ICREACH: NSA verfügt über eigene Suchmaschine

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2010 hatten etwa 1000 Ermittler von 23 Behörden Zugriff auf ICREACH. Dazu zählen auch FBI und die Drogenfahndung DEA. Über eine “Google-artige” Schnittstelle können sie unter anderem nach Telefonnummern suchen sowie sämtliche Anrufe in einem bestimmten Zeitraum einsehen.

Zur Sondierung massenhaft gespeicherter Telekommunikationsdaten, verfügt die NSA über eine eigene Suchmaschine. Sie kann die gesammelten Daten auch anderen Regierungsbehörden zugänglich machen. Das geht aus Dokumenten des Whistleblowers Edward Snowden hervor, die The Intercept vorliegen.

"Google-artige" Suchmaschine ICREACH der NSA (Folie: via The Intercept)
“Google-artige” Suchmaschine ICREACH der NSA (Folie: via The Intercept)

Ein als “streng geheim” eingestuftes Dokument zeigt, dass mit der Planung der Suchmaschine im Jahr 2007 begonnen wurde. Sie heißt Intelligence Community Reach oder kurz ICREACH. Einer Folie zufolge verfügt sie über eine “Google-artige” Oberfläche mit Eingabezeile.

Die Dokumente belegen zudem, dass die Ausmaße der NSA-Überwachung und der Austausch zwischen Behörden deutlich größer war (und möglicherweise ist) als bislang angenommen. Einem Dokument aus dem Jahr 2010 zufolge konnten über 1000 Ermittler von 23 Behörden auf über 850 Milliarden Aufzeichnungen via ICREACH zugreifen. Die Daten umfassten dabei über 30 Arten von Metadaten wie Standort von Mobiltelefonen, Faxe, E-Mails und Internet-Chats.

Unter anderem hatten die Drug Enforcement Administration und die Bundespolizei Federal Bureau of Investigation Zugriff auf die Suchmaschine. Offenbar dienten die von der NSA gesammelten Daten also auch zum Aufklären von Drogendelikten und anderen Verdachtsmomenten.

ICREACH ist den Dokumenten zufolge in der Lage, nach bestimmten Attributen wie einer Telefonnummer zu suchen. Als Ergebnis erscheinen etwa die getätigten und empfangenen Anrufe im angegebenen Zeitrahmen. Polizisten sowie Geheimdienstmitarbeiter können auf diese Weise ermitteln, mit wem eine Person regelmäßig kommuniziert.

Einschränkend führt The Intercept aus, dass sich die nach Abschnitt 215 des Patriot Act gesammelten Daten der Telekommunikationsverbindungen von Amerikanern mit ICREACH nicht durchsuchen lassen. Diese Datenbank steht dem Bericht nach tatsächlich nur bei Terrorismusverdacht und nur einer kleinen Gruppe Ermittler zur Verfügung. Unklar ist allerdings, wie viele Daten aus der einen Datenbank in die andere fließen.

Für das Liberty and National Security Program der Jura-Abteilung der New York University sagte Co-Direktor Elizabeth Gothein gegenüber The Intercept, ICREACH ermögliche der Regierung, Einschränkungen zur Speicherung der Daten von Amerikanern zu umgehen. Die Enthüllung sei schockierend und zerstöre endgültig dem Mythos, Metadaten seien nur ein wirres Durcheinander. “Dies ist eine Fundgrube für unglaublich sensible Informationen.”

Für das Office of the Director of National Intelligence kommentierte Sprecher Jeffrey Anchukaitis, die Weitergabe von Daten sei “eine Säule der Ermittlergemeinschaft nach dem 11. September”. Der Datenaustausch sei durch Executive Order 12333 gedeckt, eine umstrittene Anordnung des Präsidenten Ronald Reagan.

[mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de]

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