Larry Ellison tritt als CEO ab

Management

Hurd und Catz werden in einer Doppelspitze den CEO-Posten bekleiden. Ellison bleibt dem von ihm gegründeten Unternehmen als Chief Technical Officer und Chairman of the Board erhalten. Software und Hardware werden damit beide unter der Ägide des 70-jährigen bleiben. Die Gründe für den Rücktritt bleiben unklar, jedoch musste Oracle für das aktuelle Quartal Zahlen vorlegen, die nicht den Erwartungen der Analysten entsprachen.

Daniel Terdiman/CNET
Eine schillernsten Figuren der IT: Larry Ellison zieht sich offziell vom Posten des CEOs zurück. Mit einem geschätzten Privatvermögen von rund 40 Milliarden Dollar bräuchte er schon längst nicht mehr zu arbeiten. Hier zeigte er sich im Jahr 2010 bei dem Lincoln Memorial in Washington DC. Quelle: Daniel Terdiman/CNET

Überraschend gibt Larry Ellison seinen Rücktritt als CEO bekannt. Künftig werden den Posten des Chief Executive Officers bei dem von Ellison gegründeten Unternehmen Präsidentin und Chief Financial Officer Safra Catz uund der schon länger als Thronfolger kolportierte Präsident Mark Hurd bekleiden.

Ellison zieht sich jedoch nicht vollständig aus dem Unternehmen zurück. Er werde weiterhin als Chief Technology Officer und Executive Chairman des Board of Directors fungieren. Der bisherige Leiter des Verwaltungsrates, Jeff Henley wird nach zehn Jahren auf diesem Posten nun zum Vice Chairman.

Auch wenn diese bedeutentende Personalie für ein gewisses Überraschungsmoment sorgt, wird sich im operativen Geschäft von Oracle vorerst nicht viel ändern. So haben Catz und Hurd bereits den größten Teil des Tagesgeschäfts verantwortet. Catz war in ihrer bisherigen Position für die Bereiche Produktion, Finanzen und Recht verantwortlich. Hurd, der vor seiner Karriere bei Oracle bereits CEO von HP war, stand den Abteilungen Verkauf und Service vor. Diese Aufgabenteilung werde Oracle auch künftig fortführen, heißt es von Oracle. Weiterhin werden Software und Hardware von Ellison geführt.

“Wir drei haben in den vergangenen Jahren gut zusammengearbeitet”, so Ellison in einer Pressemitteilung. “Wir planen, unsere Zusammenarbeit in absehbarer Zukunft fortzusetzen. Der Erhalt dieses Management-Teams war immer eine meiner Top-Prioritäten.”

Bei einer Telefonkonferenz mit Analysten ergänzte Ellison: “Mark und Safra haben fantastische Arbeit geleistet und ich glaube, sie verdienen die Anerkennung durch ihre neuen Titel. Ich werde mit Thomas Curry im Bereich Software Engineering und John Fowler im Bereich Hardware Engineering sowie Mark und Safra genauso zusammenarbeiten, wie ich es bisher getan habe. Ich werde also genau das machen, was ich in den vergangenen Jahren gemacht habe. Sie werden genau das machen, was sie in den vergangenen Jahren gemacht haben, also verdienen sie die Anerkennung. Sie verdienen den CEO-Titel.”

Wie einige Analysten glauben, hätte Oracle ein wenig Veränderung auf höchster Ebene vielleicht ganz gut getan. Auch wenn das Marktumfeld derzeit schwierig ist, lassen die zurückliegenden Quartalszahlen dennoch zu wünschen Übrig. Das erste Quartal 2015, das am 31. August endete, sorgte für eine Umsatzsteigerung von lediglich drei Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn bleibt dagegen bei 2,2 Milliarden Dollar stabil. Der Non-GAAP-Gewinn lag bei 0,62 Dollar je Aktie.

Oracle bleibt damit hinter den Erwartungen der Analysten, die einen Überschuss von 0,64 Dollar je Aktie bei Einnahmen von 8,77 Milliarden Dollar prognostiziert hatten. Im nachbörslichen Handel der US-Börsen ging der Kurs der Oracle-Aktie um 0,75 Dollar oder 1,81 Prozent auf 40,80 Dollar zurück. Den gestrigen Handelstag hatte das Papier noch mit einem Plus von einem Prozent abgeschlossen. Das 52-Wochen-Hoch beträgt derzeit 43,19 Dollar.

Die Software- und Cloud-Umsätze kletterten um 6 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar. Im Bereich Software- und Platform-as-a-Service (SaaS und PaaS) verbesserte sich Oracle um 32 Prozent auf 337 Millionen Dollar.

Das gesamte Cloud-Geschäft habe zwischen Juni und August ein Plus von 30 Prozent erzielt, was ein guter Start ins neue Geschäftsjahr sei, ergänzte Catz. Nach wie vor Schwierig bleibt für Oracle aber das Hardware-Geschäft. Hier setzt Oracle 1,2 Milliarden Dollar um. Das sind 8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Auch in den kommenden Quartalen soll der Umstieg auf das Cloud-Geschäft Oracles Umsatz belasten. Die Einnahmen in den Bereichen SaaS und PaaS sollen hingegen um 39 beziehungsweise 44 Prozent zulegen. Beim Gesamtumsatz rechnet Oracle im zweiten Geschäftsquartal mit einem Plus von bis zu 4 Prozent und einem Non-GAAP-Aktiengewinn zwischen 0,66 und 0,70 Dollar. Die Prognose der Wall Street liegt bei 0,74 Dollar je Anteilsschein.

Wie lange die Doppelspitze – mit Ellison als CTO und Obersten Kontrolleur – bei Oracle halten wird, lässt sich derzeit nur schwer absehen. Der Konkurrent SAP hatte mit Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe zwischen 2012 und 2014 ein vergleichbares Konstrukt. Die beiden Manager haben sich regional und thematisch abgegrenzt. Neben kräftigem Wachstum konnte unter der gemeinsamen Führung SAP auch die In-Memory-Technolgie HANA auf den Markt bringen. McDermott war für den Verkauf, Snabe für das Engineering verantwortlich. Nachdem es aber bei SAP offenbar zu einem kulturellem Wandel gekommen ist und es interne Spannungen gegeben haben soll, ist McDermott inzwischen alleiniger CEO von SAP. Hagemann Snabe wechselte in den Aufsichtsrat des Unternehmens. Möglicherweise soll er hier als Nachfolger von Hasso Plattner aufgebaut werden, der derzeit den Aufsichtsrat des Walldorfer Unternehmens leitet.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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