LiMux: Rückkehr zu Windows würde München Millionen kosten

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Einer Anfrage des Stadtrats zufolge müsste München allein für Windows-7-fähige Hardware über 3 Millionen Euro zahlen. Dazu kommen noch Kosten für Lizenzen und Infrastruktur. OB Reiter führt die Probleme in der IT der Stadt nicht auf Linux zurück.

Microsoft oder Linux? Diese Frage beschäftigt seit dem Ende des Projekts “LiMux – Die IT-Evolution” den Münchner Stadtrat. Nach Aussagen des zweiten Bürgermeisters Josef Schmid (CSU) kamen im August Gerüchte auf, dass die Stadtspitze eine Rückkehr zu Microsofts Produkten in Betracht zieht. In einer aktuellen Anfrage der Grünen sowie der Rosa Liste äußerte sich Oberbürgermeister Dieter Reiter (PDF) zum Thema “Rückkehr zu Windows”.

Mux, Kolab, ESG, München

Der städtische IT-Dienstleister IT@M der Stadt rechnet demnach bei einer Rückkehr zu Windows mit Hardwarekosten in Höhe von rund 3,15 Millionen Euro. Es müssten alle Computer ausgetauscht werden, die nicht Windows-7-fähig sind. “Bei einem Umstieg auf Windows 8.x wären die Kosten noch wesentlich höher”, heißt es von Seiten der IT-Abteilung.

Zusätzlich kämen Kosten für den Auf- beziehungsweise Ausbau der Microsoft-Infrastruktur sowie Lizenzen hinzu. Ohne weitere Planung lassen sich die Kosten allerdings nicht beziffern. Der Dienstleister glaubt, dass durch eine Abkehr von Linux Investitionen in Höhe von 14 Millionen Euro verloren wären. Diese umfassen Kosten für Schulungen, Anpassungen an Fachverfahren sowie für das “LiMux Konfigurationsmanagement und Softwareverteilung”.

Eine externe Prüfung für einen Umstieg wurde bislang nicht eingeleitet. Reiter zufolge erstellt eine interne Arbeitsgruppe momentan ein Leistungsverzeichnis für die Beauftragung eines externen Beratungsunternehmens. Das Verzeichnis soll unter anderem klären, ob die städtische IT leistungsfähig ist, “um den Ansprüchen an eine moderne Großstadtverwaltung gerecht” wird. Zusätzlich soll untersucht werden, wie die IT-Bedürfnisse der Mitarbeiter “jederzeit zufriedenstellend” abgedeckt werden können.

“Insgesamt geht es mir hierbei nicht primär um die Frage des Betriebssystems, sondern um die Gewährleistung einer zukunftsfähigen städtischen IT”, schreibt Reiter in seiner Antwort.

Schmid berief sich bei seiner Kritik an LiMux auf Aussagen von unzufriedenen Mitarbeitern. Diese äußerten ihr Missfallen zuvor in einer Mitarbeiterbefragung. Dabei stand aber nicht nur die Softwarelösung in der Kritik, sondern auch Hardware und Support. Dabei ist allerdings noch nicht geklärt, welche der Beschwerden sich auf Open-Source-Software zurückführen lassen. Das will die Stadt in einer weiteren Befragung herausfinden.

Einigen Medienberichten zufolge verzögerte sich aufgrund von LiMux auch die Auslieferung von Diensthandys. Dem widerspricht Reiter in seiner Antwort an den Stadtrat allerdings. Demnach steht das Betriebssystem LiMux “in keinem Zusammenhang mit dem Zeitraum bis zur Auslieferung der dienstlichen Smartphones für die Stadtspitze”.

Das Problem bestehe vielmehr darin, “dass bislang keine Smartphones mit iOS-Betriebssystem in der Verwaltung eingesetzt wurden”. Die IT-Abteilung musste aus diesem Grund zunächst Sicherheitsmerkmale festlegen, Geräte konfigurieren und Daten migrieren.

Darüber hinaus musste die Stadt zusätzliche Server einrichten, “um die auf den iPhones gespeicherten Informationen in der Infrastruktur der LHM (Landeshauptstadt München) zu sichern statt in der iCloud von Apple.” Somit sollen die Daten besser geschützt und ein Support unabhängig vom iPhone-Hersteller gewährleistet werden.

Die IT-Abteilung ist weiterhin vom LiMux-Projekt überzeugt. Sie bezeichnet es als “erfolgreichen Projektverlauf”. Zudem konnten “noch wesentliche weitere Verbesserungen erzielt werden. Exemplarisch zu nennen sind in diesem Zusammenhang etwa die Unterstützung offener Standards oder die Reduzierung der Heterogenität bei Makros und anderen Office-Lösungen. Aus IT-interner Sicht kommt der erfolgreichen Etablierung von wirksamen und erprobten Prozessen zum Anforderungs-, Test- und Releasemanagement von LiMux besondere Bedeutung zu”.

Auch die dritte Bürgermeistern Christine Strobl (SPD) ist nach “gründlicher Prüfung” der Meinung, dass der Umstieg auf Linux eine richtige Entscheidung war. Zu so einer konkreten Stellungnahme konnte sich Reiter in seiner Antwort an den Stadtrat nicht durchringen. Er verweist lediglich auf eine leistungsfähige und moderne Großstadtverwaltung, die “die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer jederzeit zufriedenstellend abdecken kann”.

Stadtrat Florian Roth (Bündnis 90/Die Grünen), der die Anfrage mit einem Fraktionskollegen gestellt hatte, fordert in einer ersten Auswertung der Antworten “das Bestehende zu verbessern und besonders bürokratische Abläufe zu verändern, statt – wie OB Reiter und sein 2. Bürgermeister Schmid es taten – ganz anders bedingte Probleme mit ihren Diensthandys auf offene Software zu schieben”.

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