Oracle-Anwender wettern gegen Lizenz-Wirrwarr

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Oracle (Grafik: Oracle)

Unzureichende Kommunikation von Änderungen in den Lizenzbestimmungen und undurchsichtige Lizenzen, die teilweise von den eigenen Mitarbeitern falsch eingeordnet werden, daran stören sich Anwender von Oracle, wie eine Untersuchung unter Oracle-Kunden zeigt.

Offenbar formuliert Oracle für Anwender teilweise unklare Compliance-Anforderungen. Quelle: Campaign for Clear Licensing.
Offenbar formuliert Oracle für Anwender teilweise unklare Compliance-Anforderungen. Quelle: Campaign for Clear Licensing.

SAP gibt sich mit dem “Run Simple”-Programm redlich Mühe, die eigenen Lizenzen weniger komplex zu machen und Microsoft sorgt mit der Ankündigung für Software-Assurance-Kunden, künftig nur noch Nutzer und keine Endgeräte mehr zu lizenzieren, für Schlagzeilen. Das Vereinfachen von Lizenzen scheint eine Art Trend unter Anbietern zu sein. Doch wie eine Studie der Non-Profit-Initiative Campaign for Clear Licensing (CCL) zeigt, gibt es im Fall von Oracle noch Raum für Verbesserungen. So seien Oracle-Kunden teilweise frustriert von Oracles Lizenz-Politik. Und die Unzufriedenheit scheint bei der Auditierung zu starten.

88 Prozent der 100 befragten Oracle-Asset Manager haben demnach nicht das Gefühl, dass die Anforderungen, die Oracle in einem Audit stellt, klar und einfach zu verwalten oder zu beantworten sind. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass etwa 92 Prozent angeben, dass Oracle Änderungen in der Lizenzierung nicht immer konsistent und klar kommuniziert. So sollen, wie Martin Thomson, der Initiator der Studie, teilweise das License Management Service Team (LMS) mit Informationen gearbeitet haben, die veraltet waren.

Oracle unterhält mit LMS ein Team, das den Anwendern helfen soll, compliant zu bleiben, doch scheint diese Hilfe so häufig nicht anzukommen: Lediglich 22 Prozent der Befragten geben an, dass LMS einen Audit-Prozess “hilfreich” begleite. Immerhin geben 24 Prozent an, dass sich durch die Rolle von LMS die Kommunikation mit Oracle verbessert habe. Zudem kritisieren die Anwender, dass es häufig kaum möglich ist, ein Self-Assesment durchzuführen oder die eigene Compliance zu messen. Teilweise sei auch die Messtechnik für die Lizenzierung nicht den Verträgen festgehalten, was für die Kunden die Planung erschwere.

In der Studie heißt es dazu: “Es scheint, dass außer einer gewissen Zahl von autonomen Anwendern – Oracle nicht die Kontrolle verlieren will, weil es fürchtet, die nächste Verkaufs-Opportunity zu verlieren.” Die CCL rät bei unklaren Fällen daher: “Wenn man es nicht messen kann, installiere es nicht – oder lebe mit den Konsequenzen.”

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Kommunikation zwischen dem Oracle-Vertrieb und LMS. So werden teilweise Veränderungen nicht an LMS weiter gegeben oder der Vertrieb klärt die Anwender nicht vollständig über die Folgen einer neuen Technologie auf. Dennoch, so behauptet die Studie, sind Kunden dann angehalten, mit dem LMS-Team zu sprechen. Diese Informations-Silos bei Oracle seien für die Anwender frustrierend, heißt es in der Studie weiter.

Für Oracle-Anwender bedeute das, so Thompson, dass die meisten Organisationen zu wenig Ressourcen allokieren, um Oracle zu managen. Thompson rät daher: “Das Senior Management sollte sich bewusst sein, dass jeder Kauf bei Oracle einen erheblichen Management-Overhead mit sich bringt, und dementsprechend sollte auch budgetiert werden.”

Die Studie wurde, wie CCL betont, weltweit unter Software Asset Managern, IT Asset Managern, Software Licensing Specialisten oder auch unter IT Procurement Experten und nicht schwerpunktmäßig unter Oracle-Kunden durchgeführt. Dennoch habe sich gezeigt, dass bei Anwendern ein tiefsitzendes Misstrauen gegenüber den Vertriebspraktiken von Oracle herrscht.

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