CIO gegen CMO bei der Digitalisierung

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Wirklich alle Unternehmen setzen sich derzeit mit den Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung auseinander, wie eine Studie zeigt. Nur wenige können dabei auf eine geschlossene Strategie verweisen. Doch genau auf diese Weise ließen sich die größten Potentiale erschließen.

cio_cmo_digitalisierungIn den meisten Unternehmen ist die Strategie für die digitale Transformation noch Stückwerk. Das legt eine aktuelle Studie des Beratungshauses Pierre Audion Consultants nahe. Laut der Studie “Digital Transformation in Deutschland” setzen sich derzeit 100 Prozent aller Marketing- und IT-Leiter mit diesem Thema auseinander.

Es fehle also an vielen Stellen an einer umfassenden Strategie, die den Wandel von Geschäftsprozessen oder Businessmodellen beschleunigen könnten. Und das obwohl rund zwei Drittel der Unternehmen mit den Auswirkungen dieses Wandels bereits konfrontiert sind. Die befragten Unternehmen berichten von “deutlichen” und auch von “disruptiven” Auswirkungen.

Laut PAC-Studie setzt mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen vereinzelte digitale Projekte in ausgewählten Bereichen um. Doch dies geschehe nicht im Rahmen einer unternehmensübergreifenden Strategie. Weitere 14 Prozent sehen sich mit der Digitalisierung in ihrer Organisation sogar noch am Anfang stehen. Immerhin 28 Prozent hätten demnach eine Digitalisierungsstrategie für das gesamte Unternehmen formuliert.

Zunächst aber gilt es offenbar Klarheit darüber zu gewinnen, wer bei solchen Vorhaben die Federführung innehaben sollte. Die PAC-Studie enthüllt auch, dass innerhalb der Unternehmen verschiedene Meinungen dazu aufeinanderprallen, wer und welche Abteilung für diese digitale Strategie verantwortlich zeichnen sollte.

Deutsche CIOs sind in der Mehrheit nicht der Ansicht, dass das Marketing an der Definition und Umsetzung der digitalen Strategie beteiligt werden sollte. CIOs sehen hierin vielmehr vor allem eine Aufgabe für den CIO und CEO.

Ganz anders sehen das hingegen die Marketing-Verantwortlichen. Knapp 90 Prozent wollen durchaus die Entwicklung einer digitalen Strategie mitgestalten.

Potential für Grabenkämpfe scheint es auch bei der Frage nach Handlungs- und Investitionsbedarf zu geben. So wollen fast 80 Prozent aller Marketingleiter in den nächsten ein bis zwei Jahren verstärkt in IT-Lösungen zur Unterstützung von Online-Marketing investieren. Diese Ansicht teilen jedoch nur 40 Prozent der IT-Leiter.

“Die Kluft zwischen IT- und Marketingverantwortlichen ist erschreckend”, so Nicole Dufft, Independent Vice President bei PAC. “Die deutschen IT-Verantwortlichen wären gut beraten, die digitale Transformation stärker als ‘Team Play’ zu sehen. IT- und Marketingleiter sollten gemeinsam die Digitalisierungsbemühungen der verschiedenen Fachbereiche koordinieren und in eine übergreifende Strategie einbinden”, rät die Analystin.

Wichtig sei dabei vor allem die Management-Kollegen mit an Bord zu holen. Denn ohne den CEO geht es nicht – zumindest darin sind sich IT- und Marketingleiter einig. Vor allem bei der Innovationsfähigkeit sieht Dufft Nachholbedarf in Deutschland: Fast jedes zweite Unternehmen ist sich sicher, innovativer werden zu müssen, um neue digitale Services und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Einigkeit in den beiden ‘Lagern’ IT und Marketing bestehe in der Ansicht, dass die klassischen IT-Anbieter die wichtigsten Partner bei der Umsetzung der digitalen Strategie sind. So spielen für 80 Prozent der IT- und auch der Marketingentscheider IT-Dienstleister und Systemintegratoren eine wichtige oder sehr wichtige Rolle, um sie bei der digitalen Transformation zu unterstützen. Digitale Agenturen sind dagegen vornehmlich aus Sicht der Marketingleiter wichtige Transformationspartner.

“Aus der Zusammenarbeit mit unseren Kunden können wir nur bestätigen, dass die Digitale Transformation und die Notwendigkeit zu handeln, nun einen hohen Stellenwert auf der Agenda von deutschen Führungskäften einnehmen”, kommentiert Frank Engelhardt, Vice President Enterprise Strategy, salesforce.com Deutschland. salesforce.com ist einer der Sponsoren der Multiclient-Studie von PAC. “Wir sehen die größten Fortschritte bei Firmen, die die Digitalisierung kollaborativ über verschiedene Abteilungen und Disziplinen angehen und die neue und Art und Weise, sich zu vernetzen, verinnerlichen.” Engelhardt ist überzeugt: “Die Firmen, die das Thema jetzt richtig angehen, werden erfolgreicher am Markt sein.“

Bei dem Beratungshaus Gartner kommt man zu ähnlichen Ergebnissen. Beide Abteilungen sollten in dieser Frage an einem Strang ziehen. Und dafür ist aber ein gemeinsames Ziel entscheidend, wie Gartner-Analyst Frank Ridder erklärt: “Unternehmen brauchen auf dem Weg zu einem digitalen Unternehmen eine Strategie. Diese muss ausgehen vom geschäftlichen Nutzen und Bedarf – und nicht von den technischen Möglichkeiten. Es muss geschäftliche Gründe geben, um eine Informationsplattform aufzubauen – und man muss sich von alten Technologien trennen, um den Weg für neue frei zu machen. Stellen Sie sich doch einmal die Frage, was Sie alles bräuchten und verbessern könnten, wenn sie keine E-Mail-Server mehr hätten?”

Für die Studie “Digital Transformation in Deutschland – Marketing- und IT-Strategien im Wandel” wurden über 150 IT- und Marketingentscheider in deutschen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern befragt. Die Studie wurde im Multi-Client-Modell erstellt und von Adobe Systems GmbH, Avanade Deutschland GmbH, Capgemini Deutschland GmbH, Damovo Deutschland GmbH & Co. KG, Salesforce.com Germany GmbH sowie Unify GmbH & Co. KG unterstützt.

PAC Inforgrafik zur digitalen Transformation. Quelle: PAC

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