Industrie 4.0: Industrieller Mittelstand glaubt nicht an Big Data

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Einer Studie von PAC zufolge verkennt der industrielle Mittelstand die Chancen von Big Data. (Grafik: Freudenberg IT)

Rund ein Drittel aller Firmen im industriellen Mittelstand stehen Big-Data-Anwendungen skeptisch gegenüber. Vor allem glauben die Unternehmen an eine vermeintlich schlechte Kosten-Nutzen-Relation. Allerdings steht die deutsche Fertigungsindustrie einem steigenden Innovationsdruck gegenüber.

Eine Studie der Marktforscher von Pierre Audoin Consultants (PAC) zeigt, dass bei etwa einem Drittel aller Unternehmen im industriellen Mittelstand Skepsis gegenüber Big-Data-Anwendungen herrscht. Allerdings sieht die deutsche Fertigungsindustrie den steigenden Innovationsdruck sowie die fortschreitende Internationalisierung als zentrale Herausforderung. Die Umfrage hat Freudenberg IT in Auftrag gegeben.

“In kaufmännischen Unternehmensbereichen ist Datenanalyse weitgehend etabliert. Nachholbedarf zeigt sich vor allem in der Produktion und in zukunftsgerichteten Analysen. Aber gerade länderübergreifend verteilte Produktionsstandorte verlangen nach zusätzlichen Analysemöglichkeiten für die global generierten Datenmengen“, sagt PAC-Analyst Karsten Leclerque.

67 Prozent der Befragte werten kaufmännische Unternehmenskennzahlen im Controlling aus. 12 Prozent gaben an, dass dies nicht von Interesse ist. Eine Auswertung von Absatzzahlen nehmen etwa zwei Drittel (66 Prozent) vor. Kein Interesse daran zeigen 17 Prozent. Um die Kundenrentabilität zu bestimmen, werten nur knapp die Hälfe (49 Prozent) der Unternehmen Daten aus. 7 Prozent planen momentan eine Umsetzung. Weitere 18 Prozent zeigen zwar Interesse, wollen es aber nicht einführen und 20 Prozent der Befragten interessieren sich nicht dafür.

Einer Studie von PAC zufolge verkennt der industrielle Mittelstand die Chancen von Big Data. (Grafik: Freudenberg IT)
Einer Studie von PAC zufolge verkennt der industrielle Mittelstand die Chancen von Big Data. (Grafik: Freudenberg IT)

Zwar sammeln und werten viele Unternehmen die Daten aus, aber für eine zukunftsgerichtete Analyse setzen sie nur 39 Prozent ein. Noch schlechter ist der Wert bei der Datenauswertung zur Preisoptimierung von Produkten und Ersatzteilen. Dies setzen lediglich 32 Prozent um. 28 Prozent haben kein Interesse daran.

Dabei hänge der Erfolg auf den internationalen Märkten wesentlich auch davon ab, wie schnell alle verfügbaren Informationen rund um Auftrags- und Lagerbestände, Produktionsauslastung, Qualitätsniveau und Absatzentwicklung ausgewertet und zu fundierten Entscheidungsgrundlagen verdichtet werden können, so Leclerque weiter. “Deshalb gehen wir davon aus, dass Big Data-Lösungen in der Fertigungsbranche künftig an Bedeutung gewinnen werden.”

Ein rapider Anstieg der Datenflut ergibt sich in der Fertigungsindustrie zudem aus der immer engeren Verzahnung von Geschäfts- und Produktionsprozessen: “Die zunehmende Vernetzung von Anlagen und Maschinen im Shop Floor bis hinab auf die Ebene der Sensoren und Aktoren generiert enorme Mengen an Status- und Bewegungsdaten. Tatsächlich nutzbar für eine quasi selbstregulierende Produktionssteuerung werden diese Informationsmengen aber nur, wenn sie in Echtzeit ausgewertet und ebenso schnell im ERP-System, also im Top Floor, verfügbar sind”, kommentiert Horst Reichardt, CEO der Freudenberg IT die Studienergebnisse.

“Das Zukunftsmodell der intelligenten Industrie 4.0-Fabrik ist aus unserer Sicht absolut entscheidend für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Fertigungsbranche”, erklärt Reichardt.

Allerdings kommt es nur in 38 Prozent zu einer Auswertung von Daten aus der Fertigung zur Echtzeitüberwachung der Produktion. 19 Prozent der Unternehmen planen momentan eine Auswertung. Weitere 17 Prozent interessieren sich dafür, im Gegensatz zu einem Viertel der Befragten. Noch schlechter sehen die Werte bei der Auswertung von Daten aus der Fertigung für die vorausschauende Wartung aus. Dies nutzen lediglich 27 Prozent der Firmen. 21 Prozent der Teilnehmer setzen auf die Datenauswertung zur Prognose oder Simulation von Kundenverhalten.

“Ohne innovative In-Memory-Technologien wie beispielsweise SAP HANA ist die Vision der Smart Factory kaum zu verwirklichen und viele Potenziale bleiben ungenutzt“, gibt Horst Reichardt zu bedenken. Auffallend ist die In-Memory-Zurückhaltung insbesondere bei Automobilzulieferern, denn diese Branche gilt sonst als Vorreiter bei der Adaption von Treibertechnologien für Industrie 4.0. “Neben Just-in-Time-Lieferfähigkeit wirkt vielerorts auch der wachsende regulatorische Druck als Treiber für Industrie 4.0. Besonders im Hinblick auf eine ganzheitliche lückenlose Rückverfolgung und Identifizierung von Produktions-Chargen entlang der gesamten Lieferkette bis hin zum einzelnen Bauteil können Fehlerquellen schnell isoliert und Rückrufaktionen gezielt ausgelöst werden“, so Reichardt.

Für die repräsentative Untersuchung befragte das Marktforschungsinstitut PAC rund 130 IT-Entscheider und Produktionsleiter mittelständischer Fertigungsunternehmen in Deutschland. Die befragte Unternehmensgruppe setzt sich aus folgenden Branchen zusammen: Maschinen- und Anlagenbau (36 Prozent), Automotive (29 Prozent) sowie sonstige Fertigung (36 Prozent) mit einer Mitarbeiterzahl von 250 bis 499 (40 Prozent) beziehungsweise 500 bis 4.499 (60 Prozent).

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