Zalando und Rocket Internet stürzen an der Börse ab

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Dieser Börsengang hätte für eine Aufbruchstimmung in der deutschen Gründerszene sorgen können: Was bleibt ist leichte Katerstimmung und die Erkenntnis, dass mit kopierten Geschäftsideen nachhaltiges Wachstum nicht so einfach zu erreichen ist.

rocket-internetSowohl Zalando wie auch der Internet-Inkubator Rocket Internet müssen nach dem Gang an die Börse herbe Kursverluste hinnehmen. Bei Zalando purzelt der Kurs vom Ausgabepreis von 22 Euro um mehr als drei Prozent. Allerdings konnte der Online-Händler zunächst wenigstens den Ausgabekurs halten.

37,69 Euro kostete das Papier von Rocket Internet und mit Handelsstart sackten die Anteile des Internet-Brüters, der sich zum Ziel gemacht hat, die größte Internet-Plattform außerhalb von China und USA zu werden, um 4,81 Euro unter den Ausgabepreis. Gleich am ersten Tag rauschte der Kurs um 13 Prozent herunter. Und das obwohl vielen Anlegern klar ist, dass Banken bei Handelsstart auch Stützkäufe tätigen. Denn wenn eine Aktie am ersten Handelstag unter den Ausgabewert sinkt, gilt das unter Anlegern als schlechtes Zeichen.

Im vorbörslichen Handel wurde Rocket noch hoch gehandelt, bis zu 60 Euro wurden hier für einen Anteilsschein bezahlt. Derzeit hat sich das Papier bei etwas über 35 Euro eingependelt. Anleger müssen dafür einen Verlust von knapp 5 Prozent hinnehmen. Bei Zalando sieht es mit etwa 3 Prozent Verlust etwas besser aus. Das Papier kostet derzeit etwa 18,5 Euro.

Gewonnen haben aber auf jeden Fall die Samwer-Brüder. Für die dürfte der Flop an der Börse zu verschmerzen sein. 1,6 Milliarden Euro hatte ihnen die Emission der Rocket-Internet-Papiere eingebracht. Und dieses Geld werden sie gut brauchen können.

Denn wer einen Blick auf hinteren Seiten des Börsenprospektes wirft, wird hier darüber in Kenntnis gesetzt, dass die elf besten Projekte aus dem Brutkasten von Rocket Internet 2013 bei Umsätze von 757 Millionen Euro in Höhe von 442 Millionen Euro Verluste einfuhren. An insgesamt 70 Unternehmen ist Rocket noch beteiligt. Über die Zahlen der restlichen Unternehmen ist dagegen nichts bekannt.

Der High-Tech-Verband Bitkom hat in einer repräsentativen Umfrage sich unter Deutschen umgehört. Demnach glauben 22 Prozent, dass aus Deutschland in absehbarer Zeit ein Unternehmen entstehen wird, das sich mit Facebook oder Google wird messen können.

“Die Wachstumsfinanzierung ist ein großes Problem für deutsche Start-ups. Es muss uns gelingen, dass hierzulande nicht nur gute Ideen entstehen und innovative Lösungen entwickelt werden, sondern dass sie sich auch am Markt durchsetzen und international erfolgreich werden können”, so BITKOM-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Rohleder sieht in den Börsengängen des Online-Händlers Zalando und der Start-up-Schmiede Rocket Internet “ein Zeichen, dass ein solches Wachstum möglich sein kann.”

Angesichts der Kurseinbrüche scheinen sich die Anlegen offenbar näher mit den Zahlen von Rocket auseinandergesetzt zu haben. Ob nun Rocket eines dieser erfolgreichen Unternehmen ist, wie es vom BITKOM vorhergesagt wird, ist damit zweifelhafter als vor dem IPO. Rohleder gibt zu bedenken: “Wichtig sollten für Start-ups und Anleger grundsätzlich nicht schnelle Kursgewinne sein, sondern langfristiges und nachhaltiges Wachstum.”

Aber genau dieses langfristige und nachhaltige Wachstum wird von vielen Kritikern der Samwer-Brüder bezweifelt, möglicherweise zweifeln auch die Anleger.

 

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