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Open Cloud Alliance als Alternative zu AWS, Azure und Google

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Vendor-Lock-In sollte eigentlich in der Cloud kein Thema sein. Doch bislang fehlen auf Anbieterseite einheitliche Standards. Zusammen mit dem deutschen Open-Source-Spezialisten Univention haben IBM und OpenExchange jetzt eine Initiative gegründet, die hier eine quelloffene Alternative etablieren will. Erste Produkte soll es Anfang nächsten Jahres geben.

Identity-Management über LDAP und Active Directory mit Open Cloud Alliance und UCS. (Bild: Univention und IBM)
Die Open Cloud Alliance bietet ein einheitliches Identity-Management.

Gerade kleinere Anbieter von Public-Cloud-Services sehen sich durch die Cloud neuen Herausforderungen gegenüber. Denn alte Hosting-Infrastrukturen lassen sich nur bedingt auch in die Cloud überführen, wie Crisp Research in einem Paper erklärt. Bei der Auswahl der neuen Technologie-Plattform sollte daher eine offene und herstellerunabhängige Technologie an erster Stelle stehen. Die großen Anbieter, die derzeit den Markt dominieren – allen voran Google, Amazon und Microsoft – verfolgen ihre eigenen Ansätze.

Univention, der Open-Source-Anbieter hinter dem Univention Corporate Server, versucht nun das Geschäftsmodell, das bisher auf On-Premise-Anwendungen zielt, auch in das Zeitalter der Cloud zu bringen. Die Unternehmen IBM und der Groupware-Spezialist Open-Xchange sowie weitere Unternehmen haben sich ebenfalls diesem Ziel verschrieben und dafür die Open Cloud Alliance gegründet.

Die Open Cloud Alliance ist ein Netzwerk zu dem sich Provider, Softwarehersteller und Systemintegratoren mit dem Ziel eines gemeinsamen Open Source Standards für Cloud-Provider zusammengeschlossen. Am Ende soll ein integriertes und modulares Cloud-Portfolio stehen, das nicht nur die technologischen Anforderungen an einer Cloud-Infrastruktur unterstützt, sondern auch Sicherheit, Integration und Rechtskonformität bietet. Der Anwender profitiert, in dem er einfach zwischen verschiedenen Anbietern wechseln und auch verschiedene Dienste integrieren kann. So kann Peter Ganten, CEO von Univention und auch Vorsitzender des Industrieverbandes Open Source Business Alliance, etwa zwischen den Angeboten von großen Cloud-Anbietern nur wenig Integrationsmöglichkeiten erkennen.

Univention hat mit dem Univention Corporate Server bereits eine offene Infrastruktur für Unternehmen geschaffen, die damit zum Beispiel Unternehmensnetzwerke oder eine Nutzerverwaltung aufsetzen können. Über ein App-Center können Unternehmen dann rund 50 weitere Anwendungen in ihrer Unternehmensinfrastruktur installieren.

Und diese Infrastruktur dient auch als Referenzarchitektur für die Open Cloud Alliance, die darüber hinaus auch auf x86-Server von IBM/Lenovo mit IBM Cloud Manager und OpenStack als Cloud-Management besteht. Der Corporate Server (UCS) dient damit als eine Art Middleware, die die Cloud-Services von diversen Anbietern, physische Server im eigenen Unternehmen und das Cloud-Management aus OpenStack verbindet.

Systemhäuser, kleinere Cloud-Provider, Software-Anbieter sollen auf Basis von UCS eine standardisierte Plattform bekommen, das sich auch mit bestehenden Infrastrukturen und Verzeichnisdiensten wie LDAP oder Active Directory verbinden lässt. Damit seien Cloud-Hoster in der Lage, ein breites Angebot an Enterprise Applicationen anzubieten, ohne diese aber im Einzelfall integrieren zu müssen. Für kleinere Software-Hersteller hingegen liege der Vorteil darin, dass man eine Lösung auf diese Weise einer großen Zahl unterschiedlicher Hoster zur Verfügung stellen kann und auch hier muss die Lösung nur einmal in die Plattform integriert werden.

Über UCS sollen Anwender hybride Cloud-Installationen – auch mit Angeboten von Amazon oder Google – realisieren können. René Büst, Analyst bei Crisp Research, und Autor eines Whitepapers zur Open Cloud Alliance, sieht noch einen weiteren Vorteil für Anwender und Anbieter gleichermaßen: Derzeit ist Fachwissen rund um Cloud-Technologien und vor allem rund um OpenStack Mangelware. Durch den offenen und standardisierten Ansatz und das praxisnahe App-Center des UCSs, können Anwender den Bedarf bei nach Experten niedrig halten. Zudem verringert sich dadurch die Time-To-Market gegenüber Eingenentwicklungen.

“Verlässliche Cloud Angebote sind nur vertrauenswürdig, wenn sie über verschiedene Anbieter verfügbar sind und eine problemlose Datenmigration durch offene Software ermöglichen. Diese Philosophie ist der Kern der Open Cloud Alliance und schafft Vertrauen und gegenseitigen Nutzen zwischen den Providern und – was am wichtigsten ist – einen echten Mehrwert für die Kunden”, kommentiert Raphael Laguna, CEO des Group-Ware-Anbieters Open-Xchange.

Neben den Initiatoren IBM und Univention zählen auch Open-Xchange, der File-Sync-Spezialist OwnCloud, der Groupware-Anbieter Zarafa, der Dienstleister Netzlink, die Cloud-Anbieter Teutostack MLink und der Co-Location-Spezialist Plutex zu ersten Mitgliedern und Unterstützern der Allianz. Mit ersten Open-Cloud-Alliance-Diensten ist im ersten Quartal 2015 zu rechnen. Die Version 4.0 des Univention Corporate Servers ist für Mitte November geplant.

Open Cloud Alliance Referenzarchitektur. (Bild: Univention und IBM)
Open Cloud Alliance Referenzarchitektur.

Martin Schindler schreibt nicht nur über die SAPs und IBMs dieser Welt, sondern hat auch eine Schwäche für ungewöhnliche und unterhaltsame Themen aus der Welt der IT.

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