon.de: Wer ist Ihr Technik-Held?

Sallner: Elon Musk, weil er den Tesla Model S entwickelt hat. Das ist einfach ein unglaublich revolutionäres Auto in so vieler Hinsicht! Alles, was Musk anfasst, verwandelt er in Technik-Gold. Wenn er sein Hyper-Loop-Konzept tatsächlich umsetzt, wird das eine ähnliche Innovation sein wie die Entwicklung der Dampflok im 19. Jahrhundert.

silicon.de: Wer ist ihr Technik-Bösewicht?

Sallner: Agent Smith aus der Matrix-Trilogie ist mein Lieblingsbösewicht aller Zeiten. Ich verbringe einen Großteil meiner Arbeitszeit damit, wie man Störungen und Fehler aus einem System heraus bekommt. Solche Filme beschäftigen mich lange.

silicon.de: Was ist Ihr liebstes Stück Technik aller Zeiten?

Sallner: Der Psion Series 5 Organiser. Ich habe eine 100 Seiten starke Masterarbeit darüber geschrieben! Der war ein großartiges Stück Technik, das seiner Zeit weit voraus war.

silicon.de: Wie sieht es mit den Finanzen von SkySQL aus?

Sallner: SkySQL hat kürzlich eine neue Finanzierungsrunde eingeläutet, und die Reaktionen auf unser jüngstes Produkt – MariaDB 10.0 – waren phänomenal positiv. Datenmanagement wird weltweit in den Führungsetagen diskutiert. Erfolgreiche Firmen legen mehr und mehr Augenmerk darauf, wie sie ihre Daten speichern und wie sie darauf zugreifen. Ich kann zwar keine finanziellen Details nennen, aber ich kann sagen: Die Firma wächst stark.

silicon.de: Welches Unternehmen – außer Ihrem eigenen – bewundern Sie am meisten?

Sallner: Google – weil es die Weise verändert hat, wie wir alle heute das Internet nutzen und immer noch mit grandiosen neuen Konzepten daherkommt, die es in erfolgreiche Geschäftsideen umsetzt. Wo auch immer man heute hinschaut: Google hat seine Finger drin, sowohl online als auch offline. Als Autofan bin ich gespannt auf Googles selbstlenkendes Auto. Das hat Potenzial, Leben zu retten – und Geld für Taxifahrten zu sparen.

silicon.de: Was ist die größte Herausforderung für IT-Abteilungen heutzutage?

Sallner: Wir sehen innerhalb von Großkonzernen eine Verlagerung zu mehr Open-Source-Technologie. Der öffentliche Sektor in Großbritannien war ganz vorn dabei, als es darum ging, den Leuten Open Data, Open-Source-Technologien und Dienste wie G-Cloud schmackhaft zu machen. Im Normalfall ist die Entscheidung für Open Source eine finanzielle – speziell auf lange Sicht. Dabei darf man nicht vergessen, dass nicht alle quelloffenen Projekte gleich programmiert sind. Um flexibel zu sein und Geld zu sparen, braucht man die richtigen Leute, die eine Software evaluieren und an die Anforderungen eines Unternehmens anpassen.
Die jüngsten Ereignisse haben gezeigt, dass Sicherheit eine große Herausforderung für Open Source ist – aber kommerzielle Datenbanken stehen vor den gleichen Problemen. Die Open-Source-Gemeinde ist gut dafür gerüstet, diese Probleme anzugehen, weil sie auf ihre Tradition der Zusammenarbeit zurückgreifen kann, aus der Projekte wie MySQL und Linux entstanden sind. Zudem arbeitet sie transparent, was Schwachstellen und Bugfixes angeht. Diese Offenheit wird es IT-Verantwortlichen einfacher machen, eine Balance zwischen Innovation, Sicherheit und Kosten zu finden. Sie brauchen nur Zugang zu den richtigen Köpfen, um die Vorteile quelloffener Technologien voll auszunutzen.

silicon.de: Cloud oder keine Cloud, das ist hier die Frage!

Sallner: In der Datenbankwelt wird die Cloud zurzeit heiß diskutiert, unter anderem in Bezug auf die Frage, ob unstrukturierte NoSQL-Datenbanken besser für den Einsatz in der cloud geeignet sind als herkömmliche, strukturierte SQL-Datenbanken.

Es gibt auf beiden Seiten gute Argumente, aber die Wahrheit ist, dass beide – NoSQL und SQL – in den Unternehmen der Zukunft eine wichtige Rolle zu spielen haben werden. Schon allein deshalb, weil sowohl Cloud-Computing als auch On-Premise-Umgebungen in den kommenden Jahren sehr wichtig sein werden. Keine Technologie ist ein Allheilmittel, und der Wert jeder neuen wird dadurch begrenzt, wenn sie die besten Elemente existierender Technologien nicht ausnutzen kann.

Meiner Ansicht nach ist der Schlüssel zum Erfolg jeder Technik der, sicherzustellen, dass sie problemlos mit anderen Technologien zusammenarbeiten kann, die in einer Firma im Einsatz sind. Wir haben viel Zeit darauf verwendet, dass sich unser Produkt einfach mit anderen Datenbanken kombinieren lässt. Für alle, die mit der Cloud arbeiten, ist maßgeblich, das alles, was darin läuft, mit dem Rest der Unternehmenssoftware Hand in Hand geht. Wenn das nicht der Fall ist, geht unter Umständen viel Geld verloren.