Berners-Lee: Das Internet ist kein CIA-Projekt

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An die Adresse von Russlands Präsidenten Vladimir Putin gerichtet, erklärt der “Erfinder” des Webs, dass das Internet nicht zu Spionage-Zwecken erfunden wurde.

“Das Internet ist keine Schöpfung der CIA”, erklärt Tim Berners-Lee gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Lee, der 1989 den Grundstein für das moderne Internet legte, reagiert damit auch auf eine Aussage von Russlands Präsidenten Vladimir Putin. Putin hatte im Frühjahr erklärt, dass das Internet aus einem “CIA-Projekt” heraus entstanden sei.

Sir Tim Berners-Lee. (Bild: w3.org)Berners-Lee macht sich für ein freies Internet stark. Er kritisiert die USA und Großbritannien für die umfangreiche Überwachung des Web. Berners-Lee hält das Internet für ein Grundrecht und daher sollte es auch vor politischen Einmischungen geschützt werden. Auch die Volksrepublik China kritisiert Berners-Lee für die starke Zensur des Webs im Inland.

Berners-Lee erklärt: “Es war eine akademische Gemeinschaft, die ihre Universitäten untereinander verkabelt hatten. Daher wurde das Internet von schlauen und wohlmeinenden Leuten entwickelt, die das Ganze für eine gute Idee hielten.” Dennoch hätten auch die USA Gelder in diese Forschung investiert. Verbreitet aber wurde es ausschließlich in akademischen Kreisen.

Aber natürlich ist auch Berners-Lee Realist: “Wie alle wirkungsvollen Werkzeuge, kann auch das Internet für Gutes oder Schlechtes verwendet werden.” Dass zum Beispiel die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) das Internet für die eigenen Zwecke missbraucht, kommentiert Berners-Lee mit den Worten, dass das Internet den Zustand der Menschheit widerspiegle.

Dennoch glaubt er an die Idee des offenen Webs: “Wenn man in das Web blickt, dann sieht man Verbindungen der Menschlichkeit. Menschlichkeit hat einige wunderbare Aspekte aber auch grausame Teile. Man kann kein Internet entwerfen, das plötzlich alle zu Heiligen macht. Aber was man tun kann ist, ein Internet zu entwerfen, das offen ist.”

Über seine World Wide Web Foundation veröffentlicht der Wissenschaftler auch ein Ranking, das Länder danach auflistet, in wie weit das Internet in den jeweiligen Ländern als Grundrecht verstanden wird und entsprechend vor finanziellen Interessen und politischer Einflussnahme geschützt wird. Auch relevante Inhalte und das so genannte Empowerment wird in diesem Ranking bewertet.

Dänemark, Finnland, Norwegen schaffen es auf die ersten Ränge. Auf Platz vier folgt Großbritannien. Die USA liegen hinter Schweden auf Rang 6. Deutschland kommt hinter Frankreich (11) auf Platz 14 vor Österreich (15) und Italien (29). Russland erreicht in diesem Vergleich hinter Polen (34) den Platz 35 und China erreicht Rang 44.

 

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